Almerich - Bergbau
(Foto: DBM/G. Steffens)
Der Stollenquerschnitt entstand, damit Feuer das Gestein zum schnelleren Vortrieb mürbemachen konnte (Foto: LWL/M. Zeiler).
(Foto: LWL/M. Zeiler)
Bergbau
Die montanarchäologischen Forschungen Gerd Weisgerbers (Deutsches Bergbau-Museum Bochum) auf dem Altenberg bei Müsen in den 1970er und 1980er Jahren waren innovativ und maßgeblich für die Bergbauarchäologie – bis heute! Mit Hilfe von Bergleuten aus dem Ruhrgebiet realisierte Weisgerber, dass mehrere mittelalterliche Schächte untersucht werden konnten, indem um sie ein neuer Schacht abgeteuft (abgetieft) wurde. So konnten Teufen (Tiefen) bis 25 m unter der Geländeoberkante erreicht werden. Die Forschenden bargen dabei viele Hölzer der stabilisierenden Schachtverzimmerung und fanden sogar von den Schächten abgehende Strecken. Der mit größerer Teufe zunehmende Wasserdruck ließ aber keine Ausgrabungen tiefer als 25 m zu.
Erst 2014 konnte geklärt werden, wie die hochmittelalterlichen Bergleute das Wasser-Problem lösten: Sie gruben Stollen und entwässerten die Berge. Eine archäologische Ausgrabung im Montanareal „Victoria“ nördlich des Altenbergs erbrachte erstmals eine zweifelsfreie Datierung eines Stollens in das 13. Jahrhundert. Nachfolgende Ausgrabungen und Rammkernbohrungen in vorgelagerte Halden weiterer Stollen erweiterten das Bild: Es sind nun mindestens sieben Stollen, die in das 12.-13. Jahrhundert datieren und gut erkennen lassen, dass großer Aufwand betrieben wurde, um Wasser zu lösen (Wasser aus dem Bergbau auszubringen). Nirgendwo sonst gibt es in Deutschland eine Montanregion mit so vielen hochmittelalterlichen Stollen, deren Datierung archäologisch nachgewiesen werden konnte.
Was suchten die mittelalterlichen Bergleute? Das nördliche Siegerland ist bekannt für polymetallische Erzvorkommen. Das bedeutet, dass hier, im Gegensatz zum westlichen Siegerland, nicht Eisenerze dominieren, sondern Buntmetallerze in bedeutenden Vorkommen existier(t)en. Im Mittelalter standen vor allem Limonit (Brauneisenerz), Bleiglanz (Bleierz) sowie Tetraedrit (Fahlerz) im Fokus. Letzteres beinhaltet Kupfer und Silber. Historische Quellen bis zum 19. Jahrhunderts schildern zudem, dass immer wieder Reicherze (z. B. gediegenes Silber) in nicht unerheblichen Mengen angetroffen wurden. Während der Altenberg auf eine sehr große Bleiglanzlagerstätte angelegt wurde, wurden in seinem Umfeld vor allem die Fahlerzlagerstätten fokussiert. Die Erzgänge dort waren teilweise großdimensioniert, wie Hohlräume untertage heute noch erkennen lassen.
Die mittelalterlichen Stollen wurden vorgetrieben, indem auch Feuer an den abzuarbeitenden Felsen gelegt wurde (Feuersetzen). Dadurch entstanden typische ballonförmige Stollenquerschnitte. 2024 wurden erstmals sogar Teile eines Holzausbaus einer mittelalterlichen Rösche (Grabenkonstruktion zur Ableitung des Grubenwassers aus dem Stollen) entdeckt, die Thorsten Westphal (Forschungslabor Dendroarchäologie der Universität zu Köln) auf nach 1239 datieren konnte. Der Stollen „Wolf“ ist damit einer der ältesten Bergwerke Nordrhein-Westfalens.
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(Foto: DBM/G. Steffens)
Der Stollenquerschnitt entstand, damit Feuer das Gestein zum schnelleren Vortrieb mürbemachen konnte (Foto: LWL/M. Zeiler).
(Foto: LWL/M. Zeiler)
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