Archäobotanik für Alle – Schlämmworkshop bei der Außenstelle Münster

09.01.2026 Sandra Michalski

Abb. 1: Stück für Stück wird das Material durch ein Sieb gespült. (Foto: LWL/I. Falkenburg)

Die Außenstelle Münster lud am 27. August zu einem Workshop zur Archäobotanik ein. Mitarbeitende der LWL-Archäologie und Grabungsfirmen im Münsterland sollten eine Einführung in das korrekte Schlämmen von Bodenproben bekommen. Dazu gab es Besuch aus dem Rheinland: Dr. Tanja Zerl, Archäobotanikerin und Expertin für Samen und Früchte. Sie schrieb ihre Doktorarbeit zu archäobotanischen Untersuchungen zur Landwirtschaft und Ernährung während der Bronze- und Eisenzeit.

Sie führte die ca. 25 Teilnehmenden durch den von ihr geplanten Theorie- und Praxisteil des Workshops.

Zunächst gab es eine Einführung in die Geschichte und die Bedeutung von Archäobotanik und Pflanzen für den Menschen. Folgend wurde darauf eingegangen, in welcher Form Pflanzenreste auf archäologischen Grabungen vorkommen können:

Erhalten haben sich meist Reste mit einer widerstandsfähigen Außenhülle. Darunter zählen Früchte, Samen und Pollen. Oosporen erhalten sich durch eine Art Kalkskelett. Auch durch anthropogene Selektion können bessere Erhaltungsbedingungen entstehen, so also als Holzkohle und Phytoliten.

Reste können sich entweder subfossil oder fossil erhalten haben, sprich partiell oder durch Ersetzen durch eine andere Materie (wie z. B. Kohlenstoff bei Holzkohle). Es gibt also die verschiedensten Milieus, in denen Pflanzenreste erhalten bleiben können. So also in wassergesättigtem Milieu, unter Luftabschluss oder durch Mikroorganismen, wie der Kontakt zu anderen Materialien aus Salz oder Metall. Auch Permafrost sorgt für eine gute Erhaltung.

Abb. 2: Mit dem Sieb können die Holzkohlestückchen und anderes Material gefiltert werden. (Foto: LWL/I. Falkenburg)

Im nächsten Teil wurden die Strategien zur Bodenprobennahme besprochen. Diese sind abhängig von der Fragestellung, welche Mittel für die Probenaufbereitung und die wissenschaftliche Bearbeitung zur Verfügung stehen. Es wird zwischen drei Strategien unterschieden: Bei einer systematischen Entnahme wird in regelmäßigen Abständen eine Probe entnommen, z. B. in einem Rastersystem mit Röhrchen, die in die Erde gedrückt werden. Durch die Röhrchen ist eine gute Einlagerung möglich und die Probe bleibt steril. Beim Zufallsprinzip werden die Befunde in Quadranten unterteilt und mind. 10 % des Materials als Probe entnommen. Bei der letzten Strategie wird eine subjektive Probe genommen. Dabei werden bei vermuteten Pflanzenresten Proben genommen, z. B. Holzkohlereste. Diese Methode bietet sich auch bei stratifizierten Befunden (ehemalige Flussläufe o. ä.) an. Dort wird von jeder Schicht eine kleine Probe entnommen.

Zuletzt wurden technische Daten besprochen, wie Probenvolumen, Einlagerung und die Entnahmetechnik.

Abb. 3: In einem Becken wird das ausgespülte Material gesammelt. (Foto: LWL/I. Falkenburg)

Am Nachmittag ging es für die Teilnehmer zum Praxisteil des Workshops über. In zwei Gruppen wurde dann das ordentliche Schlämmen vorgeführt. In der LWL-Archäologie gibt es einen Schlämmraum, der für das ordentliche Schlämmen ausgerichtet ist. Zwei große rechteckige Waschbecken, jeweils mit Brause und Wasserhahn ausgestattet, dominieren den Raum. Mittig wird der übrige Schlamm in ein Auffangbecken durch große Rohre geleitet. Dieses ist offen, um unbeobachtetes Überschwemmen zu vermeiden. Die Wände sind mit Holzregalen für die Trocknung der Proben ausgestattet.

Zum Schlämmen braucht es also mehrere Eimer, in denen die Probe aufgeteilt und mit genügend Wasser aufgelöst wird. Die Menge der Probe lässt sich dann durch das weggedrückte Volumen bestimmen. Die Vorgänge werden im Schlämmprotokoll ebenfalls aufgenommen.

Daraufhin wird nach und nach der Inhalt der Eimer durch Siebe mit unterschiedlichen Rastern gegeben. Diese fangen das zu untersuchende Material, i. d. R. Holzkohle, auf. Der Inhalt wird dann in ein Stück Zeitungspapier gegeben und verschlossen, damit er trocknen und im getrockneten Zustand zur Bearbeitung gebracht werden kann.

So endete der Workshop-Tag. Alles in Allem war er ein großer Erfolg. Er bot einen übergreifenden Austausch zwischen den verschiedenen Institutionen der Archäologie und hat einige Fragen geklärt.

Abb. 4: Dr. Tanja Zerl der Demonstration des Schlämmvorgangs. (Foto: LWL/I. Falkenburg)

Autorin: Isa-Franziska Falkenburg