Ein frühbronzezeitlicher Tonstempel aus Salzkotten?

07.02.2024 Corinna Hildebrand

Das stempelförmige Objekt weist Parallelen zu den sogenannten "Brotlaibidolen" des Voralpenraums auf. Foto: LWL/A: Madziala

Der Neubau einer Windenergieanlage zwischen Salzkotten und Paderborn machte eine archäologische Ausgrabung auf einem mehrperiodigen Siedlungsplatz notwendig. Mitarbeiter*innen der Grabungsfirma Eggenstein Exca begleiteten die Erdarbeiten für die Kranstellfläche, den Fundamentbereich und die Zuwegung zur geplanten Anlage.

Trotz des schmalen Ausschnittes streuten die Befunde immerhin über eine Länge von etwa 400 m über den gesamten Erdeingriff. Das Fundgut stammt mehrheitlich aus der Eisenzeit. Ein stempelförmiges Objekt aus einer der Gruben, passt jedoch nicht zu dem übrigen Material. Es weist eine leicht gewölbte Unterseite mit einem Durchmesser von 4,80 cm auf und ist durch zwei Reihen Stacheldrahtmuster verziert. Eine Reihe mit sechs ovalen Einstichen, die andere mit fünf in der Fläche und einem weiteren Einstich am äußersten Rand. Die Oberseite und rund ein Drittel der Unterseite sind abgebrochen. Vergleichbare Funde sind selten. In Deutschland stammen diese etwa aus Xanten, Wandersleben und Hilzingen, westlich des Bodensees. Zeitlich einordnen lassen sich derartige Objekte aufgrund von typologischen Parallelen zu den sogenannten „Brotlaibidolen“ des nördlichen, östlichen und südlichen Voralpenraums, in die ausgehende Frühbronzezeit.

Eine eindeutige Funktion ist bisher nicht bekannt. Da vor allem die „Brotlaibidole“ im Siedlungskontext der ausgehenden Frühbronzezeit rund um die Alpen auftreten, wird aber davon ausgegangen, dass sie in Verbindung mit dem Warenaustausch und einer möglichen Informationsübermittlung stehen. Wie dies im Einzelnen aussah, bleibt uns bisher verborgen.

 

Text: Sebastian Düvel