Der mittelalterliche Bergbau Ratzenscheid

10.02.2026 Sandra Michalski

Erst einmal abhängen …. Derzeit ist Fledermaus-Schonzeit und deswegen pausieren derzeit die Forschungen (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/T. Poggel).

Diesen Monat widmen wir uns abgesehen von unseren regelmäßigen Einblicken in unseren Arbeitsalltag besonders spannenden Ausgrabungen und Funden aus dem westfälischen Mittelalter. Heute: Der mittelalterliche Bergbau Ratzenscheid bei Wilnsdorf, Kr. Siegen-Wittgenstein. Hier befindet sich der älteste urkundlich erwähnte Bergbau des Siegerlandes, der endlich 2025 nach vielen Jahren mühevoller Suche wiederentdeckt wurde und nun archäologisch dokumentiert wird.

Der deutsche König Adolf von Nassau hatte 1298 Geldprobleme. Kurz vor der Schlacht von Göllheim, die Adolf nicht überleben sollte, ernannte er einige Gefolgsleute zu „des reiches vasallen“. Adolf stattete sie mit einem Manngeld zu 1000 Pfennigen aus – die Adolf aber nicht besaß. Daher verlieh der König an die Vasallen Rechte an Bergwerken, in denen auch das Münzmetall Silber gewonnen wurde. Ein Bergwerk wird in der Urkunde genannt, der „Ratzenscheid“.

Der Ratzenscheid ist eine Anhöhe bei Wilnsdorf-Wilden, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts immer wieder mit Bergwerken ausgebeutet wurde. Die jüngste Betriebsphase war diejenige der Grube Landeskrone, in der die älteste Dampfmaschine untertage betrieben wurde.

Das YouTube-Video des Deutschen Bergbau-Museums Bochum zur Grube Landeskrone.

Die Grube Landeskrone wird seit 2015 von einer Kooperation aus LWL-Archäologie für Westfalen, Deutsches Bergbau-Museum Bochum und Verein für Siegerländer Bergbau e.V.  erforscht. Dem Verein, der die Gesamtanlage auch bewahrt und aufwändig sichert, gelang 2025 eine bedeutende Entdeckung. Schon seit vielen Jahren erkunden Vereinsmitglieder den unübersichtlichen Altbergbau. Durch die vielen Bergbauphasen wurden jeweils die älteren Phasen überprägt und daher war es nicht möglich, die ältesten Bereiche zu identifizieren. Bis jetzt: Über große Hohlräume des Erzabbaus und durch alte Schächte gelangten Vereinsmitglieder in den ältesten Stollen, der in historischen Schriften als Oberer Landeskroner Stollen erwähnt ist. Seine Beschreibung ließ vermuten, dass er aus dem Mittelalter stammen könnte.

Seit Herbst 2025 – aktuell ist Fledermausschonzeit und daher Pause – wird nun dieser Bereich untersucht und die Vermutung konnte bestätigt werden: Der Stollen hat nur einen engen Durchmesser, ist sehr niedrig und verläuft unregelmäßig – typisch für mittelalterlichen Stollenbau. Er wurde dazu angelegt, den Berg zu entwässern. Nur so konnten die mittelalterlichen Bergleute in größere Tiefen gelangen um silberhaltige Erze zu gewinnen.

Der mittelalterliche Teil der Grube wird über Hohlräume des jüngeren Bergbaus erreicht. Der Verein für Siegerländer Bergbau installierte hier aufwändig Leitern (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/T. Poggel).

Von dem ursprünglich 300 m langen Stollen ist noch ein Abschnitt von ca. 50 m zugänglich, der während nachmittelalterlicher Bergbauphasen teilweise verändert wurde, indem beispielsweise der Querschnitt erweitert wurde. Außerdem liegen sehr viele Hölzer in dem Stollen, die sich durch gestautes Wasser gut erhalten haben.

Der Verein baute aufwändig Leitern bis zum mittelalterlichen Stollen ein, damit er besser erreichbar ist. Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum und die LWL-Archäologie haben anschließend mit der Dokumentation begonnen. Wegen des schwierigen Umfeldes (Nässe, Dreck und Enge) war die tachymetrische Vermessung schwierig und der 3D-Scan ist noch nicht abgeschlossen. Die 3D-Fotogrammetrie ist bereits erstellt auch es konnten schon aussagekräftige Fotos der Befunde gemacht werden.

Im Frühjahr geht es weiter: Ziel ist die komplette dreidimensionale Erfassung des überregional bedeutenden Altbergbaus.

  • Blick in das Mittelalter: Die Archäologin kauert in dem engen Stollen, dessen Querschnitt eigentlich noch kleiner war, … (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/M. Zeiler).

  • … denn nach dem Mittelalter wurde der Boden (Sohle) vertieft. Auf diesem Foto steht der Archäologe mit dem linken Fuß auf dem mittelalterlichen Sohlniveau (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/T. Poggel).

Autor: Manuel Zeiler