Dunkle Gruben mit Keramik und vielen Tierknochen

10.04.2026 Michael Baales

Verfärbungen mit Knochenresten fielen den Fachkräften direkt nach ihrer Ankunft an der Fläche auf. – LWL-AfW Olpe/F. Geldsetzer.

Dunkle Gruben mit Keramik und vielen Tierknochen

Neue hochmittelalterliche Fundstelle in Ense entdeckt

Vielen Interessierten der westfälischen Archäologie ist der Ort Ense im Kreis Soest vor allem ein Begriff aufgrund des dort bereits in den 1960er Jahren entdeckten und Mitte der 2000er Jahre gegrabenen ur- und frühgeschichtlichen Gräberfeldes Ense-Bremen. Dessen Auswertung liegt mittlerweile in der Dissertation von Stephan Deiters vor. In der Vergangenheit konnten außerdem jungstein- und eisenzeitliche Siedlungen durch Grabungen in Ense nachgewiesen werden.

In etwa 500 m Entfernung von einer dieser Fundstellen wurde nun die Erweiterung eines örtlichen Betriebes geplant, weswegen die LWL-AfW Außenstelle Olpe im März 2026 eine Sachverhaltsermittlung auf den Baugebiet durchführte. Immerhin können sich urgeschichtliche Siedlungen und Gräberfelder über mehrere Hektar erstrecken.

Da beim Eintreffen der Fachleute der Oberboden weitestgehend bereits entfernt worden war, konnten zügig auffällige Verfärbungen und Knochennester in der Baufläche festgestellt werden. Nach Bergung der Knochen wurden an zwei Stellen vorsichtig der letzte Rest vom Oberboden mit Hilfe eines Baggers abgezogen und händisch nachgeputzt. Und tatsächlich: Die Verfärbungen und Knochennester erwiesen sich als klare Indizien für Abfall- und Pfostengruben.

Im Baugebiet wurde an zwei Stellen, an denen das Kolluvium bauseitig bereits entfernt worden war, nachgegraben. – LWL-AfW Olpe/M. Zeiler.
Die Gruben hatten unterschiedliche Ausdehnungen, waren aber größtenteils in der Tiefe schlecht erhalten. – LWL-AfW Olpe/C. Lüdemann.

Auch wenn die Gruben z.T. einen Durchmesser von bis zu 3 m aufwiesen, waren sie leider größtenteils nur schlecht erhalten. So konnten sie meistens nur noch 10 cm in die Tiefe erfasst werden. Umso außergewöhnlicher war, dass sie reichlich Funde beinhalteten. Vor allem verschiedenste Knochen von Schweinen, Rindern, Schafen und Pferden konnten in einem sehr guten Zustand geborgen werden. Zusätzlich fanden sich eine große Anzahl an Keramikscherben, die eine Datierung der Siedlungsstelle ins Hochmittelalter erlauben. Neben den stark vertretenen Kugeltopfresten findet sich im Fundmaterial auch rheinische Importware. Die älteste Keramik der Fundstelle ist dabei eine Randscherbe mit gut erhaltenem, sogenannten Schwalbennesthenkel; sie datiert ins 9. bis 11. Jahrhundert.

Die älteste Keramikscherbe der Fundstelle ist eine Randscherbe mit Schwalbennesthenkel und datiert ins 9. - 11. Jh. – LWL-AfW Olpe/D. Riemenschneider.

Möglicherweise stand diese ehemalige Hofstelle in Verbindung mit dem damaligen Kloster Himmelpforten. Diese im Hochmittelalter gegründete Zisterzienserinnenabtei lag am Ufer der Möhne in ca. 1 km Entfernung und wurde im Zuge der Möhnekatastrophe 1943 zerstört.

Die Knochen wurden in den Gruben vorsichtig freigelegt. – LWL-AfW Olpe/C. Lüdemann.

Dass sich die Gruben überhaupt erhalten konnten, lag an dem Glücksfall, dass sich eine Schwemmschicht über sie gebildet hatte, worüber sich anschließend der Oberboden aufbaute. Unter diesem als Kolluvium angesprochenen Bodenhorizont lagen die Gruben all die Jahrhunderte über geschützt. Die Stellen, an denen beim Oberbodenabtrag bereits unter das Kolluvium eingegriffen worden war, wurden bei der Sachverhaltsermittlung komplett untersucht. Da dennoch von weiteren archäologischen Funden und Befunden im Areal ausgegangen werden muss, wurde mit den Bauherren besprochen, dass bauseitig nicht unter das Kolluvium in den Boden eingegriffen werden darf und stattdessen aufgebaut wird. Ganz im Sinne der Philosophie der LWL-AfW, die sich als Dienstleister versteht, werden so den Bauherren die Kosten einer kompletten Ausgrabung der mittelalterlichen Siedlung erspart und das Bauvorhaben nicht verzögert. Dadurch, dass die Befunde somit für nachfolgende Generationen erhalten bleiben, ist der Auftrag der Bodendenkmalpflege erfüllt.

Bei zukünftigen Maßnahmen in Ense wissen die Archäolog:innen nun, dass der Ort nicht nur eine Hotspot der Ur- und Frühgeschichte war, sondern auch noch im späteren Mittelalter Menschen hier außerhalb der heutigen Ortskerne siedelten. Neben Steinartefakten müssen sie also ab sofort auch vermehrt auf Kugeltöpfe achten.

Fabian Geldsetzer B.A.

 

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https://www.lwl-archaeologie.de/de/blog/lbk_ense/

https://www.lwl-archaeologie.de/de/blog/was-lange-wahrt/

Kategorie: Außenstelle Olpe