Die Außenstelle Olpe sagt Dankeschön!

05.12.2023 Michael Baales

Blick auf ein Stollenmundloch nahe Bestwig im Hochsauerlandkreis (Foto: LWL-AfW Olpe/L. Cramer).

Die Außenstelle Olpe sagt Dankeschön!

An einem grauen und verregneten Montag im Oktober kämpft sich ein Geländewagen auf aufgeweichten Feldwegen durch die Mittelgebirgslandschaft im Hochsauerland. Endlich an einem abgeholzten Hang angekommen, steigen eine Mitarbeiterin und zwei Mitarbeiter der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen aus und gehen mit Ausrüstung bepackt den Hang hinunter. Dort befindet sich ein Stollen, dessen Zugang nicht verkehrssicher ist und daher auf Anweisung der Bergbehörde verschlossen wird. Zuvor wird der Befund aber von uns per Scan, Vermessung, Beschreibung und Fotografie detailliert montanarchäologisch dokumentiert. Nach gut anderthalb Stunden verschwindet der Geländewagen wieder im Sauerländer Wildwetter …

Vorführung unserer aktuellen Untertage-Dokumentationsmethoden

Dieses Beispiel aus unserer Alltagspraxis ist das Ergebnis einer fachlichen und technologischen Weiterentwicklung der letzten Jahre: Endlich können wir in kürzester Zeit adäquat montanarchäologische Strukturen dokumentieren, die durch notwendige Eingriffe im Rahmen von Sicherungsmaßnahmen verschlossen werden oder ganz verschwinden müssen. Da derartige Sicherungsarbeiten rasch umgesetzt werden, ist unser Zeitfenster immer klein. Aber heute verfügt die AS Olpe nicht nur über einen großen Erfahrungshorizont zu speziellen Dokumentationsanforderungen in diesem Themenfeld, sondern auch die hierzu nötige Hard- und Software.

Dass wir darüber verfügen können, verdanken wir der großartigen Unterstützung von Direktion, Verwaltung, LWL-Kulturabteilung und LWL-IT: Es mussten eine Vielzahl an Ausrüstungsgegenständen, Schutzausrüstung, Geräte und Software beschafft werden. Sehr häufig waren auf uns zugeschnittene IT-Lösungen nötig, die dann immer wieder angepasst werden müssen.

Prominenter Besuch (v. l. n. r.): Michael Wenge, Ralf Johanshon, Mario König, Holger Wagner und Prof. Dr. M. Rind (Foto: LWL-AfW Olpe/M. Baales).

Mit einer kleinen Vorführung unserer montanarchäologischen Arbeiten vor der Direktion der LWL-AfW (Prof. Dr. Michael Rind), der Verwaltung der LWL-AfW (Ralf Johanshon u. Mario König), der LWL-Kulturabteilung (Michael Wenge) und der LWL-IT (Holger Wagner) hatten wir im Oktober die Gelegenheit, einmal Dankeschön zu sagen.

Museumsareal mit Bethaus der Bergleute (rechts) am Stahlberger Erbstollen in Hilchenbach-Müsen (Foto: LWL-AfW Olpe/M. Baales).

Auf dem Gelände des Stahlberger Erbstollens in Hilchenbach-Müsen, den der Altenberg & Stahlberg e.V. Müsen betreibt und uns freundlicherweise zur Verfügung stellte, präsentierten wir die Themenfelder Sicherheit, tachymetrische Vermessung, Fotografie und Laserscanning. Wir danken der positiven Resonanz und dem großen Interesse!

Die Ausrüstung wird untertage besonders durch Schmutz und Wasser beansprucht (Foto: LWL-AfW Olpe/H. Menne).

Themenfeld Sicherheit: Zumeist kennen wir die zu dokumentierenden untertägigen Objekte nicht. Wir wissen nicht was uns im Dunkeln erwartet und daher ist von vornherein Schutzausrüstung wichtig. Neben Helm, Geleucht (Lampe), Stiefel und Handschuhe zählen dazu auch Wathosen, wasserdichte Overalls und Transportsäcke sowie Kletterausrüstung und Bergungsequipment. Wegen der anspruchsvollen Umgebung (Schmutz, hoher Wasserstand, schwieriger Untergrund, Steinschlag) ist daher auch der Verschleiß an Schutzausrüstung relativ hoch.

Gasmessgerät (Foto: LWL-AfW Olpe/T. Poggel).

Untertage können CO- (Kohlenmonoxid) bzw.- CO2 (Kohlenstoffdioxid)-Fallen lauern, weswegen wir oft ein Gasmessgerät mitführen, das uns vor schlechten Wettern (giftigen Gasen) warnt. Daher ist auch klar, dass wir untertage nur Maschinen einsetzen können, die keine Abgase entwickeln. Folglich benutzen wir eine Akku-Kettensäge zur Verprobung von Grubenhölzern und einen Akku-Schlagbohrer zur Markierung von Vermessungspunkten.

Fabian Geldsetzer erläutert die Arbeitsschritte der tachymetrischen Vermessung (Foto: LWL-AfW Olpe/M. Baales).

Themenfeld Tachymetrische Vermessung: Im Gegensatz zur übertägigen Vermessung besteht untertage nicht die Möglichkeit GPS-Koordinaten zu empfangen. Damit aber eine Vermessung im Landeskoordinatensystem auch untertage möglich ist, muss daher das Messgerät übertage referenziert und dann nach untertage hinein weitergemessen werden. Im sogenannten Polygonzugverfahren messen wir dabei von übertage Reflektoren auf Stativen untertage ein, tauschen dann Reflektor und Tachymeter gegeneinander aus und können so den neuen Standort des Messgerätes untertage referenzieren. Die Reflektoren werden nun in Richtung des zu dokumentierenden Bereiches weiter versetzt und so arbeiten wir uns voran. Gleichzeitig werden von jedem Tachymeterstandort die Grenzen des untertägigen Hohlraums oder wichtige Teilbefunde bzw. Funde eingemessen. Hierzu benutzen wir den Messlaser, der gut in der Dunkelheit sichtbar ist.

Thomas Poggel präsentiert verschiedene Ausleuchtungskonzepte für die untertägige Fotografie (Foto: LWL-AfW Olpe/M. Baales).

Themenfeld Fotografie: Teilweise sind die von uns zu dokumentierenden Hohlräume riesig, teilweise aber auch sehr eng und meist nur beschwerlich zu erreichen. Das Einbringen großer Lampen untertage macht daher keinen Sinn. Stattdessen positionieren wir eine Spiegelreflexkamera mit Weitwinkel-Objektiv auf einem Stativ und benutzen leistungsstarke Taschenlampen zum Ausleuchten: Hierbei ‚malen‘ wir das zu fotografierende Objekt mit dem Lichtstrahl der Taschenlampe aus, während die Kamera eine Langzeitbelichtung macht. In großen Hohlräumen werden mehrere Personen im zu fotografierenden Objekt verteilt und ‚malen‘ jeweils einen Teilbereich des Fotomotivs aus. So gelingen auch Fotos großer Bildtiefe in relativ kurzer Zeit.

  • Daniel Riemenschneider zeigt den Gästen auf dem Tablet ein Scanergebnis (Foto: LWL-AfW Olpe/M. Baales).

  • Zurück in das Hochsauerland: Lutz Cramer hat hier einen Stollen mit Langzeitbelichtung fotografiert. Den vorderen Bereich hat er mit der Taschenlampe ‚ausgemalt‘. Marleen Korte hat gleichzeitig den hinteren Stollenbereich ausgeleuchtet (Foto: LWL-AfW Olpe/L. Cramer).

  • Der Stollen war teilverbrochen. Hier im Foto sind teilverschüttete Türstöcke (Holzausbauten) am Mundloch (Stollenzugang) erkennen (Foto: LWL-AfW Olpe/L. Cramer).

  • Aufstellen des Scanners am Mundloch (Foto: LWL-AfW Olpe/L. Cramer).

Themenfeld Laserscanning: Wir benutzen seit diesem Jahr einen kompakten Scanner, der detailliert seine Umgebung erfasst. Es ist dabei möglich, auch die Farbwerte zu erfassen, sofern die Ausleuchtung des Scanobjektes ausreichend ist. Das Messgerät ist leicht über ein Tablet bedienbar und die Messdaten werden direkt dorthin gedownloaded. Ist ein Standort gemessen, was wenige Minuten dauert, wird der Scanner so versetzt, dass eine Überlappung des neuen mit dem vorhergehenden Scanbereich besteht und der nächste Scan gestartet. Die Verknüpfung der Messungen erfolgt dann teilweise vollautomatisch auf dem Tablet. So ist noch untertage die Kontrolle der Arbeit möglich. Im Scan müssen aber Punkte markiert sein, die die tachymetrische Vermessung in das Landeskoordinatensystem referenzieren, denn dann kann bei der nachfolgenden Datenbearbeitung das Scanergebnis räumlich korrekt verortet werden.

Screenshot des Scans mit Farbwerten (Grafik: LWL-AfW Olpe/T. Poggel).

Dies leitet zum letzten Aspekt über: Die erhobenen Daten müssen im Innendienst ver- und bearbeitet werden: Fotos werden nachjustiert und beschriftet, die Mess- und Scanergebnisse in Karten und 3D-Modell überführt. Funde werden bearbeitet, inventarisiert und gegebenenfalls zur Weiterleitung an externe Bearbeiter oder Labors vorbereitet.

Mit wenigen Scans wurde das Stollenmundloch und der vordere Stollenteil gescannt. Diese Punktwolke (Screenshot) muss nun referenziert und weiterbearbeitet werden (Grafik: LWL-AfW Olpe/T. Poggel).

Schließlich werden alle Arbeiten samt der montanarchäologischen Beschreibung in einen Gesamtbericht zusammengeführt. Das Verhältnis vom zeitlichen Aufwand im Gelände zum daran anschließenden Innendienst beträgt dabei mindestens 1:2. Die Nachbearbeitungszeit ist damit erheblich länger als die eigentliche Dokumentation vor Ort.

Daher möchte ich mich abschließend auch bei unseren engagierten Grabungstechnikern Lutz Cramer B.A., Fabian Geldsetzer B.A., Thomas Poggel M.A. und Daniel Riemenschneider B.A. für ihre vielen Mühen mit unseren zahlreichen bergbaulichen Relikten im Arbeitsgebiet herzlich bedanken!

Dr. Manuel Zeiler