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... auf dem Blog der LWL-Archäologie für Westfalen. Mit unseren Beiträgen informieren wir über unsere Arbeit, über die aktuellsten Ausgrabungen und neuesten Erkenntnisse aus allen Regionen Westfalens und allen Fachgebieten.
 
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Gewalt und Kannibalismus – Tatorte in der Jungsteinzeit

Spannend wie ein Krimi war am 23.03.2019 eine Dokumentation des Senders Arte über das Leben der Jäger und Sammler sowie der ersten sesshaften Menschen.

Im Neolithikum begann eine neue revolutionäre Ära: Die Menschen mussten ihrem Essen nicht mehr hinterherjagen, der Speiseplan wurde vielfältiger. Sie bauten Hofstellen, kleine Siedlungen, züchteten Vieh und bestellten ihre Felder, wobei diese täglichen Arbeiten auch ganz neue körperliche Herausforderungen darstellten.

Für die Menschheitsgeschichte war diese Phase ein großer Schritt. Techniken und handwerkliches Geschick wurden teils neu entdeckt, teils weiterentwickelt und verfeinert, erste Handelswege lassen sich nachweisen.

Dr. Hans-Otto Pollmann informierte Gabriele Wengler über die Lebensweise der Bauern in der Warburger Börde vor 7000 Jahren.

Gabriele Wengler, die Regisseurin der Dokumentation, stellte mit Hilfe von Archäologen, Anthropologen und filmischen Szenen dar, dass das Leben vor 7500 Jahren aber nicht nur friedlich, sondern auch kriegerisch und brutal war.

In verschiedenen Orten in Ost- und Süddeutschland sind Massengräber gefunden worden, in denen vereinzelt mehrere hundert Skelette lagen. Untersuchungen an den Knochen zeigten, dass diese Menschen durch Gewalteinwirkungen gestorben waren. Diese konnte sowohl auf Grund kriegerischer Auseinandersetzungen, als auch aus kultischen und rituellen Motiven heraus erfolgt sein. An den gefundenen Knochen ließen sich Ernährungs-und Lebensgewohnheiten sowie Krankheiten der Menschen und sogar Fälle von Kannibalismus nachweisen.

Als Gegenpart zur kriegerischen Seite der Zeit wurde im Film über die Grabung in Warburg-Hohenwepel berichtet, wo bis zu 700 Menschen einer nahegelegenen Siedlung über eine lange Zeit hinweg bestattet worden waren. Hier lagen die Menschen, deren Knochen sich aufgrund der Bodenverhältnisse fast ganz aufgelöst hatten, in sorgfältig angelegten Einzelgräbern. Ihre Angehörigen gaben ihnen Steinwerkzeuge darunter extra angefertigte Beile und Keramikgefäße mit Speisen mit ins Grab.

Gespannt ließ sich das Filmteam den Totenkult der sesshaft gewordenen Menschen erklären.

Dr. Hans-Otto Pollmann erläuterte dazu, dass die Grabbeigaben aus Keramik oder Stein für das Weiterleben nach dem Tod gedacht waren.

Die Filmaufnahmen wurden nach Anweisung der Regisseurin erstellt, und manchmal auch wiederholt.

Wer neugierig geworden ist und diesen informativen und spannenden Film anschauen möchte, hat am 07.04.2019 um 12:55 Uhr und 09.04.2019 um 10:55 Uhr auf Arte oder jetzt schon in der Mediathek die Möglichkeit dazu.

https://www.arte.tv/de/videos/080953-000-A/gewalt-und-kannibalismus/

Das ZDF strahlt die Sendung am 26.05.2019 um 19.30 Uhr aus.

Text: Maria Hahne