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... auf dem Blog der LWL-Archäologie für Westfalen. Mit unseren Beiträgen informieren wir über unsere Arbeit, über die aktuellsten Ausgrabungen und neuesten Erkenntnisse aus allen Regionen Westfalens und allen Fachgebieten.
 
Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und freuen uns auf viele Besucher sowie angeregte Diskussionen!

Der Ofen ist bereit und das Team der Forschungskooperation erwartet die kommende Verhüttungsphase mit großer Spannung (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/M. Zeiler)

Achtung Experiment – Teil 10

Das archäologische Experiment geht in seine sprichwörtlich heiße Phase

Seit dem Frühjahr 2017 erforscht eine Kooperation aus LWL-Archäologie für Westfalen, Deutsches Bergbau-Museum Bochum, LWL-Freilichtmuseum Hagen, Ruhr-Universität Bochum und Römisch Germanisches Zentralmuseum Mainz die keltische Verhüttungstechnologie des Siegerlandes in einem einmaligen archäologischen Experiment, worüber in bereits neun Beiträgen hier im Blog der LWL-Archäologie für Westfalen berichtet wurde.

 

Am Dienstag wurden die letzten Vorarbeiten für die diesjährige Verhüttungsphase abgeschlossen: Nachdem im Frühjahr der geflickte Rennofen mit einem zusätzlichen Schutzmantel aus Lehm ausgestattet wurde und der gesamte Ofen durch eine massive Überdachung geschützt war, wurden die anschließend entstandenen Trockenrisse der Schutzhülle am vergangenen Dienstag ausgebessert. Wieder unter fachkundiger Leitung Heinz Hadems wurden die Risse ausgekratzt, teilweise Hüllenteile abgenommen und schließlich wieder mit Lehm ausgefugt bzw. die Hüllenteile eingesetzt. In Anlehnung an die Ofenzier des letzten Jahres fertigte schließlich Marie Usadel mit Lehm ein Relief an der Ofenbrust an. Das Relief der „Ofensau“ spielt auf den hüttentechnischen Fachbegriff an, der für den bei der Rennfeuerverhüttung anfallenden Schlackenklotz steht.

Am Donnerstag, den 12. Juli, wurden Messsonden in den Ofen eingesetzt und die Infrastruktur für die weitere Dokumentation des Rennfeuerprozesses vorbereitet. Denn genauso wie 2017 wird die Verhüttung detailliert erfasst werden: Verschiedene Sonden im Ofen werden sowohl die Temperatur als auch den Sauerstoffgehalt messen, Menge und Feuchtigkeitsgehalt des zu verbrennenden Holzes werden bestimmt, das Erz wird gewogen, die einzelnen Arbeitsschritte beschrieben und der lokale Klimaverlauf festgehalten.

Im Gegensatz zum letztjährigen Versuch, werden wir dieses Jahr ein anderes Eisenerz verwenden: Dank dem Engagement von Maria Arians-Kronenberg, die selbst schon zahlreiche Verhüttungsexperimente mit Schachtöfen realisiert hat, kann die Forschungskooperation nun einige hundert Kilogramm Raseneisenerz (Limonit) verwenden. Letztes Jahr wurde sehr feinkörniges Roteisenerz (Hämatit) verwendet, welches wegen seiner Feinkörnigkeit häufig zu schnell durch das Brennstoffpaket durchrieselte und dann schlecht oder kaum verhüttet wurde.

Eine Autoladung voll Erz: Mehrere hundert Kilogramm Raseneisenerz werden ausgeladen (Foto: Deutsches Bergbau-Museum Bochum/Jennifer Garner)

Der von Maria Arians-Kronenberg organisierte Limonit ist vergleichbar mit Limonit, der neben Hämatit auch in den Siegerländer Öfen der Eisenzeit verhüttet wurde. Damit das Raseneisenerz allerdings verhüttet werden kann, muss in ihm eingelagertes Wasser ausgetrieben und das Erz mechanisch verkleinert werden. Deswegen werden wir es rösten: Beim Rösten wird im offenen Feuer das Wasser verdampft und die Struktur des Gesteins geschwächt, so dass dann porösere Erz leichter auf Wunschgröße zerpocht werden kann. Wir werden den Röstvorgang in einer Grube realisieren und nehmen als Vorbild die langovale Röstgrube des eisenzeitlichen Hüttenplatzes „Gerhardsseifen“ bei Siegen-Niederschelden. Dort dokumentierten archäologische Ausgrabungen 2009 und 2010 eine ehemals mindestens 40 cm eingetiefte Grube, in der sich geröstete Erze und Pochabfälle fanden.

Blick auf das Profil der geschnittenen Röstgrube der eisenzeitlichen Verhüttungswerkstatt „Gerhardsseifen“ bei Siegen-Niederschelden (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/M. Zeiler)

Genauso wie im letzten Jahr ist das Experiment öffentlich: Am Samstag, den 14. Juli um 11 Uhr werden wir den Ofen entzünden. Wie viele Verhüttungsvorgänge möglich sein werden wird sich im Verlauf zeigen, aber am Sonntag, den 22. Juli wird der Ofen letztmalig geöffnet werden. Bis auf den Ruhetag (Montag) des Museums können Interessierte den Forschern über die Schultern schauen und Daumen drücken.

Manuel Zeiler

Publikationsdatum: 12.07.2018

Themen: Außenstelle Olpe, Projekte