21.07.2021

Seltener Fund – der Siegelstempel aus Salzkotten

Man erkennt den springenden Fisch (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/A. Madziala).

Im Bildfeld ist ein gebogener, springender Fisch dargestellt, es handelt es sich um eine Forelle, die nach der historischen Überlieferung im Wappen derer von Vernde stand.

 

Teil der spiegelverkehrten Inschrift. (Foto: LWL/A. Madziala).

Die Inschrift wurde per Hand und spiegelverkehrt eingraviert, sie lautet in gotischer Majuskel "S CONRADI DE VERNDE", wobei das „S“ als Abkürzung für „Sigillum“ = Siegel steht.

Die Rückseite des Siegels. (Foto: LWL/A. Madziala).

Auf der Rückseite des Siegelstempels sitzt mittig am oberen Rand eine vertikal orientierte stabile Öse bzw. Handhabe, mit dieser konnte das Siegel z. B. an einem Gürtel befestigt werden. Darunter zieht sich ein breiter flacher Grat bis zur Siegelspitze.

Der Siegelstempel aus Salzkotten ist einer der seltenen archäologischen Nachweise von Siegeln in Westfalen-Lippe und ein besonderes Objekt der Sachkultur, weil es ein Bindeglied zwischen archäologischer und historischer Überlieferung darstellt. Durch die Inschrift "S(igilllum) CONRADI DE VERNDE" ist er zudem der erste Siegelnachweis – ob als Stempel oder Abdruck – für einen bisher nur urkundlich belegten Conrad von Verne. Dieser gehörte zu den seit dem späten 12. Jahrhundert belegten Herren von Verne, in deren Besitz sich seit 1311 die Vernaburg befand.

Von den Herren von Verne waren bisher zwei schildförmige Siegelabdrücke zu Personen mit Namen Wilhelm aus den Jahren 1344 und 1361 bekannt (Bildnachweis: Theodor Ilgen, Die westfälischen Siegel des Mittelalters, Band 4: Die Siegel von Adeligen, Bürgern und Bauern (Münster 1894-1900), Taf. 233, Nr. 9 und 10).

Schriftliche Überlieferungen erwähnen einen ersten möglichen Siegelträger mit Namen Conrad 1339 als Vater eines Wilhelm von Vernde; dieser Conrad verstarb vor dem 23. April 1344. Ein zweiter Conrad wird erstmals 1353 als Sohn Wilhelms von Verndes und damit Enkel des ersten überlieferten Conrad genannt. In der zweiten Hälfte des 14. und im 15. Jahrhundert tauchen zwar weitere Conrads auf, doch muss das Siegel aufgrund der Schildform, der Form der Inschrift und der Art der Öse bzw. Handhabe grob gerechnet der Zeit zwischen 1250 und 1370 angehören. Wenn es innerhalb dieses Zeitraums dem ersten schriftlich belegten Conrad gehörte, ließe sich seine Datierung auf etwa das letzte Viertel des 13. Jahrhunderts bis vor den 23. April 1344 präzisieren; beim zweiten Conrad fiele die Datierung etwa in das dritte Viertel des 14. Jahrhunderts.

Foto: LWL/A. Madziala

Der Siegelstempel des Conrad von Vernde ist ein Fund von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung.

Er fällt daher unter den § 17 Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen (DSchG NRW), das sogenannte „Schatzregal“, und geht damit in Landeseigentum über. In einem nächsten Schritt wird das Siegel restauratorisch begutachtet und konserviert sowie ein Abdruck angefertigt. Mittelfristig soll der besonders für die Stadtgeschichte von Salzkotten bzw. die Ortsgeschichte von Verne spannende Fund der Öffentlichkeit im Rahmen einer musealen Präsentation zugänglich gemacht werden.

Text: Julia Hallenkamp-Lumpe

Kategorien: Außenstelle Bielefeld · Neufunde

Schlagworte: Siegelstempel · Salzkotten · Sondenfund