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... auf dem Blog der LWL-Archäologie für Westfalen. Mit unseren Beiträgen informieren wir über unsere Arbeit, über die aktuellsten Ausgrabungen und neuesten Erkenntnisse aus allen Regionen Westfalens und allen Fachgebieten.
 
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Geschützt unter einer Traverse steht der nachgebaute Rennofen (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/M. Zeiler)

Achtung Experiment – Teil 5

Notwendige Nachbesserungsarbeiten nach der Trocknungsphase

Geschützt unter einer hohen Traverse mit Plane steht er im LWL-Freilichtmuseum Hagen: Der Nachbau eines eisenzeitlichen Verhüttungsofens aus dem Siegerland. Eine Forschungskooperation aus LWL-Archäologie für Westfalen, Deutsches Bergbau-Museum Bochum, LWL-Freilichtmuseum Hagen, Ruhr-Universität Bochum sowie dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz will mit diesem Nachbau die Verhüttung von Eisenerz zum Eisen nachstellen, wie es keltische Spezialisten in der jüngeren Eisenzeit realisierten. Denn die Verhüttungsöfen waren nicht nur die größten ihrer Epoche und lassen hohe Produktionsmengen erwarten, sondern es ist grundsätzlich unbekannt, wie die Verhüttung in diesen Öfen überhaupt geführt wurde.

Daher hat die Kooperation im Frühjahr den Ofen nach archäologisch ausgegrabenen Befunden nachgebaut und wird Ende August eine Experimentreihe starten.

Teilweise zogen sich die Setzungsrisse über einer Länge von bis zu 80 cm hin (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/M. Zeiler)

Seit den letzten Baumaßnahmen waren nun Monate vergangen und erste Setzungsrisse erschienen an Teilen der Ofenoberfläche. Sie reichten bis zu 7 cm in die Tiefe, wobei aber an keiner Stelle ein Riss die komplette Wandung durchzog. Damit bewährte sich das Baukonzept Heinz Hadems: Er hatte die Ofenwand allmählich in mehreren Schichten angelegt. Diese waren in sich stabil und trockneten schneller, als wenn der Lehmkörper in einem Schritt aufgebaut worden wäre.

Die Risse mussten nun aber natürlich ausgefugt werden, damit der Ofen während der Verhüttung nicht durch sie Luft zieht. Denn um einen Verhüttungsprozess der Eisenzeit rekonstruieren zu können, sind sauerstoffarme (reduzierende) Bedingungen im Ofen notwendig.

Zunächst mussten die Risse erweitert werden, damit der gesamte Raum bis zum Rissende später verschlossen werden konnte und keine Hohlräume in der Ofenwandung verblieben. Heinz Hadem hatte hierfür ein einfaches, aber effektivs Kleinwerkzeug gebaut, mit dem er die Risse freikratzte, dies war aber ebenso gut mit einer Axt möglich. Die geweiteten Risse wurden nun gesäubert, befeuchtet und dann mit einer Schubkarrenladung Lehm verpresst. Dieser wurde trockener als beim Ofenbau angemischt, damit der Trocknungsprozess beschleunigt wird.

 

Schließlich wurden vier Lehmziegel hergestellt, mit denen der Schürkanal des Ofens verschlossen werden kann. Fragmente solcher Ziegel sind charakteristisches Fundgut an den ausgegrabenen Fundstellen der eisenzeitlichen Öfen im Siegerland. Charakteristisch ist auch, dass sie durchlocht sind. Über diese Düse kann Luft in den Ofen gelangen und so die Luftzufuhr beeinflusst werden. Vorstellbar ist, dass in einem fortgeschrittenen Stadium des Verhüttungsvorgangs der Schürkanal verschlossen wurde, um die reduzierenden Bedingungen halten zu können.

 

Als letzten Arbeitsschritt hübschte Marie Usadel die Ebernachbildung auf der Ofenwand – die Ofensau – mit frischer Tonerde auf.

Fertig! Marie Usadel verschönert die Ofensau mit frischer Tonerde (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/M. Zeiler)

Danach trat am Ofen wieder Ruhe ein – die Ruhe vor dem Sturm: Aufwändig organisieren die Kooperationspartner schon seit Monaten die eigentliche Experimentphase, koordinieren die Arbeitsabläufe, realisieren die Infrastruktur, beschaffen tonnenweise Materialien, diskutieren Hypothesen zum Prozessverlauf und optimieren bzw. entwickeln komplexe Dokumentationsverfahren.

Manuel Zeiler

Publikationsdatum: 26.07.2017

Themen: Außenstelle Olpe, Projekte