Der Krieger und seine drei Schilde

03.01.2024 Michael Baales

Bergkamen: Frühmittelalterliches Männergrab des 7. Jahrhunderts (Teil der Ausstattung)

Der Krieger und seine drei Schilde

Drei frühmittelalterliche Bestattungen aus Bergkamen, Kreis Unna – Neue Publikation

Was lange währt: 2011 wurden bei Bauvorbereitungen unweit der Autobahnausfahrt A 2 Bergkamen drei frühgeschichtliche Gräber entdeckt und geborgen. Nach kurzen Vorberichten ist jetzt ist die umfassende Publikation erschienen. Und die lohnt sich – hat doch eines der Gräber mit einer Superlative aufzuwarten.

Denn das Männergrab – bei den beiden anderen handelt sich um ein Kinder- und Frauengrab – nimmt eine Sonderstellung ein: Nicht nur weist es eine umfangreiche, vergleichsweise reiche Ausstattung auf, es ist auch das bislang einzige gesicherte Grab mit einer Spatha in der Mitte des 7. Jahrhunderts in Westfalen.

Anhand seiner Beigaben kann der Tote noch weiter charakterisiert werden: Der in einem Kammergrab bestattete Mann war vermutlich ein älterer, berittener Krieger von hohem sozialem Status, der zudem mobil war. Er lernte fremde Sitten und Gebräuche kennen und adaptierte diese. Unter den umfassenden und qualitätvollen Beigaben des Kriegers, der mit einem Spathagurt mit vollständiger Beschlaggarnitur des Typs Civezzano und einem silberplattierten Leibgurt für westfälische Verhältnisse gut ausgestatteten war, zeichnet vor allem die Beigabe von drei Schilden das Grab als überregional einzigartig aus. Vielleicht handelte es sich um eine militärische Führerpersönlichkeit, deren Status durch diese regional untypische Beigabenkombination besondere Betonung finden sollte.

Für das Kindergrab ergab eine 14C-Datierung eine zeitliche Einordnung in die zweite Hälfte des 7. Jahrhunderts. Die Datierung des Frauengrabes ist nur grob in die zweite Hälfte des 7. Jahrhunderts bis an den Beginn des 8. Jahrhunderts oder sogar noch in die zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts möglich. Das dritte Grab, die Bestattung des noblen Kriegers, lässt sich recht sicher in das fortgeschrittene 7. Jahrhundert datieren.

Die Publikation ist im open access einsehbar.

https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/afwl/article/view/101890