Virtuell in die Tiefe

08.09.2023 Carolin Steimer

Der Bärenhöhle-Komplex umfasst mehrere sehr große Abbaukammern, die ehemals nahezu mit Lehm und Erz gefüllt waren. Die mittelalterlichen Bergleute räumten es aus und so blieb diese Kammer zurück (Foto: LWL-AfW/ T. Poggel).

Tag des offenen Denkmals im Felsenmeer bei Hemer

Die LWL-Archäologie für Westfalen ist immer wieder mit Altbergbaustrukturen befasst, die vor allem im südwestfälischen Mittelgebirgsraum bedeutendes kulturelles Erbe sind.

Die Archäologinnen und Archäologen dokumentieren dabei auch untertägige Strukturen, nehmen Ausgrabungen vor und bergen Funde – sehr häufig in Kooperation mit ehrenamtlichen Akteuren wie Bergbau- oder Höhlenvereine. Selbst bei der detailliertesten Dokumentation bleibt dabei aber immer ein Wehmutstropfen zurück: Es gelingt immer nur eingeschränkt der breiten Öffentlichkeit die Welt untertage zu vermitteln. Denn das kulturelle Erbe unter unseren Füßen ist meist schwer zugänglich, es drohen Steinschlag oder aber es muss vor zu vielen Besuchern geschützt werden, damit es langfristig erhalten bleibt.

Im Felsenmeer bei Hemer ist das nun anders: In einem bundesweit einmaligen Projekt gelang es der Kooperation aus Speläogruppe Sauerland e.V., Stadt Hemer und LWL-Archäologie für Westfalen die Welt untertage virtuell übertage zu präsentieren.

Aufgrund seiner großen Dimensionen und der hervorragenden Erhaltung ist das Felsenmeer bei Hemer eine der bedeutendsten mittelalterlichen Bergbaustrukturen Nordrhein-Westfalens und bundesweit einmalig: Es handelt sich um Kalkstein, der über Jahrmillionen ausgespült wurde und in den vor ca. 30 Millionen Jahren Lehm und Eisenerz eingespült wurde. Dieses gruben mittelalterliche Bergleute auf und schufen so ausgedehnte Abbaukammern, Verbindungsstrecken und Schächte.

Die Speläogruppe Sauerland e.V. erkannte diese Strukturen als Altbergbau in den 1980er Jahren und führte über viele Jahre Vermessungen durch. Zusammen mit der LWL-Archäologie für Westfalen wurden Teilareale dokumentiert und datiert. Der Bergbau fand hier im 12. und 13. Jahrhundert statt.

Vielfach finden sich untertage auch enge Strecken, die nur kriechend überwunden werden können (Foto: LWL-AfW/ T. Poggel).

Der Höhlenverein präsentierte die Forschungsergebnisse vielfach über die Jahrzehnte und initiierte 2021 ein bundesweit einmaliges Projekt: Finanziell gefördert durch das Ministerium für Heimat des Landes NRW, unterstützt durch die Stadt Hemer und begleitet durch die LWL-Archäologie für Westfalen scannte der Verein in über 1000 Arbeitsstunden ein Teilareal untertage.

Das „Bärenhöhle“-Areal liegt direkt unterhalb des Spazierweges im Gelände. Seine Öffnungen sind umzäunt, weil hier akute Lebensgefahr besteht, sollte jemand abseits der Zäune in die Öffnungen fallen. Der Scan dieses ausgedehnten Areals wurde von der Iumax GmbH Hemer aufwändig bearbeitet, sodass Besucherinnen und Besucher nun per Smartphone virtuell im Felsenmeer erkunden können, was unter ihren Füßen verborgen ist.

  • In randlichen Bereichen, wie hier in einer Kluft, finden sich noch Lehm und Erze, die die mittelalterlichen Bergleute nicht abgebaut haben (Foto: LWL-AfW/ T. Poggel).

  • Besucher dürfen die Wege im Felsenmeer nicht verlassen! Es besteht außerhalb der Zäune Lebensgefahr, wie beispielsweise hier an einer Schachtöffnung (Foto: LWL-AfW/ M. Baales).

  • Die Speläogruppe Sauerland e.V. scannte den Altbergbau der „Bärenhöhle“ trotz mitunter widriger Zustände untertage hochauflösend in über 1000 Arbeitsstunden (Foto: Speläogruppe Sauerland e.V./ W. Hänisch).

  • Der Scan kann nun virtuell übertage im Felsenmeer erlebt werden. Hier scannt Hemers Bürgermeister Christian Schweizer einen QR-Code, der auf Hinweistafeln im Felsenmeer angebracht ist (Foto: LWL-AfW/ M. Baales).

  • Der Screenshot aus der Virtual Reality gibt einen Eindruck der aufwändig erstellten Anwendung, in der sich der Besucher frei bewegen kann …. (Grafik: Iumax GmbH)

  • …. und  mit Informationen versorgt wird. Das Fledermaussymbol gehört hierbei zu einer eigens entwickelten Kinderführung (Grafik: Iumax GmbH).

Eine Publikation der Altertumskommission für Westfalen rundet das Projekt ab und bietet so Interessierten die Möglichkeit, sich in die Materie vertiefen zu können. (LWL/Altertumskommission für Westfalen)

Darüber hinaus wurde in Kooperation mit der Altertumskommission für Westfalen eine populäre Publikation in der Reihe „Montanarchäologie in Westfalen“ realisiert, die für einen geringen Preis bei der Altertumskommission, bei der Speläogruppe Sauerland e.V. oder im Felsenmeer-Museum Hemer erworben werden kann. Sie stellt die aktuellen archäologischen Forschungen zum Felsenmeer vor und ordnet seine überregionale Bedeutung ein.

Schließlich wird im Felsenmeer-Museum die Dauerausstellung zum Felsenmeer auf Grundlage der neuesten Forschungen aktualisiert und durch eine große Virtual-Reality-Darstellung der „Bärenhöhle“ erweitert.

Die Eröffnung findet am Tag des offenen Denkmals, am kommenden Sonntag, den 10. September, statt. Wolfgang Hänisch von der Speläogruppe Sauerland e.V. und Dr. Manuel Zeiler von der LWL-Archäologie für Westfalen bieten an diesem Tag jeweils um 12 h und um 14.30 Führungen zur Ausstellung und einen Spaziergang in das Felsenmeer an.

Dieses Promotion-Video der Iumax GmbH Hemer bietet einen Eindruck von der VR-Präsentation der Bärenhöhle

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Schlagwort: Bergbau