Die Workshop-Teilnehmer aus acht Forschungseinrichtungen: (v. l. n. r.) Heinrich Thiemeyer, Beate Sikorski, Sidney Sebald, Daniel Demant, Manuel Zeiler, Jennifer Garner, Ulrike Tegtmeier, Thomas Kirnbauer, Stephanie Menic, Jutta Meurers-Balke, Wolfgang Ebel-Zepezauer, Ünsal Yalçin, Michael Baales, Michael M. Rind, Christoph Grünewald, Astrid Stobbe und Thomas Stöllner. – Foto: Deutsches Bergbau-Museum Bochum/Petra Eisenach; auf dem Foto fehlt somit Petra Eisenach

15 Jahre Siegerlandprojekt zum eisenzeitlichen Montanrevier

Workshop im LWL-Museum für Archäologie in Herne diskutierte den aktuellen Forschungsstand

Das Siegerland ist eine der bedeutendsten Montanlandschaften der Eisenzeit Mitteleuropas, die außergewöhnlich große Stahlmengen produzierte und die eng mit der keltischen Zivilisation verflochten war. Dies sind nur einige Erkenntnisse, die 15 Jahre intensive und interdisziplinäre Forschungen in der Region erbrachten. 18 Wissenschaftler der Archäologie, Archäometallurgie, Geologie, Archäobotanik, Anthrakologie (Analyse von Holzkohlen), Geographie und Anthropologie schufen auf Grundlage von Ausgrabungen und Prospektionen, Laboranalysen sowie Archivrecherche eine breite Datengrundlage, deren Auswertung in der finalen Phase ist. Bereits jetzt ist dadurch das Siegerland die am besten archäologisch erforschte Montanlandschaft in Nordrhein-Westfalen.

In einem eintägigen Projektworkshop im LWL-Museum für Archäologie Herne wurde der aktuelle Forschungsstand mit mehreren Vorträgen dargestellt und die Einzelergebnisse kontrovers diskutiert. So konnte festgestellt werden, dass pro Verhüttungsvorgang die keltischen Hüttenleute mindestens 100 kg Stahl produzierten, dass über einen weiten Raum die Produktion sowie Verarbeitung einheitlich organisiert war oder aber, dass nicht nur die Technologie, sondern auch die Spezialisten selbst von der keltischen Zivilisation (ab)stammten.

Das Siegerlandprojekt fing zunächst klein an. Dr. Hartmut Laumann (1949-2001), Wissenschaftler in der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen, beschäftigte sich intensiv mit der Eisenzeit im Siegerland und entwickelte nach ersten Ansätzen der Forschung in den 1930er/40er Jahre ein interdisziplinär ausgerichtetes Modell der prähistorischen Montanlandschaft. Sein viel zu früher Tod hätte beinahe das Ende aller Forschungen zu dieser Thematik in der Region bedeutet. Prof. Dr. Thomas Stöllner vom Deutschen Bergbau-Museum Bochum griff aber die Forschungen auf und entwickelte darauf das Siegerlandprojekt.

Das Projekt fing mit privat finanzierten Geländebegehungen an und entwickelte sich die nächsten Jahre beständig weiter. Die LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Olpe, sowie die Ruhr-Universität Bochum traten als Forschungspartner hinzu und als 2007 die Projektfinanzierung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gelang, konnte es so richtig losgehen. Nun waren großflächige Ausgrabungen, umfangreiche Analyseserien sowie die Einbindung externer wissenschaftlicher Partner möglich – und dies war auch notwendig: Von Anfang an stand im Fokus der Forschung nämlich nicht nur die Auffindung und Erforschung alter Hüttenplätze, sondern auch die Metallurgiekette, die Erzprovenienz, das Siedlungsverhalten, die Organisation der Ressourcennutzung und das Ausmaß des eisenzeitlichen Eingriffs in die Naturlandschaft.

Über die vielen Jahre erwiesen sich einige Projektansätze als Sackgassen, die meisten erbrachten hingegen eine Fülle an Erkenntnisse, woran man vor 15 Jahren nicht zu glauben gewagt hätte. Über die Jahre stießen immer wieder neue Wissenschaftler(gruppen) zum Projekt und bereicherten es mit ihrer Arbeit fundamental. Das freundliche Miteinander ließ immer wieder den interdisziplinären Austausch sowie Neujustierungen von Forschungsansätzen zu.

Nach einem ersten Workshop 2009, zahlreichen Fachartikeln sowie drei Monographien münden die Auswertungen nun in die abschließenden Publikationen. Der wichtige und anregende Austausch während des Projektworkshops 2017 soll daher die Basis einer gemeinsamen Publikation sowie der monographischen Vorlage der Arbeiten während der nächsten Jahre sein. Die Ergebnisse werden in einer neuen wissenschaftlichen Reihe publiziert, dessen jüngst veröffentlichter erster Band von Stephanie Menic die Produktionskette vom Erz zum Eisen vorstellt (Stephanie Menic, Die latènezeitliche Eisenproduktion im Siegerland. Chaîne opératoire und Ökonometrie der Prozessschritte. Studien zu Montanlandschaft Siegerland 2. Der Anschnitt, Beiheft 32. Rahden 2015).

Die weiteren Monographien sind mit Spannung abzuwarten!

Publikationsdatum: 27.02.2017

Themen: Außenstelle Olpe, Projekte