26.07.2016

Denkmalpreis für die Rettung der Falkenburg

Ein imposanter Anblick aus der Luft: Die Falkenburg ist mehr als ein Blickfang in der Region. Foto: LWL

Prinz zur Lippe erhält höchste Auszeichnung für Denkmalschutz

Vorgeschlagen wurde er von den Archäologen. Nun hat Stephan Prinz zur Lippe die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik für Denkmalschutz bekommen. Die „Silberne Halbkugel“ des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz zeichnet das besondere persönliche Engagement des Prinzen zur Rettung der Falkenburg bei Detmold aus. Die Preisverleihung erfolgte am 24. Oktober in Görlitz. Dort wurden zusammen mit dem Prinzen auch neun weitere Persönlichkeiten und Gruppen geehrt. Der Preis wird jährlich verliehen.

Der Prinz bei der Preisverleihung in Görlitz.
Prinz Stephan zur Lippe. Foto: Prinz zur Lippe

Als Nachfahre der Bauherren hat sich Stephan Prinz zur Lippe seit mehr als einem Jahrzehnt nicht einfach nur für den Erhalt der Burgruine stark gemacht. Er baute zudem ein beeindruckendes Netzwerk von Unterstützern auf, um das Denkmal vor dem Verfall zu bewahren und für die Öffentlichkeit erfahrbar zu machen. So lautete Begründung für die Verleihung des Preises.

2004 stand es nicht gut um die Falkenburg, die zwischen 1190 und 1194 im Auftrag der Edelherren zur Lippe im Teutoburger Wald errichtet wurde. Vandalismus, Witterung und Natur hatten zu erheblichen Substanzverlusten geführt. Der Prinz initiierte als Eigentümer ein umfangreiches Rettungsprogramm, das viele private und öffentliche Förderer mobilisierte. Dabei unterstützte er die erforderlichen archäologischen Untersuchungen im Vorfeld personell und finanziell, ließ die Erschließungswege zur Falkenburg herrichten und sorgte auf eigene Kosten für das Entfernen des Baumbestandes auf der Burg, für Baggerarbeiten, für das Bergen von Steinmaterial oder für den Abtransport von Abraum. Die Waldbewirtschaftung rund um die Burg trat unter Verzicht auf die entsprechenden Einnahmen rund um die Burg zurück.

Fundbergung: Ein Brandhorizont um 1200. Foto: LWL/T. Pogarell

Nicht minder beeindruckend war das Netzwerk für die Akquirierung von Fördermitteln, das unter seiner Regie entstand. So ist der Prinz Kuratoriumsvorsitzender des 2004 gegründeten Vereins „Die Falkenburg“. In den Folgejahren gelang es ihm, zahlreiche Stiftungen, die Politik, Presse, Bundestags- und Landtagsabgeordnete für die Rettung der Falkenburg zu begeistern. Das Ergebnis ist ein beispielloses Projekt zu einer der größten Burgengrabungen, die zwischen der LWL-Mittelalter- und Neuzeitarchäologie und dem Lippischen Landesmuseum als Kooperationsprojekt durchgeführt wird. Die einzigartige Chance, die sich für die Archäologie bietet: Die komplette Erforschung einer hoch- bis spätmittelalterlichen Höhenburg und ihrer Nutzungsgeschichte von der Gründung im ausgehenden 12. Jahrhundert bis zum Auflassen um 1523. Hinzu kommen geophysikalische Prospektionen und Surveys, um sich dem mittelalterlichen wirtschaftlichen Umfeld der Burg zu nähern. Zusätzlich lässt sich an der Falkenburg das erste Auftreten der Feuerwaffenfortifikation in Westfalen eingehend untersuchen.

Ein Höhepunkt unter den Funden: Eine seltene Schachfigur. Foto: LWL

Die Hauptburg mit 2047 m2 mit Bergfried, die Vorburg mit 1394 m2, der Zwinger mit 941 m2: Die Falkenburg hat vom architektonischen Statussymbol über Zeugnisse aus dem Verwaltungszentrum und Alltagsleben der Burgherren bis zum Relikt der wirtschaftlichen Grundlagen viele spannende Einblicke in das mittelalterliche Burgleben zu bieten. Gegründet worden war sie in den 1190er Jahren von Bernhard II. zur Lippe und seinen Sohn Hermann II. Sie wollten ihren Herrschaftsbereich auf die Gebiete nördlich des Teutoburger Waldes ausdehnen. Bis in das frühe 16. Jahrhundert hinein war sie einer der Hauptsitze der Edelherren. Die größten Umbaumaßnahmen erlebte sie im 15. Jahrhundert mit dem verstärkten Aufkommen der Feuerwaffen und entsprechender Fortifikation. 1453 beschädigte ein Brand Teile der Hauptburg – 40 Jahre später war sie bereits baufällig.

Fast 500 Jahre nach ihrer Auflassung erlebt die Falkenburg nun eine Renaissance. Stephan Prinz zur Lippe plant, die Burg nach Beendigung der Sanierung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen – auch durch kulturelle Veranstaltungen. So bekommt die Region einen weiteren touristischen Anziehungspunkt neben dem Hermannsdenkmal, den Externsteinen, dem Freilichtmuseum und dem Lippischen Landesmuseum. Ein Besuchermagnet ist Falkenburg längst, denn jährlich zieht es schon jetzt Zehntausende auf die Ausgrabungen und diversen Führungen.

Der Preis ist die bundesweit bedeutendste Auszeichnung für Denkmalschutz. Schirmherr des Komitees ist der Bundespräsident. "Die Auszeichnung mit dem Deutschen Denkmalpreis ist daher eine große Ehre und zugleich Verpflichtung, in meinem Streben zum Erhalt des Bewusstseins für das Erbe der Lipper fortzufahren", so der Prinz bei der Ehrung. Es handele sich um eine außergewöhnliche Auszeichnung und große Anerkennung - nicht nur für ihn, sondern insbesondere auch für das große Engagement des Vereins und aller anderen am Projekt Falkenburg Beteiligten. Gleichzeitig zeige der Preis, dass die Kultur und das kulturelle Erbe die wirkliche Klammer sei, die Europa zusammenhalte. Auch die Archäologen Dr. Elke Treude und Dr. Hans-Werner Peine waren deshalb bei der Preisverleihung dabei.

Kategorie: Mittelalter- und Neuzeitarchäologie

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