17.05.2021

In Kirchen und Klöstern

Ausheben einer Grabgruft im Chor der St. Servatius Kirche in Kirchveischede (Foto: LWL-AfW /W. Essling-Wintzer).

Erfahrungen als Freiwilliger im Fachreferat Mittelalter und Neuzeit der LWL-Archäologie

Alles andere als gewöhnlich war meine bisherige Zeit als Freiwilliger im Referat für Mittelalter und Neuzeit der LWL-Archäologie. Seit dem Beginn meines Freiwilligen Sozialen Jahres in der Denkmalpflege im September vergangenen Jahres konnte ich, wie schon viele Freiwillige vor mir, den besonderen Arbeitsalltag von Archäologen und Grabungstechnikern mitverfolgen. Dabei hatte ich die Möglichkeit, die archäologische Erforschung unserer Lokalgeschichte mitzuerleben, mir diesbezüglich neues Wissen und Können anzueignen und viele der weit verstreuten Kultur- und Bodendenkmäler Westfalens zum einen zu sehen und zum anderen in meinen Arbeitsalltag einzubringen. Verbunden mit meinem persönlichen Interesse für die mittelalterliche Geschichte Europas und im engeren Sinne Westfalens, mit der sich das Fachreferat Mittelalter und Neuzeit hauptsächlich beschäftigt, haben sich diese Erfahrungen bereits vor der Beendigung meines Freiwilligen Jahres als höchst wertvoll herausgestellt.

Im Mescheder Stiftsgarten (Foto: LWL-AfW/W. Essling-Wintzer).

Aufgaben und Voraussetzungen

Mein Arbeitsalltag sieht vor allem vor, dass ich meine Kollegen auf Baustellen und archäologischen Grabungen begleite. Dort bestehen meine hauptsächlichen Aufgaben darin, archäologische Befunde freizulegen und diese anschließend ausführlich und wissenschaftlich korrekt zu dokumentieren. Dabei muss man zum einen die Bereitschaft mitbringen, sich körperlich und im Freien zu betätigen. Zum anderen ist Geduld gefragt, wenn es um den Feinputz oder die genaue Dokumentation z.B. beim Zeichnen geht. Aber vor allen Dingen wird bei der Durchführung jeglicher Arbeiten Selbstständigkeit und Lernbereitschaft gefordert.

Neben diesen Tätigkeiten im Außendienst kommen noch Aufgaben im Innendienst, wie die Fundbearbeitung und das Digitalisieren von Feldplänen, hinzu.

  • Starker Dauerregen und schlechte Wetterverhältnisse machten die Dokumentation in Plettenberg nicht einfach (Foto: LWL-AfW /W. Essling-Wintzer).

  • Anlegen einer Profilzeichnung auf dem Plettenberger Kirchhof (Foto: LWL-AfW /W. Essling-Wintzer).

  • Freilegung des Eckfundaments des ehemaligen Mescheder Rathauses mitten in der Innenstadt (Foto: LWL-AfW /W. Essling-Wintzer).

Abwechslungsreiche Alltagserlebnisse

Einen besonderen Wert dieser Arbeit in der Archäologie sehe ich darin, alltäglich mit historischen Hinterlassenschaften aus vergangen Jahrhunderten in Berührung zu kommen und dabei einer der Ersten zu sein, der diese freilegt und wieder erkennbar macht. Gleichzeitig kommt man weit in der Gegend herum und kann viel Sehenswertes bewundern. Dies ist zwar mit viel Fahrtzeit, aber auch mit viel Abwechslung verbunden.
Die ersten zweieinhalb Monate meiner Dienstzeit bspw. durfte ich an der archäologischen Untersuchung der Klausur des ehemaligen St. Walburga Stifts in Meschede (gegründet im späten 9. Jahrhundert) teilnehmen. Die zugehörige ehemalige Stiftskirche zählt zu den am besten erhaltenen karolingischen Bauwerken nördlich der Alpen, samt erhaltener Altaranlage und einem der ältesten in die Kirche integrierten Turmbau.

Vor einigen Wochen wiederum war ich bei einer Kirchengrabung in Kirchveischede anwesend und habe bei der Erforschung alter Baureste unter dem bestehenden gotischen Chor der St. Servatius Kirche tatkräftig mitgewirkt.

Im neulich sanierten Kloster Wedinghausen in Arnsberg durfte ich an der Säuberung und Präparation einer bereits ergrabenen hochmittelalterlichen Warmluftheizung sowie einer bemalten Grafengruft teilhaben.

Im Dezember konnte ich bei einer Innenstadtgrabung an der Borkener Aa die Freilegung von Resten einer alten Mühle und eines ehemaligen Stadttores miterleben. Dabei wurden massive Holzkonstruktionsreste gefunden, bei deren Bergung und Dokumentation ich mithelfen durfte. Teile dieser Hölzer wurden dann für eine sog. dendrochronologische Untersuchung
präpariert, um sie datieren zu können.
Momentan helfe ich bei der Freilegung und Dokumentation alter Fundamente und Baubefunde im Kloster Oelinghausen mit. Gleichzeitig läuft ein Bauvorhaben auf dem Marktplatz in Meschede, welches wir ebenfalls begleiten.

Zusätzlich dazu konnte ich noch kleinere Baustellen begleiten, bspw. in Vreden, Plettenberg, Coesfeld, Nordwalde und Haus Dülmen.

Die meisten dieser archäologischen Maßnahmen werden nur in Verbindung mit einem, das jeweilige Bodendenkmal im Bestand gefährdende, Bauvorhaben in Angriff genommen. Man arbeitet also entweder bauvorgreifend oder baubegleitend, ggf. auch mit Tiefbauarbeitern o.ä. zusammen. Bei den vorhergehenden Planungen solcher Bauvorhaben durfte ich ebenfalls oft dabei sein. Hierbei ist es immer wieder interessant, die wissenschaftlichen Interessen meiner Kollegen mit den Interessen der Bauplaner und Architekten aufeinandertreffen zu sehen.

  • Ich war sichtlich angetan von den Befunden am ehemaligen St. Walburga Stift in Meschede (Foto: LWL-AfW /W. Essling-Wintzer).

  • Freigelegte Baubefunde im Chor der St. Servatius Kirche in Kirchveischede (Foto: LWL-AfW /W. Essling-Wintzer).

  • Säuberung der besonderen hochmittelalterlichen Warmluftheizung im Kloster Wedinghausen (Foto: LWL-AfW /W. Essling-Wintzer.

  • Massives Konstruktionsholz in Borken während der Dokumentation (Foto: LWL-AfW /B. Grundmann).

  • Zeichnen eines Mauerwerks im Kloster Oelinghausen (Foto: LWL-AfW /W. Essling-Wintzer).

Malerische Szenerie am Kloster Oelinghausen (Foto: LWL-AfW /W. Essling-Wintzer).

Altes schützen und Neues lernen

Ich habe in meiner bisherigen Zeit als Freiwilliger vor allem gelernt, welchen Wert die Hinterlassenschaften vergangener Generationen zum einem für die Forschung aber auch besonders für das öffentliche Gedächtnis haben, und wie wichtig es ist, schützenswertes Wissen nicht in Vergessenheit gerate zu lassen.

Zu dem weiß ich auch den Wert neu erlernter Fähigkeiten zu schätzen, sei es das Erstellen von Feldplänen und Befundzeichnungen oder der Gebrauch spezialisierter Computerprogramme.

Aber vor allem das Arbeiten in einem guten kollegialen Umfeld, der Kontakt mit anderen Freiwilligen und die ständige Herausforderung neue Menschen kennenzulernen, helfen beim selbstbewussten Umgang im beruflichen wie im persönlichen Umfeld, weswegen ich den Wert eines FSJs ganz besonders in der eigenen Persönlichkeitsbildung sehe.

Peter Oellerich

Kategorien: Mittelalter- und Neuzeitarchäologie · Aktuelle Grabungen · Hinter den Kulissen

Schlagworte: FSJ · Denkmalpflege · Referat Mittelalter und Neuzeitarchäologie