Kamens mittelalterliche Befestigung

07.12.2016 Carolin Steimer

Blick von Nordwesten auf das Südprofil mit dem sich abzeichnenden Graben. Foto: LWL/T. Pogarell

Im Kampf mit Grafen und Erzbischöfen

Stadtbefestigungen sind ein Charakteristikum der mittelalterlichen Städte. Ihre Erforschung ist deshalb ein wichtiges Thema der Mittelalter- und Neuzeitarchäologie. In Kamen konnten die Archäologen jetzt einen Teil des mittelalterlichen Grabensystems näher untersuchen. Eine Baustelle ermöglichte hier den Blick in den Boden.

In den Auseinandersetzungen der Grafen von der Mark mit den Erzbischöfen von Köln spielte die Stadt Kamen eine wichtige Rolle und wurde bereits um 1240 befestigt. Den bis in die Neuzeit gültigen Umfang der Stadt markierte die Mauer-Graben-Befestigung, deren Anlage in die ersten Jahrzehnte des 14. Jahrhunderts zurückgeht. Noch das Urkataster von 1827 verdeutlicht ihren Aufbau: Stadtauswärts schlossen an die Stadtmauer ein innerer und ein äußerer Graben an, damals noch in Resten erhalten. Sie flankierten einen Wall.  

Die Fundstelle in der Urkatasterkarte von 1827. Westfälischer Städteatlas I, Nr. 10.

Bei einem rückwärtigen Hausanbau an der Ostenallee 21 konnten jetzt die Überreste des mittelalterlichen Außengrabens aufgedeckt werden, der noch unter die Fundamente des bestehenden Wohngebäudes zog.  Sein Scheitelpunkt konnte nicht erfasst werden, doch lässt sich seine Spur im Profil auf mindestens fünf Metern Länge verfolgen. Damit wird eine Breite des nordsüdlich ausgerichteten Grabens von über zehn Metern rekonstruierbar.

Mit diesem Befund konnten die Archäologen nicht nur den Verlauf des äußeren Grabens präzisieren, sondern mit Blick auf zukünftige Baustellen ist damit auch deutlich geworden, dass die moderne Bebauung nicht immer Überreste davon zerstört hat. Ein ähnlicher Grabenbefund trat 2014 bereits bei einer Baustelle am nördlichen Stadtrand auf. Hier konnten der innere Graben auf einer Breite von 12 Metern  und Überreste des äußeren Grabens erfasst werden. Es gibt Hinweise, dass der innere Graben zum Kämertor hin breiter war als in seiner östlichen Fortsetzung (ca. 7 m). Der Grund dafür könnte die besondere Gefährdung des Stadttores sein.

Thomas Pogarell, Cornelia Kneppe