Projektvoraussetzungen
Westfalen ist eines der bedeutendsten Bergbaureviere Mitteleuropas. In der Eisenzeit begann die erste Montanphase der Region auf der Suche nach Eisenerz in der gesamten Region und nach Salz im Hellwegbereich. In der Römischen Kaiserzeit wurden Eisenerz und Bleierz abgebaut. Seit dem Hochmittelalter betrieben die Bergleute mit Schächten und Stollen erstmals regelrechten Tiefbau auf verschiedene Erze (Silber, Kupfer, Blei, Galmei u. Eisen) sowie auf Steinkohle und erneut setzte die Salzgewinnung ein. Die Neuzeit und erst recht die anschließende Industrialisierung führten zu einer gigantischen Ausweitung von Montanaktivitäten in die Fläche und in die Tiefe. Zugleich rückten nun auch Vorkommen in den Fokus, die zuvor nicht lohnend waren, wie beispielsweise Zinkblende und später Schwefelkies oder Schwerspat. Ende des 19. Jahrhunderts zählte die Montanregion Siegerland und, bis zum Ende der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das Ruhrgebiet zu den bedeutendsten Wirtschaftsstandorten in Deutschland. Mit der Schließung der letzten Steinkohlezeche 2018 endete schließlich die Epoche der Industrialisierung und über 2000 Jahre Bergbau in Westfalen ließen unzählige Strukturen zurück.
Damit aber nicht genug: Mit bergmännischen Methoden wurden auch Bauwerke und Strukturen außerhalb des Montansektors geschaffen: Kasematten, Belagerungsstollen, Keller, Bierkeller, Tunnel, Brunnen oder Lüftungsschächte. Besonders in der NS-Zeit wurden tausende Luftschutzanlagen, wie beispielsweise Untertageverlagerungen (als geplante Standorte bombensicherer Rüstungsfabriken) errichtet bzw. begonnen. Schließlich sind auch noch Kulturhöhlen aufzuzählen, die seit den Steinzeiten Menschen aus unterschiedlichen Motiven aufsuchten, um beispielsweise Tote zu bestatten.
Seit 2015 wurden von den Projektpartner:innen geeignete Methodenkombinationen entwickelt, die es erlauben, effektiv und detailreich untertägige Strukturen auch unter schwierigen Bedingungen – hoher Wasserstand, schwieriger Untergrund und Einsturzgefahr – zu dokumentieren. Zum Einsatz kommen dabei Laserscanning, die photogrammetrische Erfassung (z.B. Structure from Motion) sowie Videoaufnahmen und werden mit althergebrachten Verfahren (Beschreibungen, Objektfotografie, Zeichnungen) kombiniert. Das Resultat dieser Arbeiten ist immer eine enorme Datenmenge, die zeitaufwändig aufbereitet werden muss. Gleichzeitig erbringt die Analyse der Strukturen auf Grundlage archäologischer sowie historischer Quellen grundlegende Erkenntnisse zum Verständnis der untersuchten Objekte. Oft gelingt es dabei, überregional bedeutende Erkenntnisse zu gewinnen, beispielsweise zur Ereignis- oder Technikgeschichte. In Abhängigkeit von der Qualität bzw. dem Umfang der Dokumentation und der Analyseergebnisse sind dann verschiedene Darstellungsformen möglich.
Der Projektname „Westfalens Unterwelten“ haben wir mit freundlicher Zustimmung des LWL-Medienzentrums für Westfalen übernommen. Der Slogan betitelte eine dreiteilige Edutainment-Serie zum kulturellen Erbe untertage, die wir empfehlen und die in Kooperation mit der LWL-Archäologie für Westfalen realisiert wurde.
Wir haben das Logo der Serie, dass Niklas Schwartz entwickelt hat, erweitert: Unser Projekt umfasst nun mit gekreuztem Schlägel und Eisen das bedeutendste Symbol des Bergbaus, die Silhouette eines alliierten Bombers am Bildrand verdeutlicht das Themenfeld Luftschutz.