28.06.2016

Am Fundament der ehemaligen Klosterkirche

Der Sockel des Turms der alten Klosterkirche. Foto: LWL/Wolfram Essling-Wintzer

Kleingrabung in Liesborn trägt zur Klärung der Baugeschichte bei

In Liesborn in der Gemeinde Wadersloh wurde im 9. Jahrhundert ein Kanonissenstift gegründet, das 1131 zur Benediktinerabtei umgewandelt wurde und bis 1803 bestanden hat. Erhalten ist die ehemalige Kloster- und Pfarrkirche, ein Bau des 15. Jahrhunderts mit einem Westturm, der noch von der romanischen Vorgängerkirche aus der Zeit um 1100 stammt. Als Abdichtungsarbeiten des südlichen Turmfundaments notwendig wurden, waren die Archäologen der Mittelalter- und Neuzeitarchäologie zur Stelle, um diese zu betreuen.

Die Archäologen bei der Arbeit. Foto: LWL/Wolfram Essling-Wintzer

Freigelegt und dokumentiert werden konnte der dreifach getreppte Sockel des Turmes in einer Tiefe von 70 cm sowie ein Mauerzug, der der romanischen Vorgängerkirche zuzuschreiben ist. Es handelt sich dabei um einen Teil der südlichen Langhauswand, die allerdings nicht mit dem Mauerwerk des Turms verzahnt ist und daher nachträglich gegen ihn gesetzt wurde. Da sie aber auf die Lagen des getreppten Turmsockels Rücksicht nimmt und diverse Übereinstimmungen mit dem Mauerwerk des Turmfundaments zeigt, scheinen der der Vorgängerbau der bestehenden Kirche und der Westturm etwa zur gleichen Zeit um 1100 errichtet worden zu sein. Weiterhin konnten die Archäologen auch zur Klärung der Kirche des 15. Jahrhunderts beitragen, denn sie legten Überreste des um 1820 abgebrochenen südlichen Seitenschiffes frei.

Diese nur wenige Tage in Anspruch nehmende archäologische Untersuchung zeigt einmal mehr, wie solche Kleingrabungen besonders in und bei Kirchen zur Klärung der Baugeschichte beitragen können.

Text: Cornelia Kneppe

Kategorie: Mittelalter- und Neuzeitarchäologie

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