Erneut Siedlungsspuren bei Attendorn entdeckt

04.12.2023 Michael Baales

Panorama der Erdarbeiten in Attendorn-Fernholte, die von der Außenstelle Olpe begleitet wurden. – Foto: LWL-AfW Olpe/F. Geldsetzer.

Erneut Siedlungsspuren bei Attendorn entdeckt

Weitere archäologische Relikte im zukünftigen Gewerbegebiet Fernholte gesichert

Der Fundplatz Attendorn-Fernholte hat in der jüngeren Vergangenheit bereits für spannende neue Forschungsergebnisse in der Archäologie gesorgt. Das Gebiet war vornehmlich als Fundplatz diverser steinzeitlicher Artefakte bekannt. Dies änderte sich 2017, als bei einer archäologischen Sachverhaltsermittlung für das große, neue Gewerbegebiet hier unerwartet eine vorrömische, eisenzeitliche Nutzung des Areals festgestellt wurde. Somit war ein seltener eisenzeitlicher Siedlungs-Nachweis für den Kreis Olpe erbracht. Im angrenzenden Siegerland und Hochsauerland war die vorrömische Aufsiedlung der Landschaft bereits gut erforscht und mit den Funden in Fernholte gelang es nun auch für den Kreis Olpe einen weißen Fleck auf der Landkarte zu schließen. Zuvor waren zwar für die Region eisenzeitliche Wallburgen sowie Funde aus Höhlen, welche wahrscheinlich kultisch dort deponiert worden waren, bekannt, aber noch keine Siedlungsstelle.

Dementsprechend waren die Archäologinnen und Archäologen der LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Olpe, besonders hellhörig, als im Rahmen der vorbereitenden Arbeiten für das Gewerbegebiet auch eine Gewässerumlegung in Fernholte geplant wurde. Ein Bachverlauf musste geändert werden, was einen großen Bodeneingriff darstellte. Den Baufortschritt begleitend, untersuchte das Olper Personal wiederholt die neuen, aufgebaggerten Bachverläufe und wurde tatsächlich fündig.

Der eisenzeitliche Pfosten befand sich in einer neuangelegten (durchnässten) Uferböschung. Dies erschwerte die Arbeiten, wie hier das Einmessen mit Hilfe des Differential GPS. – Foto: LWL-AfW Olpe/S. Sonntag.

In einer Uferböschung entdeckten sie eine kleine Pfostengrube, welche eisenzeitliche Keramik, Holzkohlen und Knochenbrand beinhaltete. Die widrigen Wetterverhältnisse und die abschüssige Lage des Pfostens erforderten dabei ein besonders sorgfältiges Vorgehen: Um keine wertvollen Informationen zu verlieren, wurde das gesamte Material aus dem Befund geborgen und mit in die Außenstelle genommen. In mühevoller Kleinstarbeit wurde es geschlämmt und nach weiteren Funden durchsucht. So konnten weitere Keramikscherben, Holzkohlenstücke und Knochenfragmente gesichert werden.

  • Ein Profil des Pfostens wurde angelegt, um Informationen wie z. B. die Tiefe und Form des Befundes zu erhalten. – Foto: LWL-AfW Olpe/S. Sonntag.

  • Die nicht zu vernachlässigende Nachbearbeitung des geborgenen Materials wurde von unserem FSJler Felix Schumacher (Hagen) übernommen. In mehreren Arbeitsschritten säuberte er die Sedimente und durchsuchte sie nach Fundmaterial, welches er abschließend sortierte. – Foto: LWL-AfW Olpe/F. Geldsetzer.

Leider blieb es bei diesem einzelnen, eisenzeitlichen Befund, der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der bereits bekannten Siedlung zugrechnet werden kann. Doch genauso wie 2017 durch die eisenzeitlichen Befunde wurden die Fachleute erneut durch zeitlich unerwartete Befunde überrascht. Im südlichen Bereich des Bauvorhabens, wo 2017 nicht gegraben worden war, kamen große Steine im Verband zum Vorschein.

Das Fundament eines Gebäudes wurde freigelegt. Gut erkennbar im Vordergrund: Die ehemalige Baugrube. – Foto: LWL-AfW Olpe/F. Geldsetzer.

Nach dem ersten Freilegen der Steine wurde deutlich, dass es sich hierbei um das steinerne Fundament eines Gebäudes handelte und daran angrenzend ein aus Steinen gesetzter, abgedeckter Kanal. Die Bruchsteine der Fundamentmauer waren nur noch in wenigen Lagen auf ca. 1,5 m Länge erhalten, was bei der früheren landwirtschaftlichen Nutzung des Geländes nicht verwundert. Zum Teil war die ehemalige Baugrube des Fundamentes im aufgezogenen Boden auf etwa 2 m gut zu erkennen. Bei dem Kanal waren die Bruchsteine schräg, fast „V“-Förmig, in den Boden gesetzt und mit weiteren Steinen abgedeckt worden. Während das Fundament einen Ost-West-Verlauf besaß, lief der Kanal ca. 4,5 m von Süden nach Norden, wo er einen Bogen Richtung Osten schlug und noch ca. 1,5 m hangabwärts führte.

Der gefundene Kanal besaß einen gebogenen Verlauf und war zum Teil noch in situ mit Steinen abgedeckt. – Foto: LWL-AfW Olpe/F. Geldsetzer.

Vermutlich diente der Kanal der Entwässerung des, dem Fundament ehemals zugehörigen, Gebäudes. Da sich beide Befunde innerhalb eines sogenannten Kolluviums, einer Schwemmschicht, die durch flächigen Bodenab- und -auftrag entsteht, befanden, sind diese jünger als die eisenzeitlichen Siedlungspuren, welche unterhalb des Kolluviums auftraten. Es ist anzunehmen, dass die steinernen Konstruktionen in das Spätmittelalter oder die frühe Neuzeit datieren. Ein ähnlicher Befundkomplex (Gebäude und angrenzenden, entwässernden Kanal) findet sich beispielsweise in einer von der Außenstelle Olpe ergrabenen Hofstelle in Welver-Scheidingen (Kr. Soest). Das dortige Fundmaterial datiert vom 12. Jahrhundert bis ins 15. Jahrhundert. Leider konnten in Fernholte, bis auf Holzkohlen, deren Datierung mittels der 14C-Methode noch aussteht, keine datierbaren Funde bei diesem bislang unbekannten Gebäude getätigt werden.

Daher setzt das Olper Team Hoffnungen auf die bauseitig noch nicht abgeschlossenen Erdarbeiten, welche weiterhin begleitet werden. Denn es ist gut möglich, dass das Areal in Attendorn-Fernholte, dieser epochenübergreifende Fundplatz, noch weitere Überraschungen für die Archäologinnen und Archäologen parat hält.

Fabian Geldsetzer B.A.

 

Literatur

Motsch, Peter & Cichy, Eva (2018): Erste Grabungsbefunde einer eisenzeitlichen Siedlung im Kreis Olpe (Attendorn). Südsauerland – Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe 4/2018, 333-338.

Motsch, Peter & Cichy, Eva (2019): Eisenzeitliche Siedler nun auch im Kreis Olpe! Archäologie in Westfalen-Lippe 2018, 72-75. https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/aiw/article/view/76847