Man lernt nie aus - Zwischen Dinosaurierkeksen und steinernen Butterpfunden

22.12.2023 Sandra Peternek

Gebannt schauen die Teilnehmer auf den funkenschlagenden Feuerstein in den Händen von Wolgang Heuschen (Foto: LWL-AfW/ S. Peternek).

Geofakt oder Artefakt? Diese Frage stellen sich nicht nur ehrenamtliche Sammler, sondern auch altgediente Archäolog*innen!

Während des Studiums entwickelt jeder Wissenschaftler seinen eigenen Forschungsschwerpunkt und spezialisiert sich auf eine oder mehrere Epochen mit ihren spezifischen Fundgruppen. Archäolog*innen, die sich vornehmlich mit Metallzeiten, dem Mittelalter oder der Neuzeit auseinandersetzen, haben in der Regel nur wenige Berührungspunkte mit Silexartefakten und können diese bei der Feldarbeit leicht übersehen.

Aus diesem Grunde konnte die Außenstelle Münster Wolfgang Heuschen, den Ausgräber der Blätterhöhle in Hagen, für einen Steingerätekurs gewinnen, in dem er die Grundlagen zum Rohstoff, die wichtigsten Begrifflichkeiten zur Fundansprache und die bedeutendsten Schlagtechniken der Alt- und Mittelsteinzeit vermittelte. Neben den Kolleg*innen der Außenstellen der LWL- Archäologie waren auch Studenten der Altertumskommission sowie Vertreter der westfälischen Stadtarchäologien aus Münster, Soest und Warendorf vor Ort.

Dieser gewaltige Feuerstein aus Frankreich wird von Fachleuten als "livres de beurre" (= Pfund Butter) bezeichnet (Foto: LWL-AfW/ S. Peternek).

Neben einer Vielzahl von geologischen Anschauungsobjekten wie z. B. dem in Westfalen weit verbreiteten baltischen Feuerstein oder Flint aus Rijckholt wurden auch echte archäologische Schätze in Augenschein genommen, wie die sogenannten „Livres de beurre“ („Butterpfunde“) aus Le Grand-Pressigny in Frankreich. Diese bergmännisch gewonnenen Kerne entstanden bei der Produktion von langen Klingen und Dolchen und blieben als Fabrikationsabfall zurück.

Wolfgang demonstriert mithilfe einer Kartoffel das Bearbeiten eines Silexkernes (Foto: LWL-AfW/ S. Peternek).

Im Rahmen des Seminars konnten die Teilnehmenden selbst Hand anlegen. Mithilfe eines Messers und einer Kartoffel wurde die so genannte Levallois-Technik der Steinbearbeitung spielerisch umgesetzt. Sie bezeichnet eine Arbeitsweise des Mittelpaläolithikums, die zur Herstellung von Silexabschlägen diente. Mithilfe dieser Methode entsteht zunächst ein Zwischenprodukt (Kernstein), aus dem dann durch gezielte Zielabschläge entsprechende Endprodukte wie z. B. Klingen gewonnen werden konnten.

Begutachtung des reichlich vorhandenen Rohmaterials durch die Kollegen der Stadtarchäologie Warendorf. (Foto: LWL-AfW/ S. Peternek).

Text: Dr. Sandra Peternek