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Burg Vischering in voller Pracht. Foto: LWL/R. Klostermann

Burg Vischering auf's Fundament geschaut

Archäologische Untersuchungen bringen ein Stück Baugeschichte ans Licht

In Lüdinghausen wird derzeit im Rahmen des Regionale2016 Projekts WasserBurgenWelten das Paradestück der münsterländischen Wasserburgen – die bischöfliche Burg Vischering restauriert. Die dadurch bedingten Bodeneingriffe werden seitens des Fachreferats für Mittelalter- und Neuzeit der LWL-Archäologie für Westfalen betreut. Eine seltene Gelegenheit, nicht nur den Fundamenten der Burg auf den Grund zu gehen, sondern auch der Baugeschichte.

Detailansicht der Burganlage. Foto: LWL/R. Klostermann

Die aus Haupt- und Vorburg bestehende und in einem großen Hausteich gelegene Burg Vischering wurde 1271 durch den münsterischen Bischof Gerhard von der Mark als Gegengewicht zu den Burgen Lüdinghausen und Wolfsberg gegründet, auf denen die Herren von Lüdinghausen saßen. Mit der Burg belehnt wurde der Droste Albert von Wulfheim, dessen Familie sich seit dem 14. Jahrhundert „von Droste zu Vischering“ nennt und bis heute im Besitz der Anlage ist.

Ihr heutiges Erscheinungsbild  verdankt die Burg größtenteils einem Wiederaufbau im Stil der Renaissance, der nach einem verheerenden Brand im Jahr 1521 in Angriff genommen wurde. Markantestes Element der Hauptburg ist aber bis heute ihr gut 1,60 Meter starker Mauerring, der  ursprünglich 10 Meter hoch war und direkt vom Wasser des Hausteichs umspült wird. Er entstammt noch der Anlage des 13. Jahrhunderts. Wie aber die innere Bebauung der Kernburg zu Zeiten ihrer Errichtung im späten Mittelalter ausgesehen hat,  kann nur noch auf archäologischem Wege erschlossen werden. Spärliche Informationen liefern die Archivalien: Ein Teilungsvertrag aus dem Jahre 1414 nennt zwei Steinhäuser und ein Bergfried.

Die Burg aus anderer Perspektive. Foto: LWL/R. Klostermann
Blick auf die Fundamente. Foto: LWL/R. Klostermann

Im Kellergeschoss des Treppenturms im Winkel zwischen West- und Südflügel  konnten nun zwei Fundamente freigelegt werden. Das jüngere der beiden war auf Holzpfosten gegründet und bestand aus vermörtelten Bruchsteinen. Beim Bau des Treppenturms Mitte des 16. Jahrhunderts hatte man das 1,40 Meter starke Mauerwerk teilweise abgebrochen, um eine komfortable Erschließung von West- und Südflügel zu gewährleisten.

Spannend ist die Entdeckung des älteren Streifenfundaments, das sowohl beim Bau des Treppenturms als auch bei Legung des jüngeren Fundaments gestört wurde. Ebenfalls auf einem Pfahlrost gegründet besteht es aus in schluffigem Sand versetzten großen Findlingen und Lesesteinen. Mit einer Breite von gut 1,00 Meter verläuft es in südwest-nordöstlicher Richtung und weicht um gut 20 Grad von der Flucht des jüngeren Fundaments ab. Sehr wahrscheinlich belegt es einen Steinbau aus der Gründungszeit der Burg im 13. Jahrhundert, bei dem es sich wohl um einen Vorgänger des renaissancezeitlichen Südflügels gehandelt haben wird. Mit seinem Verlauf liefert es zudem einen weiteren Hinweis darauf, dass die Ringmauer ursprünglich auch im Südosten rundlich ausgeprägt war und erst mit dem Bau des Südflügels im fortgeschrittenen 16. Jahrhundert eckig überbaut wurde.

Mit den noch bis ins Frühjahr 2017 andauernden Sanierungsarbeiten geht die Hoffnung einher, weitere archäologische Quellen zur Baugeschichte der Burg Vischering aufzuschließen. Die LWL-Archäologie wird zeitnah berichten.

Wolfram Essling-Wintzer

Publikationsdatum: 15.11.2016

Themen: Mittelalter- und Neuzeitarchäologie