27.05.2021

Stadtgraben von überraschender Größe in Rietberg

Mitarbeiter des LWL begutachteten die Baustelle und waren überrascht von dem Befund, der sich in der östlichen und westlichen Baugrubenwand im Profil zeigte. Demnach hatte der Stadtgraben in seinem südlichen Verlauf nicht nur eine stattliche Größe, sondern auch der genaue Aufbau der Stadtbefestigung konnte hier genauer beobachtet werden: Sie bestand aus einem doppelten Graben, der in den anstehenden Sandboden eingetieft war. Der innere Graben war bis zu 3 m tief und ca. 11 m breit, der äußere Graben war etwas weniger tief und ca. 6 m breit. Damit wies die doppelte Grabenanlage insgesamt eine Breite von mindestens 20 m auf. Sie diente bis zum 17. Jh. zur Sicherung der Stadt und konnte bei Gefahr durch die Ems geflutet werden.


Da die Rietberger Bürger den Stadtgraben auch zur Entsorgung ihres Unrates nutzten als er seine eigentliche Befestigungsfunktion bereits verloren hatte und nicht mehr regelmäßig gereinigt wurde, fand der Stadtarchäologe in den seitlichen Grabenwänden einzelnes offen sichtbares Abfallmaterial. Es folgte deshalb eine genaue Durchsicht der schwarzhumosen Grabenverfüllung.  Dabei konnte schnell eine große Menge an Keramikscherben, darunter Siegburger Steinzeug aus dem späten Mittelalter sowie Werrakeramik des 16./17. Jahrhunderts geborgen werden. Ferner enthielt die Verfüllung noch Knochenfragmente von Rind, Pferd und Schwein, z.T. mit Schnitt und Sägespuren sowie Teichmuschelschalen, Baumaterialien wie Dachziegeln und Schieferplatten, aber auch Scherben von Glasfenstern, Bruchstücke von Glasgefäßen sowie Lederreste (darunter auch Teile von Schuhen).
Die Grabenanlage umgab hier in ihrem südlichen Verlauf die im 13. Jh. begründete Stadt Rietberg zum Schutz vor äußeren Feinden, wobei die beiden Gräben ab dem 17. Jh. im Zuge der Stadterweiterung nach und nach verfüllt und überbaut wurden.


Die kurze baubegleitende Untersuchung ergänzt die bisherigen archäologischen Forschungen zur Rietberger Stadtbefestigung und zeigt nun sehr deutlich ihren Aufbau im Profil.
Nach Dokumentation der Befunde konnte ohne Unterbrechung auf der Baustelle weitergearbeitet werden.

Die dunkelhumose Verfüllung der Stadtgräben stellte sich als wahre Fundgrube heraus. (Foto: LWL/M.Hahne)
Alle Mitarbeiter staunten über die Mächtigkeit des Grabenprofils. (Foto: LWL/S. Lippe)
Die Profile wurden von S. Lippe und M. Hahne vermessen und gezeichnet. (Foto: LWL/M. Hahne)

Text: Maria Hahne /Johannes W. Glaw

Kategorien: Außenstelle Bielefeld · Aktuelle Grabungen

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