17.12.2018

Bewaffnete Ostwestfalen vor 1.200 Jahren

In Ostwestfalen sind über 70 lizenzierte Personen mit einem Metalldetektor auf der Suche nach vor- und frühgeschichtlichen Funden unterwegs. Sie werden dabei von der LWL-Archäologie für Westfalen in der Außenstelle Bielefeld betreut.

D. h. sämtliche Funde werden vorgelegt und die archäologisch relevanten Stücke werden bestimmt, fotografiert, maßstabsgerecht gezeichnet und in unserem digitalen Fundpunktenetz erfasst. Dabei werden einerseits bisher unbekannte Fundstellen entdeckt, die anschließend auch weiter erforscht und geschützt werden können. Andererseits zeichnen sich durch die Vermehrung des Fundmaterials Regelhaftigkeiten ab, die so bisher nur ansatzweise erkennbar waren.

Auf diese Weise häufen sich auch die metallenen Überreste von Schwertgurten des späten 8. und frühen 9. Jahrhunderts. So finden sich inzwischen fast regelhaft in den Siedlungen dieser Zeit gegossene Bronzebeschläge mit der typischen Kerbschnittverzierung. Selbst wenn die Schwertgurte nicht mehr benötigt wurden, nutzte man ihre Beschläge in anderer Funktion. Hierin zeigt sich ihre hohe damalige Wertschätzung: Die Nieten oder Stege wurden in diesen Fällen abgefeilt und eine Nadelhalterung angelötet, um sie zu Gewandverschlüssen umzuarbeiten. Häufig sind die randlich angeordneten Lötspuren die einzigen Hinweise auf eine solche Zweitverwendung.

Stellvertretend für die Zeit der Sachsenkriege, aus der wir inzwischen sehr viele Nachweise solcher Schwertgurtbeschläge kennen, seien hier zwei Neufunde vorgestellt.

Bruchstücke eines Beschlages und eines Riemenverteilers; Foto: LWL/C. Hildebrand

Das Bruchstück eines rechteckigen Beschlages mit Nietlöchern an den Ecken stammt aus dem Mindener Raum. Es zeigt eine typische Verzierung von zwei Tieren mit je einem Kopf und einem schlangenartigen Körper mit stilisierten Vorder- und Hinterbeinen. Die Verzierung, der sogannte Tassilokelchstil hat seine Vorbilder im anglo-irischen Bereich und hat sich im späten 8. Jahrhundert durch den Einfluss der anglo-irischen Mission auch auf dem Kontinent durchgesetzt.

Auf der Rückseite des Beschlages ist noch eine ovale Lötspur am Rand erkennbar, die darauf hinweist, dass der Beschlag in Zweitverwendung zur Fibel umgearbeitet wurde.

 

Das zweite Stück aus dem Raum Salzkotten ist ein Bruchstück eines kleeblattförmigen Riemenverteilers. Hier ließ sich eine Zweitverwendung nicht erkennen, denn die abgebrochenen Stegösenreste wurden nicht abgefeilt. Die Kerbschnittverzierung auf der Vorderseite weist auf dem erhaltenen Arm ein geometrisches stilisiertes Pflanzenornament auf (Blätter oder Blüten).

Detail mit menschlichen Gesichtern

Auf dem erhöhten plastischen Mittelteil sind noch zwei menschliche Gesichter zu erkennen: Ein Motiv, dass inzwischen einige Vergleiche unter den westfälischen Funden besitzt. Aufgrund der Verzierung kann dieses Stück bereits ins 9. Jahrhundert datiert werden – ohne dies genauer eingrenzen zu können.

Stellvertretend für eine Vielzahl vergleichbarer Militaria verdeutlichen die Funde, dass in der Karolingerzeit die bewaffneten Krieger in den ländlichen Siedlungen lebten. Eine räumliche Absonderung und die Entwicklung hin zu einer herausgehobenen Architektur in gesonderten Adelshöfen geschah von wenigen Ausnahmen abgesehen erst später.

Text: Sven Spiong

Kategorien: Außenstelle Bielefeld · Neufunde

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