Hallo, ich bin angekommen ...

27.11.2015 Carolin Steimer

... Eindrücke aus meinem ersten Quartal in der Bodenkmalpflege

Über die Möglichkeit in Deutschland ein freiwilliges soziales Jahr in der Denkmalpflege zu machen habe ich vor zwei Jahren im letzten Semester meiner Studienzeit in Russland aus dem Internet erfahren.

Im April bekam ich auf meine Bewerbung hin von der Jugendbauhütte Westfalen eine Zusage, mit dem Einsatzort in der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie für Westfalen. Ich freute mich darauf, meine archäologischen Erfahrungen aus Russland mit denen der deutschen Archäologie zu vergleichen. Aber der bürokratische Weg nach Bielefeld war weit. Die Papierformalitäten mussten erledigt werden, und ich musste meine alte Arbeitsstelle aufgeben.


Bisher hatte ich in Sibirien (Omsk) nichts ausgegraben, was älter als aus dem 18. Jahrhundert war und das ist logisch, denn Omsk wurde 1716 gegründet und früher waren dort nur Nomaden, die keine festen Siedlungen hatten. Bei meiner ersten Ausgrabung in Ostwestfalen konnte ich dann gleich Überreste aus dem Mittelalter erforschen: Vor allem die Häuser aus dem 13.-14. Jahrhundert der Ausgrabung in der Komturstraße in Herford und die Reste des Grubenhauses aus dem 9.-10. Jahrhundert von der Ausgrabung in der Clarenstraße in Herford haben mich sehr begeistert.

In der Herforder Komturstraße haben wir eine fast 1 m dicke Mauer aus dem 14. Jahrhundert entdeckt.
Von einem Keller aus dem späten 16./17. Jahrhundert in der Clarenstraße legten wir einen schön gepflasterten Fußboden frei. Das war mühsam.
Jede Scherbe und alle Knochen müssen wir zunächst vorsichtig reinigen.
Danach durfte ich auch puzzeln ...
… und so sehen die Scherben aus, wenn sie frisch aus dem Boden kommen.

Mehr Infos zu der Grabung in Herford/Clarenstraße findet man hier.

Aber nicht nur die archäologischen Ausgrabungen machen mir Spaß, sondern auch eine ganz neue und gemütliche Dienstelle, wo man sich wie zu Hause fühlen kann und wo man mich herzlich empfangen hat. Dazu habe ich ganz tolle Kollegen bekommen, die immer humorvoll und hilfsbereit sind.

Wir arbeiten in Bielefeld in einem netten Ambiente.

Und ja, die berühmte deutsche Pünktlichkeit ist nicht nur ein verbreitetes Stereotyp, sondern die Realität, an die ich mich noch gewöhnen muss: Die Zeit der Ankunft und des Abgangs von der Arbeit werden auf einer Stempelkarte erfasst und am Ende des Monat werden die Stunden zusammengerechnet (in meiner Heimat war das alles ziemlich locker mit der Arbeitszeit :-)

Der Stempelkarte entkommt niemand! :-)

Leider habe ich deshalb schon fast vier Stunde Fehlzeit. Aber im Dezember werde ich bestimmt pünktlicher sein :-)

Ich bin sehr gespannt, was mich hier noch alles erwartet und werde weiter berichten.


Liebe Grüße,
Anna

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