12.06.2018

"Terra X" in Hohenwepel

Sechs Gräber wurden vor laufender Kamera untersucht (Bild: Ulla Hahne).

Jungsteinzeitliches Gräberfeld wurde Filmdrehort

Hunderte unbekannte Tote im Boden am Ederbach. Fachleute legen vorsichtig menschliche Überreste frei und all das ist umgeben von Kameras, Tontechnik und Regie – doch es war kein neuer „Tatort“, der in den vergangenen Tagen in den Feldern bei Warburg-Hohenwepel gedreht wurde. Ein Filmteam aus München interessierte sich für das archäologische Gräberfeld am Ederbach, das aus der frühen Jungsteinzeit stammt. Dieses wurde in der Vergangenheit schon mehrfach in den Medien erwähnt – nun wurde für die populär-wissenschaftliche ZDF-Reihe "Terra X" gedreht.

Die Warburger Börde zeigte sich  in Sachen Wetter von ihrer schönsten Seite, als die Regisseurin Gabriele Wengler und ihre Kamera- und Tonkollegen den Archäologen vom LWL bei ihrer Arbeit genauer auf die Finger schauen wollten.

Das Hohenwepeler Gräberfeld ist für die Wissenschaft hoch bedeutend und über die Landesgrenzen hinaus bekannt: Nach bisherigen Kenntnissen ist es das einzige Gräberfeld in Westfalen, das aus der frühen Jungsteinzeit stammt, der sogenannten Linienbandkeramik. Das 7.000 Jahre alte Areal wurde 400 Jahre lang genutzt, über 700 Menschen wurden hier wohl bestattet.

Für die Filmaufnahmen hatten der Archäologe Dr. Hans-Otto Pollman und die Grabungstechnikerin Maria Hahne einen Teil der Ausgrabung mit dem Bagger freilegen lassen, sodass sechs mit Schwarzerde verfüllte Gräber vor laufender Kamera untersucht werden konnten.

Um den späteren "Terra X"-Zuschauern eine Vorstellung von der Besonderheit und Größe dieses Ortes zu verschaffen, flog eine Kameradrohne großflächig sowohl den Friedhof ab als auch die dazu gehörige Siedlung im Osten der Ostwestfalenstraße.

Filmleute dokumentieren die sachgerechte Aufnahme der Funde und Befunde (Bild: Ulla Hahne).

Auch für die LWL-Mitarbeiter der Außenstelle Bielefeld war dies kein alltägliches Ereignis: Zu Beginn ihrer Arbeit wurden sie verkabelt und erhielten Regieanweisungen. Mit mehreren Handkameras wurden die einzelnen Arbeitsschritte vom Auffinden eines Fundes bis zur sachgemäßen Bergung eines Gefäßes, eines Beiles oder auch von Zähnen gezeigt. Für die unterschiedlichen Kameraeinstellungen mussten dann auch mal einzelne Handgriffe wiederholt werden. Dr. Pollmann gab während der Arbeit Hinweise und Erläuterungen zur Grabungsstelle wie auch zu bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Vermutungen. Angesichts der eher kleinen Grabstellen erklärte er: „Wir wissen, dass die Verstorbenen in hockender Stellung auf der Seite liegend begraben wurden. Für das Leben nach dem Tod wurden den Verstorbenen Gegenstände des täglichen Lebens mitgegeben, jedoch sind alle organischen Grabbeigaben vergangen, so dass nur Stein- und Keramikreste zu finden sind.“ Durch die Positionierung der Zahnreste kann die Lage der Person im Grab festgestellt werden, denn es gab zu jener Zeit keine einheitliche Ausrichtung der Gräber. Die Regisseurin Gabriele Wengler stellte viele interessierte Fragen und setzte sie in den nächsten Szenen informativ um. Sie versuchte sich auch selbst aktiv als Grabungshelferin, um mit dem Kratzer in der Hand ein Gefühl für die Faszination archäologischen Grabens zu bekommen.

Das Gräberfeld in Warburg-Hohenwepel wurde im Jahr 2011 entdeckt. Seitdem hat die LWL-Archäologie für Westfalen dort mehrere Grabungen durchgeführt. Auch die zugehörige Siedlung ist bekannt: Sie liegt nur 200 Meter weiter östlich und wurde bereits von den Forschern ausgegraben. Nach der Weizenernte im August beginnt die letzte Grabungskampagne in Hohenwepel, um das Gräberfeld vollständig zu untersuchen.

Der Sendetermin „Terra X Jungsteinzeit“ mit Drehort in Warburg-Hohenwepel wird Anfang Januar 2019 genauer bekannt gegeben.

Text und Fotos: Ulla Hahne

Kategorien: Außenstelle Bielefeld · Hinter den Kulissen

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