Weitere zwei Druckplatten für Brotmarken fielen mir wegen der Mengenangaben auf: eine mit 500 g-Marken und eine mit 50 g-Marken. Spontan kamen mir die Fragen: Wer soll von 50 g Brot leben und kann es sich um einen Produktionsfehler gehandelt haben? Da die Druckplatte zu benutzt für einen Produktionsfehler aussieht, habe ich recherchiert: Bekannt ist, dass Lebensmittelkarten im Zweiten Weltkrieg erstellt wurden, um Nahrungsmittel zu rationieren. Unterschiedliche Personengruppen erhielten für einen definierten Zeitraum unterschiedliche Mengen an Nahrung. Die Personengruppen wurden unterteilt nach Alter, Religion Gesundheitszustand und Tätigkeit. (Quelle: https://hdgoe.at/lebensmittelkarten). Die unterschiedlichen Mengen sind somit wahrscheinlich durch verschiedene Personengruppen zu erklären.
Archäologische Funde erzählen Geschichten. Persönlich kenne ich Krieg nur aus Erzählungen meiner Großeltern, aus der Schule oder aus den Nachrichten, aber die Auseinandersetzung mit den Bleiplatten hat mir die Konsequenzen von Krieg auf eine neue Weise nähergebracht.
Wenn ich einen Blick auf aktuelle Konflikte in der Welt werfe, stellt sich mir die Frage, was wir aus der Geschichte gelernt haben.
Übrigens kann man drei solcher Druckplatten in unserem LWL-Museum für Archäologie und Kultur in Herne besichtigen. Sie stammen aus dem Schutt der 1944/45 ausgebombten Druckerei Regensberg neben dem Domplatz in Münster. Da auf dem Karton im Fundarchiv der Fundort „Münster ?“ vermerkt ist, liegt die Vermutung nahe, dass auch diese Druckplatten von dort stammen.
Autorin: Marlene Gehlen (09.2025)