Gefäße der Trichterbecherkultur
Denkmalschutzprojekt Trichterbecherkultur
Die Trichterbecherkultur erstreckte sich in der Zeit zwischen 4.000 und 2.700 v. Chr. von den Niederlanden bis zur westlichen Ukraine. Diese Kultur erhielt ihren Namen wegen einer charakteristischen Tongefäßform, dem Trichterbecher. Fundstellen dieser archäologischen Kultur findet man auf beiden Seiten der Grenze zwischen den Niederlanden und Deutschland, aber moderne Landesgrenzen können die wissenschaftliche Zusammenarbeit einschränken.
Vor fünftausend Jahren lebten Menschen in dem Gebiet, das wir heute als Overijssel, Gelderland und Westfalen-Lippe kennen. Ihre Welt bestand aus der Landschaft um sie herum: Flüsse, Sandböden, Wälder und offene Plätze, an denen sie wohnten, arbeiteten und ihre Toten bestatteten. Was sie hinterließen – Großsteingräber, Gräberfelder, Spuren von Häusern und die besonderen Trichterbecher – finden sich heute auf beiden Seiten der Grenze. Zusammen erzählen diese Funde eine gemeinsame Geschichte und geben weiter Rätsel auf.
So sind die Tonwaren fast durchgängig reich mit eingestochenen Mustern verziert. Auf einigen Gefäßen konnten in den Vertiefungen der Motive Rückstände einer weißlichen, wohl kalkhaltigen Masse festgestellt werden.
Die heute ästhetisch reizvoll wirkenden Vertiefungen waren in der Vergangenheit vielleicht gar nicht als solche zu sehen, sondern mit einer eventuell sogar farbigen Paste gefüllt. Möglicherweise gab die Keramik früher ein viel bunteres Bild ab, als es sich nun darbietet.
Scherben von mindestens 500 Keramikgefäßen wurden beispielsweise in Lengerich-Wechte (Kr. Steinfurt) geborgen. Neben den namensgebenden Trichterbechern stellen sogenannte Schultergefäße und Kragenflaschen wichtige Formen dar.
Auf niederländischer Seite nimmt die Ortschaft Dalfsen (Pr. Overijssel) eine besondere Rolle für die Forschung zur Trichterbecherkultur ein. Hier konnte in den Jahren 2015 und 2017 das größte Gräberfeld der Trichterbecherkultur in Nordwesteuropa ausgegraben werden. Auf einer Fläche von 120 mal 20 Metern wurden 135 Flachgräber mit mehr als 100 Gefäßen, einigen Feuersteinbeilen und Dutzenden von Bernsteinperlen gefunden.
Die Trichterbecherkultur zeigt, dass diese Region seit Jahrtausenden ein zusammenhängender Raum ist. Menschen lebten hier, zogen umher, begegneten einander und teilten Gewohnheiten und Ideen. Dieses Bewusstsein bildet die Grundlage der Zusammenarbeit zwischen den Provinzen Overijssel und Gelderland und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
Das Interreg-Projekt stellt einen Meilenstein in der Zusammenarbeit zwischen den Niederlanden und Deutschland im Bereich der archäologischen Denkmalpflege dar und zielt darauf ab, das gemeinsame kulturelle Erbe zu erhalten und zu teilen.
Eine kurze Zusammenfassung zur Trichterbecherkultur und zu dem zugehörigen Projekt gibt Dr. Bernhard Stapel von der LWL-Archäologie für Westfalen hier: https://www.youtube.com/shorts/xx1TN7PwyEg.
Dieses Projekt wird im Rahmen des Interreg-Programms Deutschland-Nederland von der Europäischen Union und den folgenden Interreg-Partner:innen finanziell unterstützt: Provinz Overijssel, Provinz Gelderland, Provinz Groningen, Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.
Projektpartner:innen
Provinz Overijssel
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)
Provinz Gelderland
Het Oversticht
Rijksuniversiteit Groningen
Assoziierte Partner:innen:
Provinz Drenthe
Ostfriesische Landschaft
Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Referat Oldenburg
Provinz Groningen
Drittmittel
Geplante Projektkosten: 576.403,53 €
Dieses Projekt wird im Rahmen des Interreg-Programms Deutschland-Nederland von der Europäischen Union und den folgenden Interreg-Partner:innen finanziell unterstützt: Provinz Overijssel, Provinz Gelderland, Provinz Groningen, Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.
Laufzeit
1.10.2023 bis 30.9.2026
Zum Projekt
Das Projekt besteht aus drei Komponenten: Wissensaustausch, Wissensvermittlung sowie Identifizierung und Beseitigung strategischer, politischer und rechtlicher Hindernisse für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
Die Projektpartner:innen bündeln ihre Kräfte, um das Wissen über die Trichterbecherkultur auf beiden Seiten der Grenze in eine gemeinsame wissenschaftliche Basis zu integrieren. Als gemeinsame Struktur bauen die Partner:innen eine Datenbank auf, wofür die LWL-Archäologie für Westfalen hauptverantwortlich ist. In der Datenbank führen sie Daten von Fundstellen und Funden beiderseits der Grenze zusammen, sodass sowohl Wissenschaftler:innen als auch die Öffentlichkeit Zugang zu den Informationen erhalten. Nach Abschluss des Projekts können auch Informationen aus anderen Regionen in die Datenbank übernommen werden.
Das Wissen über die Trichterbecherkultur möchte das Projekt einem breiten Publikum durch ein Buch, eine Wanderausstellung und eine Abschlussveranstaltung zugänglich machen. Junge Menschen werden in die Entwicklung dieses Projekts einbezogen. Alle Projektpartner:innen tragen zu dieser Wissensvermittlung bei, wobei die Provinz Overijssel die Federführung übernimmt. Die Projektpartner:innen machen die Aktivitäten der Öffentlichkeit über verschiedene Kanäle bekannt.
Am Beispiel der Trichterbecherkultur werden unter der Leitung der Provinz Gelderland strategische, politische und rechtliche Hindernisse für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ermittelt und möglichst beseitigt. Darauf basierend soll ein Handbuch für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit entstehen.