Abgenutzt und trotzdem wertvoll: Fund einer Heiligenfibel in Münster

06.07.2022 Sandra Goertz

Sammelsurium verschiedener Metallfunde von einem Acker in Münster (Foto: LWL/Ingo Pfeffer).

Abgenutzt und trotzdem wertvoll:

Fund einer Heiligenfibel in Münster

Im Dezember 2021 entdeckte ein lizensierter Sondengänger auf einem Acker am nordwestlichen Stadtrand von Münster mit Hilfe einer Metallsonde einige in der Erde verborgene Metallobjekte. Das ist sein Hobby und er sucht die Äcker regelmäßig ab. Dafür ist in NRW eine Grabungserlaubnis notwendig, wie bereits hier in diversen Artiekln mehrfach erklärt. Wie jedes Mal, hat der Sondler alle Funde bei der LWL-Archäologie für Westfalen zur Bestimmung vorgelegt. Darunter waren viele neuzeitliche Verlustfunde wie Münzen, Heiligenanhänger, Schnallen und noch einiges mehr. Bei diesen Gegenständen handelt es sich um Dinge, die leicht bei der Feldarbeit oder Jagd verloren gehen können. Neben all den neuzeitlichen Verlustfunden befand sich auch eine rundliche, stark abgenutzte Bronzescheibe in dem Sammelsurium. Dem Finder war die wissenschaftliche Bedeutung des angegriffenen Stücks nicht bewusst und mir Anfangs auch nicht, denn Nadel und Nadelhalter, mit denen das Stück damals an der Kleidung befestigt war, fehlten. Wenn man sich die Rückseite aber genauer anschaut, sieht man die Stellen an denen sie an der Scheibe festgelötet waren

Die Oberseite der Heiligenfibel (Foto: LWL/Uwe Brieke).

Heiligenfibeln als Fundkategorie

Heiligenfibeln sind ein aus dem üblichen Spektrum frühmittelalterlicher Fibeln herausragender Typ. Es handelt sich um Scheibenfibeln aus Kupfer oder einer Kupferlegierung mit abgesetztem Rand. Wie der Name schon sagt, wird im Zentralmotiv ein Heiliger, seltener auch ein Engel, dargestellt. Die Figur ist stark stilisiert und zeigt meist die Büste eines Mannes.

Es gibt zwei unterschiedliche Herstellungstechniken, meist wurde die einfache Grubenschmelztechnik verwendet um die farbige Emaille aufzubringen. Seltener kommt die aufwändigere Zellenschmelz- oder Senkschmelztechnik vor. Im vorliegenden Fall wurde die Grubenschmelztechnik verwendet. Dabei wurde eine leichte Vertiefung im Metallobjekt angelegt und diese mit der farbigen Emailschmelze gefüllt. Durch die lange Lagerung im Pflughorizont ist die Fibel stark angegriffen und es ist nur wenig von der ursprünglichen Farbigkeit erkennbar.

Die Unterseite der Heiligenfibel. Die Lötstellen an den der Nadelhalter befestigt war sind gut zu sehen (Foto: LWL/Uwe Brieke).

Nähere Einordnung des besonderen Funds

Der Fibeltyp kommt in ganz Norddeutschland mit Schwerpunkten im friesischen Küstengebiet und an Rhein und Mosel vor. Ein Herstellungsgebiet wird in der Nähe christlicher Zentren an Rhein und Mosel vermutet. In der Forschung wird die Datierung der Heiligenfibeln noch diskutiert. In der älteren Literatur wurden sie in das 8. und 9. Jahrhundert datiert, während seit einigen Jahren von einer Zeitstellung vom 9. bis 10. Jahrhundert ausgegangen wird. Einige Forschende gehen aber von einer Herstellungszeit ausschließlich im 9. Jahrhundert aus. In jedem Fall sind Heiligenfibeln wichtige und seltene Zeugnisse des frühen Christentums in Westfalen und deshalb von besonderer Bedeutung für die Wissenschaft. Da das vorliegende Stück in seiner Substanz deutlich angegriffen ist, musste es restauriert werden und liegt nun, gut geschützt, in der Klimakammer des Fundmagazins um den weiteren Zersetzungsprozess aufzuhalten.

Autor: Dr. Ingo Pfeffer