Ein Schnupperkurs in die Archäologie Westfalens

06.10.2022 Sandra Goertz

Hannah Rausch bearbeitet ein mittelalterliches Grubenhaus in Warendorf-Velsen. (LWL-AfWL)

Ein Schnupperkurs in die Archäologie Westfalens

Ein Beitrag von einer ehemaligen studentischen Volontärin

Ein studentisches Volontariat während des Studiums ermöglicht einen Einblick in die Arbeit der Bodendenkmalpflege, verleiht praktische Grabungserfahrung und unterstützt das Lernen der im Studium behandelten Inhalte. In diesem Blogbeitrag berichte ich über mein Volontariat bei der Außenstelle Münster, die den Regierungsbezirk Münster betreut.

In einem studentischen Volontariat lernt man den Aufbau und die Arbeitsweise der Bodendenkmalpflege kennen. Dies betrifft nicht nur die formalen Aufgaben, sondern auch die praktischen Arbeiten.

Eine typische Aufgabe in meinem Volontariat war es, Funde von lizensierten Sondengehendenn mit Unterstützung der Wissenschaftler:innen zu bestimmen, zu zählen und in unsere Datenbank einzutragen und somit die Datengrundlage zu potentiellen Bodendenkmälern in Westfalen zu erweitern. Die Bandbreite der Funde war sehr umfangreich. Sie reichte von neolithischen Pfeilspitzen bis hin zu Spinnwirteln und Broschen aus dem Mittelalter. Spannend, lehrreich und herausfordernd zugleich.

Neben der Schreibtischarbeit kann es auch im Innendienst manchmal richtig matschig werden! Wenn man während der Ausgrabung auf Befunde stößt, die botanische Reste wie Relikte von Früchten, Samen oder Holzreste enthalten, nehmen wir Bodenproben. Zurück im Amt werden diese Proben flotiert (gereinigt) und so für die anschließende Arbeit der Archäobotaniker:innen vorbereitet. Neben der Artenbestimmung der organischen Materialien lässt sich mithilfe der 14C-Datierung auch das Alter bestimmen.

Es bleibt aber nicht nur bei Botanikresten, sondern mit ein wenig Glück und Aufmerksamkeit findet man neben Holzrückständen und Pflanzenkörnern auch mal eine schön gefärbte Glasperle oder sogar ein Stück Goldblech.

Hannah Rausch mit Grabungstechniker Christopher Hentzelt und der Fortzubildenden der Grabungstechnik Natalia Meliàn Esser beim Sieben von Sand an einem mesolithischen Fundplatz in Warendorf- Milte. (LWL-AfWL)

Große Bandbreite an Epochen - Einblicke in die Praxis

Die Vielfältigkeit der Aufgaben war nicht nur auf den Innendienst begrenzt, denn auch im Feld ging es quer durch die Epochen. Schon in der ersten Woche meines Volontariats ging es nach draußen. Erster Stopp: Ein mesolithischer Schlagplatz. Die Fläche haben wir in Quadranten aufgegeteilt und so konnte die gesamte Fläche systematisch durchsiebt werden. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Funde im Sieb zu sehen waren: Klingen, ein steinerner Kernrest und sogar eine retuschierte Dreieckspitze aus Feuerstein! Ein wirklich guter Zufall, dass ich gerade in diesem Semester eine Vorlesung über das Mesolithikum im Westfalen besucht hatte.

Es blieb aber nicht bei der Steinzeit und so ging es mit der nächsten Fläche in das Mittelalter. Nun waren größere Befunde mit der Schaufel und Kelle zu bearbeiten: Pfostenreihen, Grubenhäuser, Gräben und mal auch ein natürlicher Baumwurf. Schneiden, fotografieren, zeichnen, beschreiben, repeat. Und wieder dauerte es nicht lange, bis schöne Funde zu Tage kamen, wie zum Beispiel Scherben, Glasperlen und Scheibenfibeln. Solch diagnostische Funde helfen uns eine feinere Datierung zu gewinnen.  

Ein weiterer großer Aufgabenbereich der Bodendenkmalpflege ist es, Areale vor Bautätigkeiten zu untersuchen. So werden Suchschnitte angelegt um zu schauen, ob und wie viele Befunde oder Funde unter dem Mutterboden liegen. Durch intensive Datenbankarbeit hat man meistens eine Vorahnung, auf welche Epoche man treffen könnte. Auch in diesem Aufgabenbereich bin ich während des Volontariats Suchschnitte abgelaufen und habe die Augen nach möglichen Funden aufgehalten.

Vor allem und vielleicht der größte Gewinn des studentischen Volontariats ist die Tatsache, dass die im Studium gelernten Inhalte durch Eigenerfahrung konkretisiert werden. Wenn man in der Uni von einem mesolithischen Schlagplatz, einem eisenzeitlichen Vierpfostenspeicher oder einer mittelalterlichen Hofstelle hört, hat man nun ein Bild von den archäologischen Befunden im Feld vor Augen. Letztlich kann man durch diesen Einblick in die vielen Epochen der Vorgeschichte feststellen, welche von diesen einen selbst am meisten anspricht. Und auch das ist ein großer Fortschritt, gerade in Hinblick auf die Wahl eines Themas für die Bachelor- oder Masterarbeit.

 

Text: Hannah Rausch