01.09.2017

Ehrenamt sei Dank!

Kein Pinsel! Sommerliche Temperaturen und körperliche Arbeit. Alltag eine studentischen Volontärs der Außenstelle Olpe (LWL-Archäologie für Westfalen/T. Poggel)

Weitere Erforschung einer mittelalterlichen Hofstelle bei Welver-Scheidingen, Kr. Soest

Manch einer trainiert den örtlichen Sportverein, manch anderer engagiert sich in der Jugendarbeit. Ein weiterer ist bei der Tafel aktiv oder gibt Deutschkurse für Flüchtlinge. Nur schätzungsweise Wenige bringen das Thema „Ehrenamt“ mit Archäologie in Verbindung. Doch viele freiwillig und unentgeltlich Tätige sind es, die die Bilder unserer kulturellen Vergangenheit weiter verdichten. Sie finden als klassische Feldbegeher oder lizenzierte Sondengänger wichtige Fundstücke. Sie sind mit ihrem know how unerlässliche Partner der Archäologischen Denkmalpflege und packen mitunter tatkräftig bei Ausgrabungen mit an.

Samantha Seithe, stolze Finderin einer Randscherbe mitsamt Hofstelle (LWL-Archäologie für Westfalen/T. Poggel)

So im August 2017 bei Welver-Scheidingen. Nachdem dort – initiiert durch die Recherchen und Prospektionen der damaligen Schülerin und jetzigen Archäologie-Studentin Samantha Seithe aus Scheidingen – bereits 2015 eine erste Ausgrabungskampagne stattfand und ein spätmittelalterliches Steinwerk, ein Grubenhaus, ein Brunnen und weitere Befunde dokumentiert wurden, konnte die Außenstelle Olpe jetzt mit Hilfe ehrenamtlicher Mitarbeiter/innen und Praktikanten der Ruhr-Universität Bochum weitere 600 m² vor der endgültigen Zerstörung durch den Pflug und so vor dem Vergessen retten.

Wenngleich die Fläche durch jahrhundertelange Bewirtschaftung und Erosion stark gestört ist, können nach Beendigung der Feldarbeit und erster Sichtung des Fundmaterials neue Facetten dieses Fundplatzes zur Diskussion gestellt werden: Statt einem vermuteten hölzernen Vorbau am Steinwerk lässt sich ein eigenständiges Gebäude mit einer maximalen Ausdehnung von ca. 12 x 6 m in kombinierter Pfosten- und Ständer- oder Schwellrahmenbauweise rekonstruieren. Gleich dem 2015 ergrabenen Steinwerk war dieses Gebäude an einen Kanal angeschlossen, der in den weiter unten am Hang gelegenen Salzbach entwässerte und primär der Abfallbeseitigung diente. Gespeist wurde er durch ein höher am Hang gelegenes Wasserreservoir, bei dem zukünftige Untersuchungen klären können, ob es sich um einen anthropogen angelegten Teich handelt oder natürliche Gegebenheiten vorteilhaft ausgenutzt worden sind.

Neben der intensiven und vergleichenden Auswertung der Befunde und Funde sind es jetzt die naturwissenschaftlichen Untersuchungen, wie die 14C-Analysen geborgener Holzkohlen oder die archäozoologische Ansprache von Mollusken (Weichtiere; z. B. Schnecken und Muscheln) aus den ehemaligen Wasserläufen, die weitere Informationen zu dieser interessanten Hofstelle liefern sollen. Es deutet sich an, dass die Holzbebauung und der kleine, schlicht ausgehobene, höchstens mit Decksteinen versehene Kanal in das 11. - 13. Jahrhundert datieren, das Steinwerk und sein in Steine gesetzter Kanal hingegen im 14. Jahrhundert existierten. Kennzeichnet dies einen sozialen Aufstieg der Bewohner?

Darüber hinaus sind es zahlreiche, nun in die Hände der Restaurierung gehende Metallfunde sowie einzelne Schmiedeschlacken, die andeuten, dass die Ausmaße der über Jahrhunderte genutzten Hofstelle noch längst nicht erfasst sind. Weitere Wirtschaftsgebäude und Siedlungsbestandteile warten noch auf ihre Entdeckung. Wo befindet sich die Schmiede? Gab es einen Pferdestall (wie einige Knochenfunde suggerieren)? War das Areal eingefriedet?

Zur Klärung dieser und vieler anderer Fragen darf auf eine Fortsetzung der Erforschung in den kommenden Jahren gehofft werden. Bis dahin bleibt der Einsatz aller ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen zu würdigen – ebenso dem ausgezeichneten Cateringservice. Die Außenstelle Olpe sagt vielen Dank!

Thoma Poggel M.A.

Kategorien: Außenstelle Olpe · Aktuelle Grabungen

Schlagwort: