26.06.2015

3000 Jahre altes Bronzebeil bei Scharmede entdeckt

Lappenbeil aus Bronze, entdeckt in Salzkotten-Scharmede

Bereits wenige Wochen nach meinem Dienstantritt in der Bielefelder Außenstelle der LWL-Archäologie hielt die reiche ostwestfälische Kulturlandschaft eine Überraschung für mich bereit: Im Mai überreichte mir der lizenzierte Sondengänger Viktor Langolf ein bei Scharmede im Kreis Paderborn entdecktes Lappenbeil aus dem 10. Jh. v. Chr.

Lappenbeil mit Seitenansicht

Es ist 15,9 cm lang, an der leicht ausladenden Klinge 3,7 cm breit und an den Lappen bis zu 3,6 cm dick. Das Gewicht beträgt noch 345 g. An der Seite sind noch die Überreste einer abgebrochenen Öse zu erkennen, an der - typisch für die späten Lappenbeile der Jungbronzezeit - eine Schnur zur Sicherung der Befestigung am Holzschaft diente. Etwas ältere Lappenbeile ohne Öse sind im nahe gelegenen Hortfund von Bad Wünnenberg-Haaren enthalten. Aus dem Kreis Paderborn kennen wir fünf weitere Einzelfunde, die in ihrer Form fast identisch, aber nicht gussgleich mit unserem Neufund sind. In der nicht geringen Fundhäufung deutet sich an, dass auch der ostwestfälische Hellwegraum mit seinen fruchtbaren Lössböden für die Menschen in der Jungbronzezeit von großer Bedeutung war, wenn auch eindeutige Siedlungen in dieser Region bisher noch nicht entdeckt wurden, denn Siedlungen der Bronzezeit haben die Archäologen bisher im östlichen Westfalen vergebens gesucht. Zwar gibt es einzelne Fundkonzentrationen, die als Siedlungsplätze gedeutet werden, anders als etwa im Münsterland fehlen dort aber bisher noch eindeutige Hausgrundrisse. Neben den zahlreichen Grabhügeln kommt deshalb auch solchen Einzelfunden eine große Bedeutung zu.

Text: Sven Spiong

Kategorien: Außenstelle Bielefeld · Neufunde

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