03.04.2020

Freiraum für Auswertungen

in einsamer Mitarbeiter und viele Scherben: Für die Puzzlearbeit ist Ruhe und Konzentration nötig

Die Grabung Petershagen-Wietersheim

Auch in der Bielefelder Außenstelle der LWL-Archäologie sieht es nicht anders als in anderen Ämtern aus: alle Besprechungen abgesagt, keine Vorträge, Tagungen oder neuen Ausstellungen, leere Flure und Büros und fast alle Mitarbeiterinnen im Homeoffice. Zwar laufen die Notgrabungen der Fachfirmen mit den nötigen Sicherheitsvorkehrungen weiter, damit dort die Bauvorhaben nicht verzögert werden, aber die wenigen Grabungsbesuche sind auf die nötigsten Abstimmungstermine mit Bauherrn und Grabungsfirmen reduziert.

Doch das verschafft uns Freiraum für die Auswertung von Grabungen.

Eine der Grabungen, die im Moment für eine wissenschaftliche Bearbeitung vorbereitet werden, ist die Siedlung der Römischen Kaiserzeit in Petershagen-Wietersheim. So lagerten die Funde, die Oliver Welschar bei seinen umfangreichen Feldbegehungen seit den späten 1980er Jahren aufgelesen hat, zusammen mit einer ersten Grabung im Jahr 2002 viele Jahre im Magazin. Jetzt nutzen wir die Gelegenheit und bereiten die Funde zusammen mit denen der Grabung von 2018/19 für eine wissenschaftliche Bearbeitung vor.

Das bedeutet zunächst, dass alle Scherben ausgelegt und nach Machart und Form sortiert werden. Dann wird gepuzzelt und geklebt. Inzwischen sind wir so weit, dass fast alle Scherben, die zusammenpassen auch geklebt sind. Gefäße mit erkennbaren Formen und Verzierungen werden als nächstes zum Zeichnen rausgelegt. Sie bieten die Grundlage für die Datierung. Parallel dazu werden alle Unterlagen zusammengestellt und die Dokumentation mit allen Datenbanken aktualisiert.

Scherbe für Scherbe wird der Topf zusammengesetzt und die Klebestellen zunächst fixiert; LWL:Foto/S.Spiong

Bei dieser Arbeit bekamen wir schon einen guten Einblick in das Fundmaterial:

So können wir sagen, dass wir es insbesondere um wahrscheinlich mindestens zwei Hofstellen der älteren Römischen Kaiserzeit zu tun haben. Besonders flächige Einstichmuster von Gefäßen mit hoher Schulter lassen sich gut ins 1. bis 2. Jh. n. Chr. datieren.

Doch auch mittel- und jungsteinzeitliche Funde zeigen, dass sich schon früher hier Menschen aufgehalten haben. Außerdem hat die Funddurchsicht eine Überraschung ergeben: jüngste Funde stammen aus dem 5. Jh. n. Chr.

Typische Gefäßformen und verzierte Scherben werden zum Zeichnen herausgelegt, LWL:Foto/S.Spiong

Die Arbeit geht also weiter, aber wir bleiben zu Hause im Homeoffice oder alleine im Büro.

 

Text: Sven Spiong

Kategorie: Außenstelle Bielefeld

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