08.08.2017

Überraschung im Bohrkern

Der Kindelsberg ist eine weithin sichtbare Landmarke (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/Hermann Menne)

Wallburg Kindelsberg im Siegerland deutlich älter als gedacht

Der Kindelsberg östlich von Kreuztal im Siegerland ist nicht nur eine weithin sichtbare Landmarke. Er ist ein regional beliebtes Ausflugsziel und ziert das Logo jeder Bierflasche der Krombacher Brauerei.

Auch für die Archäologie ist der Berg bedeutend, wurde er doch zu unbekannter Zeit befestigt. Die Bergkuppe umgibt heute noch ein deutlich erkennbarer Wall der ehemaligen und heute verstürzten Befestigung. 1933 wurde das Bodendenkmal mit einer archäologischen Ausgrabung und der Leitung Heinz Behaghels untersucht. Er dokumentierte eine Befestigung in Steinbauweise, stabilisiert durch hölzerne Ständer. Der Ausgräber datierte die Befestigung in die Eisenzeit und so wurde seit dem die Wallburg in den topographischen Karten als „Keltische Wallburg“ aufgeführt. Behaghels Datierung wurde aber rasch widersprochen. Die von ihm festgestellte massive Steinbauweise sowie die geringe Größe der Befestigung wurden nämlich nachfolgend als Argumente aufgeführt, die Anlage in das Mittelalter zu datieren. Ausgrabungen 1989 und 2013 an der Wallburg erbrachten keine Funde und so verhärtete sich in der Wissenschaft der mittelalterliche Zeitansatz.

1989 legten Mitarbeiter der LWL-Archäologie für Westfalen einen Teil der Befestigung frei und stellten hier eine massiv gesetzte Trockenmauer fest (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/Hermann Menne)

Da derzeit die LWL-Archäologie für Westfalen zusammen mit dem Altenberg & Stahlberg e.V. Müsen sowie dem Deutschen Bergbaumuseum die mittelalterliche Montanlandschaft im nördlichen Siegerland erforscht, hat der Kindelsberg für diese Forschungen zentrale Bedeutung. Die Befestigung könnte nämlich ein prominenter Zeuge territorialer Streitigkeiten im Hochmittelalter sein. Denn ausgehend von der archäologischen Datierung wird in den historischen Wissenschaften derzeit kontrovers diskutiert, ob die Befestigung entweder unter der Kontrolle der Kölner Erzbischöfe oder unter derjenigen der mit ihnen konkurrierenden Grafen von Nassau stand.

Mittels Rammkernbohrgerät spürten die Archäologen 2016 holzkohlenhaltige Schichten im Wallversturz auf (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/Manuel Zeiler)

Um archäologisch einen Beitrag für diese Diskussion beizusteuern, führte die Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen im Juni 2016 Rammkernbohrungen in den Wällen des Kindelsberges durch. Denn der Ausgräber aus dem Jahr 1933 hatte beschrieben, dass im Wallkörper stellenweise Holzkohle war. 
Bereits bei der zweiten Bohrungen hatten wir Glück und fanden ausreichend Holzkohlen in der Wallschüttung. Diese wurde nun in Mannheim mit der Radiokarbonmethode datiert und erbrachte ein überraschendes Ergebnis: Die Befestigung des Kindelsberges ist nicht mittelalterlich, sondern eisenzeitlich. Die Probe datiert in das 9. - 8. Jahrhundert v. Chr. und damit ist das Siegerland um eine keltenzeitliche, sogar früheisenzeitliche Wallburg reicher.

Dieses Ergebnis hat herausragende Bedeutung, denn bislang sind nur wenige eisenzeitliche Fundstellen aus dem nördlichen Siegerland überhaupt bekannt.

 

Manuel Zeiler

Kategorien: Außenstelle Olpe · Aktuelle Grabungen

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