21.10.2015

Das linienbandkeramische Gräberfeld von Warburg-Hohenwepel im Kreis Höxter

Blick von oben per Drohne: Die gesamte Grabungsfläche 2015

Am Nordwestrand der Warburger Börde liegen beiderseits des Ederbaches einander gegenüber zwei großflächige linienbandkeramische (LBK) Siedlungen. Die nördliche Siedlung II ist unbefestigt, während ein Hauptgraben und zwei Erweiterungsgräben die zehn bzw. zwölf Hektar große Südsiedlung (Siedlung I) umschließen.

Ca. 200 m westlich wurden auf einer Fläche von ca. 40 m x 50 m mehr als 70 Dechsel und ‑fragmente aufgesammelt, so dass hier ein teilzerstörtes LBK-Gräberfeld vermutet wurde. Eine Prospektion im Jahre 2011 bestätigte diese Annahme. Damit wurde das erste Linienbandkeramische Gräberfeld in Westfalen entdeckt.

Dokumentationsarbeiten an der Grabgrube. Im Grab ist keine Knochenerhaltung gegeben. Ein Gefäß liegt als Beigabe in der linken Grubenhälfte.

Nach der diesjährigen Grabung mit ca. 700 qm Fläche und 37 dokumentierten Gräbern sind in drei Grabungskampagnen insgesamt ca. 2000 qm Fläche mit fast 100 Gräbern untersucht worden. Manche der Grabgruben reichen noch bis zu einen Meter tief in den anstehenden Löss, während andere nur noch als kleine Mulden erkennbar sind. Die Knochenerhaltung ist im entkalkten Boden äußerst schlecht. In der Regel haben sich nur die Zähne als widerstandsfähigster Teil des Körpers erhalten. Die Toten erhielten als Beigaben Keramikgefäße, Dechsel und Flintgeräte mit ins Grab. Die Lage von Pfeilspitzen am Körper lässt auf die Mitgabe einer Waffenausstattung von Pfeilen und Bogen schließen. Dechsel aus Felsgestein, die typische linienbandkeramische Beilform, kommen nur in jedem siebten bis achten Grab vor. Dieses Verhältnis von Gräbern mit und ohne Dechsel ist auch in den bisherigen Grabungskampagnen zu beobachten. Die Gefäße mussten wegen der Brüchigkeit der Keramik eingegipst werden. Sie werden in der Restaurierungswerkstatt der LWL-Archäologie für Westfalen in Münster von der Erde befreit und wieder zusammen gesetzt.

Freilegungs- und Fundbergungsarbeiten.

Bislang konnte in etwa das halbe Gräberfeld untersucht werden. Das Ziel ist seine vollständige Dokumentation, bevor es durch Bodenerosion und Beackerung gänzlich zerstört wird. Wahrscheinlich hat das Gräberfeld ursprünglich weit mehr als 1000 Bestattungen umfasst. Weiterführende Untersuchungen wie 14C-Datierungen, Strontium-Isotopen-Analyse sowie Vergleiche der Verzierungsmuster auf der Keramik sollen die Beziehung zur nahe gelegenen zentralen LBK-Siedlung klären. Alle diese Detailuntersuchungen, mit deren Hilfe Altersbestimmungen durchgeführt werden können, Ernährungsgewohnheiten analysiert werden oder der Gebrauch von Keramik untersucht wird, sollen Aufschluss über die Lebensweise der Menschen der frühesten bäuerlichen Kultur in Westfalen um 5000 v. Chr. geben.

Text:Hans-Otto Pollmann

AiWL 11; Erscheinungsjahr 2012

Wer mehr wissen will: Über die Untersuchungen der LBK-Siedlung informiert ein Aufsatz im Band Archäologie in Westfalen 2011 (2012), 36-40.

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Kategorien: Außenstelle Bielefeld · Aktuelle Grabungen

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