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... auf dem Blog der LWL-Archäologie für Westfalen. Mit unseren Beiträgen informieren wir über unsere Arbeit, über die aktuellsten Ausgrabungen und neuesten Erkenntnisse aus allen Regionen Westfalens und allen Fachgebieten.
 
Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und freuen uns auf viele Besucher sowie angeregte Diskussionen!

August 2017: Er brennt! Ausheizen des Siegerländer Kuppelofens im Freilichtmuseum Hagen (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/Manuel Zeiler)

Achtung Experiment – Teil 6

Ausheizen des Ofennachbaus

Es regnet. Während  sich die meisten Museumsbesucher im LWL-Freilichtmuseum Hagen in die zahlreichen Werkstätten flüchten, schaufeln sieben Archäologen unter freiem Himmel. Sie gehören zur Forschungskooperation aus LWL-Archäologie für Westfalen, Deutschem Bergbau-Museum Bochum, LWL-Freilichtmuseum Hagen sowie der Ruhr-Universität Bochum. Ihr Forschungsvorhaben ist der Nachbau und der Betrieb eines Verhüttungsofens, wie er vor über 2000 Jahren im Siegerland von keltischen Hüttenleuten betrieben wurde.

Der Abraum aus der Baugrube, in der der Ofen steht, wird abgegraben … (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/Manuel Zeiler).

Diese Öfen waren nichts weniger als die größten ihrer Epoche und bis heute ist unklar, wie sie betrieben wurden sowie wie viel Stahl mit ihnen produziert werden konnte. Das archäologische Experiment soll die Prozessschritte der Verhüttung rekonstruieren und Ansätze liefern, wie viel Stahl die keltischen Hüttenleute produziert haben könnten.

… und mit ihm der Ofen hinterfüllt. Dessen Außenwand war ja bereits mit Tonerde bestrichen, die nun den Ofen gegen die Erdfeuchte schützt (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/Manuel Zeiler).

Nachdem im Frühjahr der Ofen gebaut und im Frühsommer ausgebessert wurde, wurde nun die letzte Bauphase des Verhüttungsofens realisiert. Bis dahin stand der Verhüttungsofen frei in der zuvor ausgebaggerten Grube im Hang. 
Wieder unter der Bauleitung Heinz Hadems aus Siegen-Oberschelden wurde nun Erde des Grubenaushubs abgetragen und damit der Raum zwischen Ofen und Grube verfüllt. Auch Schauer konnten das Team nicht aufhalten und rasch war das komplette Erdmaterial der ehemaligen Baugrube umgelagert.
Damit später bei der Verhüttung Standfestigkeit besteht, wurde das eingefüllte Material kontinuierlich verdichtet. Da zuvor bereits, wie beim archäologischen Befund, die Ofenwand außen mit wasserabweisender Tonerde beschmiert wurde, gehen wir davon aus, dass nur wenig Wasser der eingebrachten Erde in die Ofenwand zieht.
Nun ragt der Ofen aus dem Hang. Der optische Eindruck eines originalen Verhüttungsofens des Siegerlandes wird lediglich von den herausragenden Keramik-Messrohren gestört, in die die Messanalytik bei der Verhüttung gesetzt werden wird.
 

Einen sonnigen Tag darauf begann der erste heikle Moment des archäologischen Experimentes: Nach monatelanger Trocknung war es nötig, das hölzerne Stützgerüst im Inneren des Ofens zu verbrennen, das die Ofenwand aus Lehm trägt. Zunächst wurde dazu ein Feuer an der Öffnung des Schürkanals angelegt, dass rasch auch das Innengerüst erfasste. Nachdem das Innengerüst gegenüber der Schürkanalöffnung verbrannt war, wurde die Glut in die Ofenmitte geführt. Es entstand ein starker Zug – der Ofen dröhnte. Dann ging es ganz schnell: Innerhalb von fünf Minuten schlugen Flammen mehr als einen Meter aus der Gichtöffnung, starker Funkenflug und die schnell wachsende Hitze trieben die Umstehenden weg. Rauch hüllte das gesamte Arbeitsgebiet ein. Wenige Minuten später war der Rauch wieder verzogen, das Innengerüst größtenteils verbrannt und damit auch die Flamme wieder geschrumpft.

… während innen die verziegelte Ofenwand deutlich die Abdrücke des jetzt verbrannten Innengerüstes aufweist (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/Manuel Zeiler).

Das Team befeuerte den Ofen daraufhin noch eine Stunde, um die Wandung weiter auszuhärten. Während der letzten Heizphase bildeten sich teilweise lange Risse, die zumeist an den Düsenöffnungen bzw. an den Öffnungen der Ofenwand beginnen. Die durchdringende Hitze verziegelte stellenweise sogar die Außenseite, während sie innen die Abdrücke des ehemaligen Stützflechtwerkes konservierte. Glücklicherweise drang durch keinen der Risse Rauch, trotzdem müssen sie noch vor der Verhüttung ausgebessert werden.

 

Insgesamt bewährte sich der langfristige Bau des Ofens: Ohne das massive Innengerüst, die miteinander verzahnten Lehmschichten sowie die lange Trocknungszeit, wäre die tonnenschwere Lehmkonstruktion sicherlich nicht so stabil gewesen.

 

Manuel Zeiler

Publikationsdatum: 04.08.2017

Themen: Außenstelle Olpe, Projekte