Nordrhein-Westfalens Bodendenkmalpflege versammelt - das Referententreffen 2025 in Haltern am See

19.01.2026 Sandra Michalski

Foto: LWL/I. Wopke

Ende September 2025 versammelten sich Archäologen und Archäologinnen aus ganz Nordrhein-Westfalen in Haltern am See, um eine alte Tradition wiederaufleben zu lassen. Unter dem Motto „Der Rhein ist nicht die Grenze!“ hat die LWL-Archäologie für Westfalen die wissenschaftlichen Referent:innen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland eingeladen, um über verschiedene Themen zu diskutieren. Dabei ging es diesmal nicht primär um Forschungsfragen und die Präsentation neuester Untersuchungsergebnisse, sondern um aktuelle bodendenkmalpflegerische Inhalte, die die beiden Landesämter betreffen.

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Nach einer kurzen Begrüßungsrunde durch Prof. Dr. Michael M. Rind, Dr. Erich Claßen und Dr. Sandra Peternek sprach Rabea Everwand von der Oberen Denkmalbehörde des Kreises Steinfurt. Sie berichtete über den Stand der Aufgabenübertragung der Unteren Denkmalbehörden an den Kreis, die im Zuge der Novellierung des Denkmalschutzgesetzes bereits seit Juni 2022 möglich ist. Daran anknüpfend referierte Dr. Kai Niederhöfer über die Denkmallistenführung, die in NRW seit Beginn 2025 nicht mehr den Unteren Denkmalbehörden, sondern den Denkmalfachämtern obliegt, und den Umgang mit Altverfahren zu eingetragenen Bodendenkmälern.

Im zweiten Block – nach einer erfrischenden Kaffeepause – ging es zunächst mit Dr. Marion Brüggler weiter. Sie stellte den Forschungsrahmen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege vor, der als übergeordnetes Mittel dazu dienen soll, Forschungsbedarfe, Ziele und Methoden festzulegen, um Wissenslücken strategisch und interdisziplinär schließen zu können. Anschließend präsentierten Wolfram Essling-Wintzer und Peter Hessel ein Bespiel aus der westfälischen Archäologie. Sie berichteten von der Forschungsgrabung an der Klosteranlage in Lichtenau-Dalheim, bei der erstmalig für die LWL-Archäologie eine andere Art der Dokumentation mittels einer freien Geoinformationssystemsoftware angewendet wurde. Dr. Vera Brieske stellte die Altertumskommission für Westfalen, ihre Aufgaben und die verschiedenen Citizen Science-Projekte vor. Bei letzterem handelt es sich um Projekte, bei der Bürgerbeteiligungen im Rahmen von wissenschaftlichen Fragestellungen eine zentrale Rolle spielen und die die Forschungen der Altertumskommission in den vergangenen Jahren weit vorangetrieben haben.

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In den Vortragsblöcken drei und vier ging es vor allem um praktische Beispiele aus der Bodendenkmalpflege, die die unterschiedlichen Herangehensweisen verdeutlichen sollten. Eva Cott vom LVR und Sandra Peternek referierten über das Thema „Bodendenkmalpflege und Forst“. Cott berichtete, dass im Zuge des Massensterbens der Fichte auch viele Bodendenkmäler von den Veränderungen in Waldgebieten betroffen sind. Deshalb sei es wichtig, Förster:innen auf die Belange des Bodendenkmalschutzes in Form von Informationsveranstaltungen, Tagungen und Publikationen darauf aufmerksam zu machen. Peternek führte als positives Beispiel den erst kürzlich unter Denkmalschutz gestellten Nutzwald auf dem Schachsel in Westerkappeln an, wo sich eisenzeitliche sog. celtic fields erhalten haben und bei dem die Zusammenarbeit zwischen Eigentümer:innen und Bodendenkmalpflege gut funktioniert habe. Daraufhin erläuterte Prof. Dr. Michael Baales den Umgang mit vermuteten Bodendenkmälern aus der Perspektive der Außenstelle Olpe für den Regierungsbezirk Arnsberg, während Dr. Sven Spiong die Vorgehensweise von Bauplanungen für Windparks im Regierungsbezirk Detmold schilderte.

Foto: LWL/I. Wopke

Im letzten Block stellte Michael Drechsler das wissenschaftliche Volontariat beim LVR-Amt für Bodendenkmalpflege vor und erzählte von seinen persönlichen Erfahrungen, die er bis dahin gemacht hat (nur positive!). Zum Schluss präsentierte Dr. Ulrich Lehmann das Fachgebiet Sondengehen und Magnetangeln bei der LWL-Archäologie. Er erzählte, dass es Privatpersonen nur mit entsprechender Genehmigung erlaubt sei mit Metallsonden und Magnetangeln archäologische Funde zu suchen und berichtete von mehreren erfolgreich durchgeführten Aktionen, bei denen sich viele Sondengänger:innen zum gemeinsamen Suchen an bekannten Fundplätzen getroffen haben.

Bei einer abschließenden Diskussion konnte ein voller Erfolg der Veranstaltung festgehalten werden. Der persönliche Austausch hilft, die zwei getrennten Fachaufsichten aus NRW näher zusammenrücken zu lassen und Handlung gemeinsam abzustimmen, sodass wir alle an einem Strang ziehen.

Dann bis nächstes Jahr im Rheinland!

Autrorin: Inga Wopke

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