Bauforschung auf Burg Wetter

10.07.2026 Sandra Michalski

Abb. 1: Blick auf Alt-Wetter mit dem Harkortsee im Vordergrund. Das Burghaus ist eingerüstet und hinter weißen und gelben Netzen versteckt. Links des Kirchturms ragt der Bergfried auf. (Foto: LWL/W. Essling-Wintzer)

Eine archäologische Baubegleitung an der Burgruine Wetter konnte nun den Nachweis erbringen, dass die nördliche Burghofmauer samt einer bis dato rätselhaften, vermauerten Türöffnung nicht mittelalterlichen Ursprungs ist, sondern aus den Zeiten der mechanischen Werkstätten von Friedrich Harkort stammt.

Die ehemalige märkische Landesburg Wetter thront eindrucksvoll auf einem Felssporn 40 Meter hoch über der Ruhr bzw. über dem ab 1931 aufgestauten Harkortsee (Abb. 1). In der schriftlichen Überlieferung begegnet sie erstmals 1274. Graf Everhard II. (1278 – 1308) veranlasste ihren Ausbau, der auch die zwischenzeitlich entstandene Burgmannen- und Handwerkersiedlung in die Befestigung mit einbezog. Während des 14. und 15. Jahrhunderts hielten sich die Grafen von der Mark oft hier auf, denn die Burg Wetter fungierte als Verwaltungssitz des gleichnamigen Amtes. Ihre militärische Stärke bewies die im Norden und Osten durch steil abfallende Felskanten, im Süden und Westen durch Graben und Mauer gesicherte Anlage bei einer erfolglosen Belagerung durch kölnische und böhmische Truppen im Zusammenhang mit der Soester Fehde (1444 – 1449). Als 1609 die märkische Dynastie ausstarb und ihre Grafschaft letztlich an Brandenburg fiel, war Wetter längst bedeutungslos geworden. Zwar brachte die Verlegung des Märkischen Bergamtes 1780 nach Wetter und dessen Hochstufung zum Westfälischen Oberbergamt 1792 unter Direktor Freiherr vom Stein einen zeitweisen Aufschwung, der jedoch infolge der Verlegung des Bergamtes nach Bochum im Jahre 1815 wieder endete.

Abb. 2: »Die Harkortsche Fabrik auf der Burg Wetter«, Ölgemälde, Alfred Rethel, 1834. Die ersten Werkstätten entstanden im alten Bergamtsgebäude (hell verputzt), dem alten Bergfried und dem daneben gelegenen Gebäude. Im links abgebildeten Amtshaus der Burg wurden eine Schmiede und eine Gießerei eingerichtet, 1826 erfolgte der Einbau eines Hochofens. Außerhalb der Burgmauer vorne links das Hammerwerk, rechts Puddel- und Walzwerk.

Ein ganz neues Kapitel für Burg und Freiheit schlug der Unternehmer Friedrich Harkort auf, als er 1819 die „Mechanischen Werkstätten Harkort, Thomas & Co.“ gründete – die erste Maschinenbaufabrik der Grafschaft Mark (Abb. 2). 1826 ließ Harkort im alten Amtshaus, dem heute noch als Ruine erhaltenen Burggebäude, einen Hochofen errichten und baute 1827 im nördlichen Burggraben ein Puddelwerk. Bis 1872 produzierte die „Märkische Maschinenbauanstalt“ auf Burg Wetter, wurde dann von einem Hersteller für Hebezeuge und schließlich 1874 von einer Feilenhauerei abgelöst, die bis 1952 in Betrieb war.

Abb. 3: Blick auf den Suchschnitt von Südsüdost. Der Treppenabgang wurde nicht vollständig freigelegt (nur 6 von 12 Stufen), ebenso wie die vermauerte Türöffnung, die nur bis auf Kämpferhöhe freigeschachtet ist. (Grafik: LWL/P. Hessel, W. Essling-Wintzer)

Im Laufe der aktuellen Sanierungsmaßnahme war jüngst ein Teil der nördlichen Burghofmauer eingestürzt. Grund hierfür waren nicht nur ausgeschwemmte und durchwurzelte Fugen, sondern auch eine fehlende Verzahnung des fraglichen Mauerwerks mit demjenigen des Burghauses.

Um weitere Verluste zu vermeiden, sollte nun mittels einer burghofseitigen Ausschachtung der Zustand des verbliebenen Mauerwerks begutachtet werden. In dem daraufhin angelegten Suchschnitt von 8 x 2 Metern Grundfläche konnte ein alter Treppenabgang freigelegt werden, der zu der oben genannten, vermauerten Türöffnung führte (Abb. 3). Durch diese gelangte man ehedem auf das 3,30 m unterhalb des Burghofes gelegene Plateau. Da sowohl die Stufenanlage als auch die im selben Zuge entstandenen Mauern der Treppenwangen mit zementgebundenem Mörtel errichtet worden waren, kann mit ihrem Bau nicht vor 1824 gerechnet werden (Patentierung des Portland-Zements).

Abb. 4: Blick auf die Nordseite der vermauerten Türöffnung mit vertikaler Baufuge. (Foto: LWL/W. Essling-Wintzer)

Bei der Entschlüsselung der Bauabfolge half der Befund eines älteren, knapp einen Meter östlich der Tür liegenden Mauerwerks. Eine vertikale Baunaht auf der Nordseite bestätigt die zeitliche Abfolge und belegt gleichzeitig die Authentizität der Darstellung von Alfred Rethels Ölgemälde aus dem Jahre 1834 (Abb. 4). Offensichtlich gehört das ältere Mauerwerk zu dem auf der Westseite des Burghauses angebauten Gebäude, in dem nachweislich die Gießerei untergebracht war. Nach Abbruch derselbigen entstand an gleicher Stelle eine größere Werkhalle, die offenbar Teile der alten Fundamente nutzte, sich aber wesentlich weiter nach Westen erstreckte (Abb. 5). Von deren Betriebsebene aus erreichte man über den Treppenabgang das 3,30 m tiefer liegende Nebengebäude, das auf der Fotografie der Zeit um 1900 wie das Seitenschiff einer Basilika wirkt.

Abb. 5: Foto um 1900. Blick von Norden auf die stark von Industriebauten überprägte Burg Wetter. In der linken Bildhälfte ist die dachlose Ruine des Burghauses am Hang des Ruhrtales zu erkennen. In der rechten Bildhälfte überragt der alte Bergfried die Dachlinien der Industriebauten. (Foto: Stadtarchiv Wetter, Fotosammlung)

Autor: Wolfram Essling-Wintzer