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... auf dem Blog der LWL-Archäologie für Westfalen. Mit unseren Beiträgen informieren wir über unsere Arbeit, über die aktuellsten Ausgrabungen und neuesten Erkenntnisse aus allen Regionen Westfalens und allen Fachgebieten.
 
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Die beiden menschlichen Schädel in der Kapellenapsis sowie die dahinterliegende, grünlich patinierte Münze (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/A. Wunschel).

Die Toten der Rodentelgenkapelle in Arnsberg-Bruchhausen

Die Arbeiter in der Rodentelgenkapelle in Arnsberg-Bruchhausen staunten nicht schlecht, als sie plötzlich einen menschlichen Schädel in den Händen hielten. Bei dem Einbau von neuen Heizungsanlagen waren sie Anfang Mai auf ein Grab gestoßen. Glücklicherweise verständigten sie umgehend unsere Kollegen der LWL-Archäologie für Westfalen vom Referat für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie.

Übersichtskarte der in der Rodentelgenkapelle dokumentierten menschlichen Gebeine sowie von weiteren Funden und Befunden (Plan: LWL-Archäologie für Westfalen/ A. Wunschel).

Als wir die Bestattung weiter freigelegt hatten, entdeckten wir, dass das Grab in Ost-West-Richtung orientiert war, wie es für christliche Gräber typisch ist. Die Arme und Hände des Toten waren im Beckenbereich zu einem Gebetsgestus verschränkt. Die Bestattung liegt im ältesten, westlichen Teil der Rodentelgenkapelle (Schnitt 1). Auffällig ist, dass die Ausrichtung des Toten nicht ganz der Längsachse der Kapelle entspricht. Möglicherweise war das Grab angelegt worden, noch bevor die Kapelle gebaut wurde. Um das Grab präzise datieren zu können, hat der Förderverein der Rodentelgenkapelle eine 14C-Analyse der Knochen in Auftrag gegeben. Das Ergebnis dieser naturwissenschaftlichen Methode erwarten wir mit Spannung.

Detail des historischen Spicksteinpflasters (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/A. Wunschel).

Bei den Sanierungsarbeiten kamen aber auch an anderer Stelle interessante Zeugnisse aus der Geschichte der Rodentelgenkapelle zu Tage. So fanden sich im Chorbereich Reste alter Fußböden. Dazu zählen eindrucksvolle steinerne Bodenbeläge aus sorgsam in Fischgrätenoptik verlegten Ruhrkiesen, ein sogenanntes Spicksteinpflaster. Da die Pflasterung lange Zeit unter dem Fußboden der Kapelle verborgen lag, konnten wir eine grünlich patinierte Münze finden, die offenbar noch genau an der Stelle lag, an der sie einst verloren ging. Sie gibt in der archäologischen Fachsprache einen „terminus ante quem“ an, also einen Zeitpunkt, vor dem sich ein Geschehnis abgespielt hat – in diesem Fall das Verlegen des Bodenbelags. Nach der Restaurierung durch die LWL-Archäologie für Westfalen konnte die Münze von dem Numismatiker Stefan Kötz näher bestimmt werden. Es handelt sich um ein sogenanntes Petermännchen (auch Albus genannt, ein 8-Pfennig-Stück) des Trierer Erzbischofs Johann Hugo von Orsbeck (1676–1711) aus der Münzstätte Koblenz. Die Münze wurde im Jahr 1683 geprägt.

Sogenanntes „Petermännchen“ (Durchmesser 1,7 cm) des Trierer Erzbischofs Johann Hugo von Orsbeck aus dem Jahr 1683 (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/S. Kötz).

Dieser Fund bestätigt die Schriftquellen zur Rodentelgenkapelle: So erfolgte 1659 eine Erweiterung der Kapelle durch zwei östliche Joche, die in Fachwerk ausgeführt wurden. Im Jahr 1666 wiederum wurde daran eine Sakristei in Apsisform angebaut – der Auffindungsort der Münze.

Blick von einem Baugerüst in die Kapellenapsis mit den beiden menschlichen Schädeln sowie Resten der historischen Fußbodenbeläge, u. a. ausgeführt als Spicksteinpflasterung (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/A. Wunschel).

Darüber hinaus hielt die Apsis der Kapelle noch zwei weitere Überraschungen bereit: In ihrem Zentrum entdeckten wir erneut zwei menschliche Schädel in einer Deponierung. Vermutlich handelt es sich um Reste von Gräbern, die bei den Erweiterungsarbeiten der Kapelle im 17. Jahrhundert aufgefunden worden waren. Die Schädel wurden offenbar im neu entstandenen Gebäudeteil „pars pro toto“ wiederbestattet, das bedeutet, stellvertretend für den gesamten Körper.

Für diese Knochen wiederholt sich die Geschichte nun zum zweiten Mal: Alle bei den aktuellen Baumaßnahmen aufgefunden Gebeine werden nach der wissenschaftlichen Dokumentation erneut in der Rodentelgenkapelle bestattet, sodass die Toten ihre Ruhe wiederfinden.

Text: Andreas Wunschel

Publikationsdatum: 06.09.2017

Themen: Mittelalter- und Neuzeitarchäologie, Aktuelle Grabungen