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Nach über 80 Jahren Forschung ...

Unterschutzstellung der keltischen Eisenverhüttungswerkstätten in Siegen-Achenbach

Seit kurzem ist eines der wichtigsten archäologischen Montanensembles der Vorrömischen Eisenzeit Deutschlands in die Denkmalliste der Stadt Siegen eingetragen: Es handelt sich um die Verhüttungswerkstätten des Engsbachtals im Ortsteil Achenbach. Der sehr engagierte Heimatverein Achenbach, der bereits zuvor diesen wichtigen Fundplatz mit Informationstafeln und sogar einem Verhüttungsofenmodell touristisch aufbereitet hatte, war Initiator der Unterschutzstellung. Auch die Stadt Siegen als Grundstückseigentümerin unterstützte das Vorhaben und setzte die Unterschutzstellung rasch um.

Das Fundareal ist wegen seiner Größe, der guten Befunderhaltung sowie seiner forschungsgeschichtlichen Bedeutung überregional wichtig. Zudem bietet es großes Forschungspotential für die Zukunft, um z.B. Fragen nach der ersten systematischen Erschließung des Siegerlandes durch eisenzeitliche Hüttenleute nachzugehen. Denn die Region wurde erstmals um 300 v. Chr. massiv aufgesiedelt. In die Region wanderten zu dieser Zeit fremde Berg- und Hüttenspezialisten aus dem keltischen Kulturraum ein. Sie beuteten die reichen Eisenerzlagerstätten vor allem im westlichen Siegerland aus und verhütteten Hämatite sowie Limonite in großen Öfen. Diese wurden erstmals im großen Stil während der 1930er Jahre hier im Engsbachtal erforscht. Damals hatte der regional bekannte Heimatforscher Otto Krasa zusammen mit H. Rohrbach anhand von Schlackenfunden das Fundareal im Mai 1933 identifiziert und mit ersten Schürfungen begonnen. Dabei legte er einen außergewöhnlich gut erhaltenen sog. Rennofen der keltischen Handwerker frei. O. Krasa bewertete dies später selbst als „die Krönung meiner Spatenarbeit“. Der Ofen wurde später en bloc geborgen und in das Siegerlandmuseum im Oberen Schloss Siegen gebracht – eine für die damalige Zeit außergewöhnliche Leistung, auch wenn man den Schürkanal des Ofens aus Platzgründen nicht ausstellen konnte.

Modell eines Rennofens, wie er im Engsbachtal betrieben wurde (Grafik: M. Zeiler)

Dieser Ofen, der heute noch im Museum bewundert werden kann, ist mannshoch, birnenförmig und war ehemals in den Hang des Bachtals eingetieft. Von oben wurde er mit Brennmaterial und Erz befüllt, woraus sich bei sauerstoffarmer Atmosphäre und einer Temperatur unter 1000 °C das Ganggestein vom Eisen trennte und nach unten rann. Von diesem Vorgang leitet sich der Begriff Rennofen ab. Im Gegensatz aber zu anderen Rennöfen der Vorrömischen Eisenzeit waren die Siegerländer eine Klasse für sich: Sie konnten mehrfach benutzt werden, hatten eine technisch ausgeklügelte Wärmeisolierung und waren die größten nördlich der Alpen.

An die Schürfungen O. Krasas schlossen sich bis 1934 systematische Ausgrabungen der Archäologischen Denkmalpflege unter August Stieren sowie unter der Leitung des Hütteningenieures Josef-Wilhelm Gilles an. Sie wiesen eine Vielzahl weiterer Rennöfen im Engsbachtal nach, darüber hinaus aber auch andere Einrichtung der keltischen Werkstätten wie Schmiedeareale oder Bereiche der Erzaufbereitung.

Die letzten archäologischen Untersuchungen 2012 anlässlich einer Forschungskooperation des Deutschen Bergbau-Museums Bochum, der LWL-Archäologie für Westfalen (Außenstelle Olpe) sowie der Ruhr-Universität Bochum fanden unter der Leitung von Stephanie Menic statt und lassen davon ausgehen, dass hier weiterhin noch zahlreiche gut erhaltene technische Anlagen im Boden erhalten sind, die der zukünftigen Forschung zur Verfügung stehen und nun nach dem Denkmalschutzgesetz auch gesichert sind.

Publikationsdatum: 21.10.2015

Themen: Außenstelle Olpe, Spezialgebiete