29.04.2021

Mit viel Geduld und ruhiger Hand – Mein freiwilliges Jahr in der LWL-Archäologie

Durch ein Gespräch mit dem Leiter der Außenstelle war mir bewusst, dass die Pandemie auch hier ihre Auswirkungen zeigt. Allerdings habe ich nicht damit gerechnet, dass sie den Arbeitsalltag so stark beeinträchtigen würde.
Nach meinem Start im September wurde bald deutlich: Grabungen, Vorträge sowie Ausstellungen der Bielefelder Außenstelle werden vorerst abgesagt. Das hat meine Möglichkeiten eingeschränkt. Allerdings gibt es auch Tätigkeiten, die nicht auf einer Grabung geschehen, schließlich müssen die Funde im Anschluss bearbeitet werden.
Mehrere tausend Scherben einer mittelalterlichen Siedlung in Petershagen-Lahde sollten wissenschaftlich untersucht werden. Meine Aufgabe hierbei war, das Puzzeln und Kleben der Keramikscherben für etliche Gruben, Pfostenlöcher, Gräber, Grubenhäuser und Keller. Die Beschreibung der Scherben und die Auswahl der Proben für C14-Tests, welche nötig sind um genauere Datierungen festzulegen, geschah dann gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Bearbeiter. Als nächsten Schritt suchten wir Gefäßbruchstücke, Scherben mit Verzierungen, Tüllen oder Henkel, welche zu zeichnen waren, heraus. Zeichnungen sind wichtig. Sie ermöglichen die Form eines Gefäßes, oder den Rand, auf eine grobe Datierung festzulegen. Gefäße von unterschiedlichen Fundstellen können so verglichen werden, um Zusammenhänge oder Unterschiede festzustellen.
Trotz der Pandemie gab es zwischen dem Fundbearbeiten im Werkraum auch Zeit für einige Außeneinsätze im Rahmen von Notbergungen. Unter Einhaltung der strengen Hygienevorgaben brachten diese immerhin manchmal, wenn auch selten, Abwechslung für mich. So erhielt ich einige wenige Einblicke in die Vorgehensweise auf einer Grabung, wenn ich schon nicht an einer teilnehmen konnte.
Die meiste Zeit verbrachte ich aber damit, zu puzzeln und zu kleben und ich kann Euch sagen: dafür brauchte ich sehr viel Geduld. Oftmals verbrachte ich viel Zeit mit dem puzzeln ohne Erfolg, doch nach einiger Zeit habe ich mich an die Arbeit gewöhnt und konnte allein durch das Anschauen einer Scherbe mögliche Verbindungen erkennen.

Geschafft! Wieder ist eine 3000 Jahre alte Urne vollständig zusammengesetzt. Aber ich mache mich gleich an die nächste. Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/S. Spiong

Im Moment setze ich Urnen von Minden-Päpinghausen zusammen. Hier ist der Vorteil, dass die vorliegenden Scherben definitiv zum selben Gefäß gehören. Dadurch ist es leichter, passende Scherben zu identifizieren.
Durch das Alter dieser Urnen ist es allerdings umso schwerer, die Stücke richtig zusammenzukleben. Oftmals sind die Bruchstellen abgerundet oder die Scherben verzogen. Deshalb dauert es einige Zeit, bis ein Exemplar vollständig zusammengesetzt ist. Dennoch ist es erfreulich, wenn man am Ende ein Gefäß in seine Ursprungsform gebracht hat, welches vorher in hunderten Teilen vor einem lag.

 

Text: Louis van’t Hull

Kategorien: Außenstelle Bielefeld · Hinter den Kulissen

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