Ein seltenes Zeugnis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges

17.06.2022 Michael Baales

Lennestadt-Meggen, Umfeld „Strumberg“. Fotografische Dokumentation des Hauptbildfeldes durch Manuel Zeiler; links im Bild unser aktueller FSJler Matthias Rosenthal. – 1 Hauptbildfeld; 2 die bekannte „DAUM“-Signatur. – Foto: LWL-AfW Olpe/M. Baales

Ein seltenes Zeugnis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges

Weitere Inschrift von Alois Daum bei Lennestadt-Meggen (Kr. Olpe) entdeckt

Die Archäologische Denkmalpflege nimmt nicht nur längst vergangene Zeiträume in den Blick, sondern beschäftigt sich auch vermehrt mit der jüngeren Vergangenheit. Diese „Archäologie der Moderne“ ist nicht überflüssig, sei doch aus dieser Zeit „alles bekannt“. Vielmehr ergänzt und teilweise korrigiert sie auch vermeintliche Gewissheiten – wie dies unsere Untersuchungen zu den Erschießungsplätzen im Arnsberger Wald vermochten. Zudem bringt die Archäologie der Moderne auch Objekte und Fundzusammenhänge ans Tageslicht, die Geschehnisse nachdrücklich vor Augen führen, von denen sonst „nur“ Schriftstücke oder Fotos existieren – auch hier sind die oben genannten Forschungen ein gutes Beispiel.

Von daher fand ich einen Artikel im „SauerlandKurier für den Kreis Olpe“ auch aus „modern-archäologischer Sicht“ interessant, der über eine Felsinschrift berichtete, die offenbar zum Ausbruch des von Deutschland herbeigeführten Zweiten Weltkriegs am 1.9.1939 im Umfeld des „Strumbergs“, nordwestlich von Lennestadt-Meggen (Kr. Olpe) gelegen, entstanden war. Die sorgfältig in eine glatte Felspartie eingemeißelte Inschrift „WEISHEIT ˑ MACHT GERECHTIGK. + LIEBE SIND MEINES LEBEN(S) FEURIGE TRIEBE“ zeugt offensichtlich nicht von einer besonderen Kriegsbegeisterung. Als Datum findet sich eben der „1.9.1939“ und als Signatur ein „AD“. Etwas abseits wird das D durch die weitere Inschrift „DAUM“ aufgelöst und kann – so legen Recherchen in Meggen nahe – Alois Daum aus Lennestadt-Meggen zugewiesen werden, der 1940 zur Wehrmacht eingezogen wurde und den Krieg überlebte (und auch danach offensichtlich nie etwas über seine  damals aus gutem Grund verdeckt durchgeführte Aktion berichtete, die ihm aber offensichtlich ein Bedürfnis war).

Die im Umfeld des Strumbergs erhaltenen Bildfelder: links die Hauptinschrift, rechts unten die zugeordnete, schon bekannte „DAUM“-Signatur und oben rechts die neu entdeckte Inschrift „2.9.39 DAUM“, die offensichtlich den Entstehungstag aller Inschriften datiert – Fotos: LWL-AfW Olpe/M. Zeiler

Aufgrund des Berichtes der Lokalpresse haben wir den Ort aufgesucht, um die Situation zu dokumentieren und in unseren Datenbanken zu archivieren, eben als eine ungewöhnliche, späte Petroglyphe („Felsbildnis“). Und wie das dann so ist, bei der Suche stießen wir etwas weiter abseits vom „Hauptbildfeld“ im Bereich einer weiteren, kleinen Felsstufe noch auf eine weitere, bisher unbekannte „DAUM“-Inschrift ergänzt um das Datum „2.9.39“. Vermutlich verweist diese Ergänzung auf das tatsächliche Entstehungsdatum der Inschriften, also auf den Tag nach Ausbruch des mörderischen Krieges. Somit gelang es unerwartet, diese besondere Lokalgeschichte um einen weiteren Aspekt zu ergänzen.

Angemerkt sei noch, dass dies nicht die einzige ungewöhnliche Petroglyphe aus Südwestfalen ist, mit der wir uns beschäftigen konnten; auch das „hethitische“ Bildfeld bei Bochum offenbart eine ungewöhnliche Geschichte.

Michael Baales

 

https://www.sauerlandkurier.de/kreis-olpe/lennestadt/mahnmal-fuer-den-frieden-biblische-botschaft-im-wald-entdeckt-91545430.html#:~:text=Ebenfalls%20am%201.,und%20dem%20Datum%201.9.1939.

 

Zu dem „hethitischen“ Bildfeld

https://www.lwl-archaeologie.de/de/blog/hethiter-an-der-ruhr/

 

Zu den Massakern im Arnsberger Wald

https://www.lwl-archaeologie.de/de/blog/archaeologie-der-kriegsendphaseverbrechen/

https://www.academia.edu/44626481/Weidner_et_al_2020_Zeitgeschichte_und_Arch%C3%A4ologie_der_Moderne_Auf_der_Suche_nach_einem_sowjetischen_Mahnmal_f%C3%BCr_ermordete_ZwangsarbeiterInnen_des_Zweiten_Weltkriegs_bei_Warstein_WF