Ein Stück westfälischer Geschichte gleich nebenan

22.01.2026 Sandra Michalski

Die neue Veröffentlichung "Westfalens Archäologie entdecken".

Archäologie, das sind nicht nur die großen Burgen und spektakulären Goldfunde, das sind vor allem die kleinen Spuren, die Menschen in ihrem Alltag hinterlassen haben. Überall in Westfalen stoßen Archäologinnen und Archäologen auf Spuren unserer Vorfahren, oft bei Baumaßnahmen, aber auch auf dem Acker oder in Flüssen. Was sie zutage bringen, mag auf den ersten Blick unscheinbar wirken, gibt aber schlaglichtartig Einblick in das Leben ganz normaler Menschen vergangener Generationen. Dabei reichen die untersuchten Orte von der ausgehenden Eiszeit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Oft genügen wenige Verfärbungen im Boden, um daraus den Grundriss eines längst vergangenen Hauses zu rekonstruieren. Wenige Gefäßscherben können darüber Auskunft geben, zu welcher Zeit dort Menschen lebten. Doch Archäologie kann noch viel mehr: Manche Methoden, die heute angewendet werden, bewegen sich fast auf dem Niveau moderner Kriminaltechnik. Mithilfe von Pollenanalysen kann nachvollzogen werden, welche Getreidesorten die Menschen vor Jahrhunderten anbauten und Knochenanalysen zeigen, welche Tiere zu jener Zeit bevorzugt auf dem Speiseplan standen. So entsteht, durch die Arbeit von Forschenden aus verschiedenen Spezialbereichen, aus den archäologischen Befunden in einer modernen Baugrube vielleicht das Bild einer kleinen eisenzeitlichen Siedlung, in der die Menschen noch vor der Ankunft der Römer, also vor mehr als 2.000 Jahren, lebten und arbeiteten.

Anlässlich des Ruhestandes ihres Direktors Prof. Dr. Michael M. Rind gibt die LWL-Archäologie für Westfalen mit der neuerschienenen Publikation „Westfalens Archäologie entdecken“ Einblicke in ihre Forschungen der Jahr 2009 bis 2025. In 90 kurzen Texten werden unterschiedliche Facetten archäologischen Arbeitens von der Ausgrabung bis zur modernen, oft interaktiven Präsentation im Museum vorgestellt.

Ein eigener Abschnitt widmet sich dabei den wissenschaftlichen Methoden. Dank moderner Messtechnik ist es heute möglich, dem Boden auch ohne Ausgrabungen vielfältige Informationen zu entlocken. Mithilfe eines digitalen Geländemodell können Forschende dann am Computer sogar rekonstruieren, wie weit man etwa im Mittelalter von einem Kirchturm aus blicken konnte. Diese Ansätze ergänzen die traditionellen Ausgrabungen. So kann beispielsweise die Position eines Erdwalls dadurch zu erklären sein, dass er den Durchgang in ein Tal blockierte, das vom nahegelegenen Wachturm aus nicht einsehbar war. Der Wall verhinderte dann, dass sich unerwünschte Besuchende unbemerkt nähern konnten.

Ein weiterer Abschnitt des Bandes nimmt die Frage in den Blick, wie die Ergebnisse archäologischer Forschung erlebbar werden. So führen beispielsweise Wanderwege zu heute noch sichtbaren, eindrucksvollen Ruinen. Rundgänge über ausgewählte Fundplätze gibt es mittlerweile aber auch rein digital. Sie ermöglichen es, von überall auf der Welt Schauplätze der westfälischen Geschichte im eigenen Tempo zu erkunden.

Der reich bebilderte Band „Westfalens Archäologie entdecken“ bietet einen niederschwelligen Einstieg in die vielfältige Arbeit archäologisch Forschender in ganz Westfalen-Lippe.

 

LWL-Archäologie für Westfalen (Hrsg.)

Westfalens Archäologie entdecken. Ein Streifzug durch die Jahrtausende

Bonn 2025

344 S., 315 Abb.

15 Euro

ISBN 978-3-7749-4473-2

Erhältlich im LWL-Museum für Archäologie und Kultur in Herne, im LWL-Römermuseum in Haltern am See, im LWL-Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn und über jede Buchhandlung