Schön hier, aber waren Sie schon einmal auf dem Huckberg?

13.04.2026 Sandra Michalski

Abb. 1: Die Reste des Steinkellers aus Trockenmauerwerk aus der Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts. (Foto: LWL/I. Pfeffer)

Manchmal gehen Informationen über archäologische Fundstellen verschlungene Wege, bevor sie bei der LWL-Archäologie für Westfalen landen. So bescherte uns ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1990 und eine damit verbundene Anfrage eine ganze Reihe neuer bzw. noch nicht erfasster Bodendenkmäler in Hörstel.

Und das kam so: Bereits in den 1980er-Jahren sollte eine urgeschichtliche Grabhügelgruppe auf dem Harkenberg bei Hörstel in die Denkmalliste eingetragen werden. So berichtete der besagte Zeitungsartikel. Ende 2025 rief schließlich Dr. Klaus Offenberg, seines Zeichens ehemaliger Revierförster in Bevergern und Autor verschiedener Publikationen, die sich mit dem Wald und der Geschichte der Region befassen, bei der Außenstelle Münster an, um sich über diese Grabhügel zu informieren bzw. ob sie mittlerweile eingetragen wurden.

Ein kurzer Blick in die Datenbank ergab, dass es sich um ein nicht abgeschlossenes Altverfahren handelt. Diese werden seit Ende 2023 durch die neu geschaffenen Stellen zur Führung der Denkmalliste bei der LWL-Archäologie aufgearbeitet. Bodendenkmäler, deren Eintragung aus unterschiedlichen Gründen von den Unteren Denkmalbehörden der Kommunen nicht vollzogen wurden, werden nun erneut vor Ort begutachtet, um Veränderungen und Schäden zu dokumentieren und um eine Grundlage für ein neues oder aktualisiertes Denkmalwertgutachten zu erhalten – so auch die Grabhügel auf dem Harkenberg.

„Kennen Sie denn auch den Huckberg?“, fragte Herr Offenberg in diesem Zusammenhang. Dort gebe es auch viele menschliche Hinterlassenschaften, die er als ehemaliger Förster im Wald beobachtet hat. Tatsächlich war der Huckberg bis dahin in der Fundstellen-Datenbank der LWL-Archäologie „terra incognita“: Uns war dort nichts bekannt.

Abb. 2: Ein ehemaliger Unterstand der Flaksoldaten aus dem Zweiten Weltkrieg. (Foto: LWL/I. Pfeffer)

Ende Januar führte Herr Offenberg uns dann auf den bewaldeten Höhenrücken des Huckbergs – ein überaus ergiebiger Ortstermin für die LWL-Archäologie: Neben großen Steinbrüchen, die zu unterschiedlichen Zeiten ausgebeutet wurden, u. a. wohl zur Gewinnung von Steinmaterial für die Stadtkirche in Rheine, bot der Huckberg eine Vielzahl erhaltener archäologischer Strukturen, die in die Neuzeit gehören und durch den immer stärker werdenden Fokus der Archäologie auch auf jüngste menschliche Hinterlassenschaften für die Forschung von Bedeutung sind. So beherbergt der Südhang des Huckbergs abseits der großen Steinbrüche auch die Überreste einer kleinen Klause mit Resten eines Steinkellers aus Trockenmauerwerk, Terrassierungen am Hang und einigen, heute noch offenen Gruben, die Anfang des 19. Jahrhunderts von einem Einsiedler angelegt wurden.

Eine militärische Bedeutung hatte der Huckberg während des Zweiten Weltkriegs, als dort Suchscheinwerfer für die südlich des Bergs positionierte Flak standen. Aus dieser Epoche zeugen noch eingetiefte Gruben von Unterständen, einzelne Schützenlöcher und eine im Südhang künstlich angelegte, heute als „Hexenhöhle“ bekannte kleine Höhle mit zwei Eingängen, die ebenfalls dem Schutz der Flaksoldaten diente und heute ein Rückzugsort für Fledermäuse ist. Im Jahr 1943 stürzte beim Huckberg ein britischer Bomber ins „Nasse Dreieck“, nachdem er im Tiefflug mit dem Ausleger eines Krans kollidiert war.

Abb. 3: Die Startvorrichtung der ehemaligen Sommerrodelbahn aus der Nachkriegszeit. (Foto: LWL/I. Pfeffer(

Zeugnis der Nachkriegszeit sind die überwucherte, kaum mehr sichtbare Trasse und die Stahlkonstruktionen des Startpunktes einer Sommerrodelbahn, die ab dem 1. Mai 1953 für einige Jahre am Südhang des Huckbergs betrieben wurde.

Alles in allem haben wir an diesem Tag viele neue Erkenntnisse gewinnen können und danken Herrn Offenberg ganz herzlich für die Exkursion zum Huckberg und für die vielen Erklärungen zu den dortigen Bodendenkmälern.

Die Grabhügel auf dem Harkenberg, die Auslöser des Ganzen waren, haben es dann noch einmal in die Zeitung geschafft und sind mittlerweile auch in die Denkmalliste der Stadt Hörstel eingetragen.

 

Autor: Kai Niederhöfer