So wurde im Osten von Wiedenbrück eine Befestigung mittels Graben und (bisher nicht erfasster) Stadtmauer festgestellt, während im Westen der Schutz durch die Ems offenbar weniger aufwändige Maßnahmen forderte. Am Pulverturm zeigte sich dies an einer einfachen Pfostenreihe, die lediglich die Böschung eines sich zur Ems erstreckenden Streifens Land sicherte. Die eigentliche Stadtmauer könnte dagegen passend zur Lage des Pulverturms im Verlauf des heutigen Mühlenwalls gelegen haben.
Eine ähnliche Situation in Bezug auf die Pfostenreihe wurde nun am Mühlenwall 9 erfasst. Die Entstehungszeit von Wall und Graben konnte zwar aufgrund weitgehend fehlenden datierenden Fundmaterials nicht ermittelt werden, doch gibt das Krugfragment einen Hinweis darauf, dass sie parallel zur Errichtung des Pulverturms, der aus dem 15. oder frühen 16. Jahrhundert stammt, liegen könnte. Dass der Graben – wenn es sich um genau diesen handelte – möglicherweise noch im Jahr 1766 offen lag, zeigt der älteste Stadtplan von Wiedenbrück, der an dieser Stelle des Mühlenwalls einen dem Emsverlauf folgenden stadtseitigen Graben verzeichnet.
Die Sandfläche wurde nach Ausweis der Scherbe des 16./17. Jahrhunderts in der Neuzeit angelegt, womit die Pfosten-/Bohlenreihe ebenfalls in diese Zeit fallen müsste. Diese Befundlage spiegelt vermutlich den ab dem 16. Jahrhundert einsetzenden frühneuzeitlichen Ausbau der Stadtbefestigung, wobei an dieser Stelle zur Ems hin aber offenbar eine Oberflächenbefestigung aus einem Sandauftrag mit abdeckenden, vermutlich flechtwerkartigen Matten und einer leichten, diesen Bereich zum Fluss hin abstützenden Holzkonstruktion genügte.
Text: Julia Hallenkamp-Lumpe