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... auf dem Blog der LWL-Archäologie für Westfalen. Mit unseren Beiträgen informieren wir über unsere Arbeit, über die aktuellsten Ausgrabungen und neuesten Erkenntnisse aus allen Regionen Westfalens und allen Fachgebieten.
 
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Archäologie in der Bürener Altstadt

Büren wurde 1194 gegründet und um 1220 in den Grenzen der heutigen Altstadt erweitert.
Damit kann die Stadt auf eine über 800jährige Geschichte zurückblicken. Mit Ausnahme der Kirche St. Nikolaus und Resten der Stadtmauer sind heute keine Überreste aus dem Mittelalter mehr sichtbar. Doch die Hoffnung, dass die Jahrhunderte nach der Stadtgründung ihre Spuren im Boden hinterlassen haben, begleitete ein Ausgrabungsteam bei der bisher ersten Ausgrabung in der Bürener Altstadt.

Das Grundstück Bertholdstraße 3 war gut gewählt: es liegt zentral und verspricht eine gut erhaltene Schichtenabfolge. Das Zusammenspiel mit der Stadt Büren, dem Beschäftigungsträger SBH West und dem Jobcenter Paderborn funktionierte einwandfrei und das Grabungsteam war hoch motiviert. Doch der Alltag von Archäologen verbirgt auch so manche Schwierigkeit im Boden. Zunächst stießen die Ausgräber schon nach wenigen Zentimetern auf ein mächtiges Fundament, das mit schwerem Gerät beseitigt werden musste.

Freigelegtes nachkriegszeitliches Barackenfundament

Als die Ausgräber dann Schicht für Schicht bis in eine Tiefe von 1,40 m gruben, stießen sie auf ein Abwasserrohr, das längs durch die beiden Grabungsschnitte verlief und sämtliche historische Schichten störte.

Freigelegtes Abwasserrohr in 1,40 m Tiefe

Allerdings hatte sich zum Glück noch beiderseits des Rohrgrabens die originale Schichtenabfolge im Boden erhalten.

Graben im Profil mit Schichten des 17. bis 19. Jahrhunderts

Die gute Erhaltung der historischen Schichten führte allerdings dazu, dass die Ausgräber noch in 1 m Tiefe eine kompakte Steinlage freilegten, die Funde des 17. Jahrhunderts erhielt. Hierzu zählen vor allem Bruchstücke von Keramikgefäßen und Glasflaschen, aber auch eine schöne Gürtelschnalle.

Bronzene Gürtelschnalle des 17. Jahrhunderts mit Bärenköpfen- und Rankenverzierung

Voller Erwartung trug das Grabungsteam nun diese Schicht ab und stieß in 1,20 m auf eine humose Schicht, die als Gartenboden des 16. Jahrhunderts gedeutet werden kann. Diese Schicht enthielt unter anderem das Bruchstück einer sogenannten Schnelle, dass sind hohe konische Bierkrüge. Auf diesen Trinkgefäßen, die aus Siegburg bei Bonn stammen, sind plastische Auflagen mit religiösen Darstellungen zu sehen. Sie standen bei Gastmahlen auf dem Tisch und trugen die Frömmigkeit der Gastgeber zur Schau.

Bruchstück eines hohen schlanken Bierkruges (sogenannte Schnelle). Auf dem linken Medaillon ist ein Engel vor einer Stadtkulisse zu sehen; das rechte Medaillon zeigt eine Höllendarstellung mit einem Höllenwesen mit Eselsohren und einem armen Sünder, der Kopfüber in das Fegefeuer stürzt.

Gerade in dieser Tiefe mussten die Ausgräber aber aus Sicherheitsgründen zunächst ihre Arbeit beenden. Der Schnitt wurde nun erweitert, um die Grubenwände abzuböschen. Diese Arbeit im regennassen Herbst ist aber nur die Vorbereitung für die nächste Grabungskampagne, die für Mai/Juni nächsten Jahres angepeilt ist und bei der wir dann von der Schicht des 16. Jahrhunderts ausgehend in die Frühgeschichte der Stadt weiter vorstoßen wollen.
Wir sind gespannt was uns dort noch im Boden erwartet.

Text: Sven Spiong

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Publikationsdatum: 07.11.2016

Themen: Außenstelle Bielefeld, Aktuelle Grabungen