16.02.2018

Die Jäger des verlorenen Fundes

Die drei BFDler im Zentralen Fundarchiv: Luzie Obereiner, Philipp Roß und Johann Schulte (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/K. Sundermann).

Die drei BFDler des Zentralen Fundarchivs in Münster stellen sich vor

Seit dem 01.09.2017 absolvieren wir – das sind Luzie Obereiner, Philipp Roß und Johann Schulte – einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) im Zentralen Fundarchiv des Referates Zentrale Dienste der LWL-Archäologie für Westfalen. Nachdem wir schon bald ein halbes Jahr hier tätig sind, wollen wir nun von unseren Eindrücken und Erlebnissen berichten.

Das Zentrale Fundarchiv liegt in der Speicherstadt in Münster-Coerde. Hier kommen archäologische Funde des Bereichs Westfalen-Lippe an. In den verschiedenen Abteilungen des Archivs werden sie restauriert, katalogisiert und gelagert, sodass sie in Museen ausgestellt und für die Nachwelt festgehalten werden können.

Zu unseren Aufgaben gehört es, eingelieferte Fundkomplexe zu bearbeiten. Typischerweise sichten zwei von uns dazu die Kartons, in denen die Funde eingeliefert werden, und packen die Funde, wenn nötig, um. Die Informationen, die uns die Funde geben, nehmen wir in eine Datenbank auf.

Luzie Obereiner und Phillip Roß bestimmen Funde (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/J. Schubert).

Darüber hinaus erledigen wir Transportfahrten: Dadurch sind wir viel in Westfalen-Lippe und darüber hinaus unterwegs. Aber auch Museen und Ausgrabungen besuchen wir. So waren wir zum Beispiel schon einige Male im LWL-Museum für Archäologie in Herne, um Funde für Ausstellungen zu transportieren und vor Ort mitzuhelfen. Wir durften uns aber auch die Dauerausstellung ansehen, ein Vorteil des BFDs beim Fundarchiv, den wir in vielen Museen genießen dürfen (An dieser Stelle ein Dankeschön an all diejenigen, die uns in ihre Museen gelassen haben, wir freuen uns jedes Mal aufs Neue). Abenteuerlich war der Besuch der Blätterhöhle in Hagen-Hohenlimburg, bei welchem wir sogar zur Grabungsstelle in der Höhle hinunter steigen bzw. kriechen konnten.

In der Klimakammer für Metalle lagern auch solche Schwerter aus dem Frühmittelalter (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/J. Schubert).

Und natürlich sind wir auch ab und zu auf der Suche nach Funden in den Weiten des Archives: Das Depot beherbergt auf drei Etagen eine laufende Regallänge von über 8 km, die Zahl der Fundkartons beträgt über 160.000 und nebenbei gibt es noch zwei besonders klimatisierte Räume für Funde aus Metall und aus organischem Materialien und Glas. Wenn man hier nicht sorgfältig arbeitet, kann also schnell etwas verloren gehen.

Dieser mittelalterliche Baumbrunnen befindet sich nun im Zentralen Fundarchiv (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/I. Pfeffer).

Einer der ungewöhnlichsten Funde mit dem wir bisher zu tun hatten war ein Baumbrunnen aus dem 12./13. Jahrhundert. Der Baum wurde in einen Brunnen umgewandelt, in dem er glatt abgesägt wurde und danach ausgehöhlt im Boden versenkt wurde.

Unsere Aufgabe den Baum von seinem derzeitigen Lagerplatz abzuholen und in die Speicherstadt zu bringen gestaltete sich bei einer Höhe von 1,45m und einem Durchmesser von 75cm außerordentlich schwierig und nur mit großer Vorsicht konnten wir den gut erhaltenen Brunnen mit einem großräumigen Transporter abholen, um ihn in dem Keller des Archivs zu lagern. Denn im Keller befindet sich ein speziell für die Aufbewahrung von Holzfunden abgestimmter Raum, in dem Luft/Temperaturbedingungen ideal sind um das Holz zu konservieren und vor dem Verfall zu bewahren.

Neue Funde werden vor dem Einlagern gesichtet (Foto: LWL-Archäologie/J. Schubert).

Der Grund, warum wir uns alle ausgerechnet für einen BFD im Zentralen Fundarchiv entschieden haben, ist ein Gemisch aus einem allgemeinen Interesse an Geschichte und dem Wunsch, sich ein wenig klarer über uns selbst und unsere Wünsche und Ansprüche an unsere Zukunft zu werden, bevor wir studieren. Mittlerweile können wir sagen, dass es etwas gebracht hat – und nicht nur, weil der zukünftige Wunschstudiengang endlich gefunden wurde, sondern weil wir auch gestärkt und mit einer neuen Sicherheit in den Berufsalltag gehen können. Dies liegt nicht zuletzt an dem freundlichen Arbeitsklima und dem gegenseitigen Respekt, mit dem man sich hier im Speicher 12, unserem Arbeitsplatz, entgegenkommt. Dies ist uns schon gleich zu Beginn aufgefallen und hat uns den Einstieg in diese neue und schon ziemlich aufregende Zeit deutlich erleichtert.

Nebenbei besuchen wir auch Seminare, die für jede*n Bundesfreiwilligendienstleistende*n vorgesehen sind, die uns allen aber sehr gefallen und unsere Zeit hier perfekt abrunden.

Alles in Allem ist unser Entschluss zu einem BFD im Zentralen Fundarchiv der LWL-Archäologie für Westfalen somit wohl das Beste, was wir machen konnten und wir würden uns immer wieder so entscheiden.

Text: Luzie Obereiner, Philipp Roß und Johann Schulte

Kategorien: Zentrale Dienste · Hinter den Kulissen

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