Trockenheit, Borkenkäfer, Stürme …. Stress für Wald und Bodendenkmäler

20.05.2022 Michael Baales

Grabhügel im HSK. Zur Anlage einer neuen Weihnachtsbaumplantage wurde der Grabhügel – Bildmitte – durch Fräsen weitgehend zerstört. Eine Notgrabung dokumentierte dann die noch erhaltenen Reste (LWL-AfW Olpe/Hermann Menne)

Trockenheit, Borkenkäfer, Stürme …. Stress für Wald und Bodendenkmäler

Wald ist nicht mehr der beste Schutz für archäologische Fundstellen

Lange Zeit boten Waldflächen den besten Schutz für die unterschiedlichen Bodendenkmäler, unserem kulturellen Erbe im Boden. Doch diese Zeiten sind lang vorbei. Die Technisierung hat in der Forstwirtschaft schon längst Einzug gehalten und große Maschinen entwalden innerhalb kürzester Zeit große Flächen. Die Notwendigkeit derartiger umfangreicher Forstmaßnahmen hat in den letzten Jahren aufgrund des Klimawandels und der damit einhergehenden Folgen – wie langen Trockenperioden, massivem Borkenkäferbefall, großflächigen Sturmschäden etc. – ohne Frage deutlich zugenommen. Und das bedeutet gleichfalls erhöhter Stress für unser kulturelles Erbe im Wald.

Es vergeht kaum ein Monat, in dem wir keine Hinweise auf umfangreiche Forstarbeiten im Bereich eingetragener oder vermuteter Bodendenkmäler erhalten. Diese führen leider nicht selten zu teils gravierenden Verlusten an der bis heute überlieferten Substanz, sodass wir lediglich die Schäden dokumentieren können. In besonders gravierenden Fällen werden unter Einschaltung der kommunalen Behörden Kompensationsmaßnahmen wie Grabungen zur Überprüfung der Schäden und eine Wiederherstellung der Strukturen – soweit möglich – eingefordert.

  • Wallburg im HSK. Eine Wange einer Tordurchfahrt (bereits alt als Rückeweg genutzt) wurde durch Maschinen gestört (LWL-AfW Olpe/Thomas Poggel)

  • Wallburg im nördlichen Sauerland. Auch hier ist eine alte Tordurchfahrt deutlich geschädigt worden (LWL-AfW Olpe/Manuel Zeiler)

  • Wallburg im Märkischen Kreis. Die Rückewege zeichnen sich auf der Fläche der Anlage deutlich ab. Hier wurde bei nassem Wetter Holz abgefahren (LWL-AfW Olpe/Manuel Zeiler)

  • Wallburg im Märkischen Kreis. Auf der gleichen Anlage sind Fahrspuren zu tiefen Rinnen ausgefahren worden – Ansatzpunkte für Erosion und die Zerstörung oberflächennaher Befunde ist zu befürchten (LWL-AfW Olpe/Manuel Zeiler)

  • Wallburg im Märkischen Kreis. Auch hier ist die alte Tordurchfahrt gestört worden (LWL-AfW Olpe/Manuel Zeiler)

  • Wallburg im HSK. Bei der Entnahme einzelner Bäume wurden tiefe Furchen in den Untergrund und eine Wallkante gefräst, durch Maschineneinsatz und das Ziehen schwerer Stämme bei nassem Wetter (LWL-AfW Olpe/Michael Baales)

  • Wallburg im südlichen Sauerland. Für eine neue Weihnachtsbaumplantage wurde ein Teil dieser Wallburg – in der Bildmitte ist eine künstliche Verebnung noch zu erkennen – so stark überfräst, dass die gesamten oberflächennahen Funde und Befunde zerstört worden sein dürften und der Untergrund nach oben befördert wurde (LWL-AfW Olpe/Michael Baales)

Um dies zu vermeiden plädieren wir schon viele Jahre nachdrücklich bei Waldbesitzern und Forstbehörden dafür, anstehende Forstarbeiten frühzeitig mit uns abzustimmen, sowohl bei bekannten Bodendenkmälern, aber auch für Flächen ohne bekannte Bodendenkmäler, ist hier doch oft dennoch wichtige Denkmalsubstanz überliefert („Vermutete Bodendenkmäler“ nach dem Denkmalschutzgesetz NRW). Wir überprüfen diese Stellen zeitnah auf mögliche Bodendenkmäler – hierzu ist unsere Datenbank sowie das Digitale Geländemodell (DGM) des Landesvermessungsamtes sehr hilfreich. Bei einem positiven Denkmalbefund werden dann mit den Verantwortlichen Maßnahmen besprochen, um die Denkmalsubstanz möglichst zu schonen, wobei hier Kompromisse unumgänglich sind und auch regelmäßig vereinbart werden. Allerdings sind derartige Nachfragen immer noch relativ selten verglichen mit der Vielzahl der Forstarbeiten im Lande.

  • Landwehr im nordwestlichen Sauerland. Ein alter Feldweg durch die Landwehr wurde durch Maschineneinsatz verbreitert (LWL-AfW Olpe/Michael Baales)

  • Landwehr im nordwestlichen Sauerland. Bei der gleichen Landwehr wurden viele Abschnitte mit Holzresten überschüttet und befahren (LWL-AfW Olpe/Michael Baales)

  • Landwehr im nordwestlichen Sauerland. An einer Stelle wurde sogar ein breiter, neuer Rückeweg angelegt und die Landwehr auf breiter Front vollständig eingeebnet (LWL-AfW Olpe/Michael Baales)

Unser Erfahrungsschatz auf dem Gebiet ist mittlerweile sehr groß und höchst unterschiedlich bzw. zwiespältig: Zum einen muss in dieses Thema teils viel Arbeit (z.B. auch bei Ortsterminen) investiert werden, zum andern werden manche Maßnahmen „spontan“ dann doch anders umgesetzt als abgesprochen, meist zum Nachteil der Denkmalsubstanz.

Auf diese Problematik hat kürzlich auch eine Pressemitteilung der Stadtarchäologie Hagen hingewiesen, nachdem dort auf einer Wallburganlage Schäden durch nicht abgestimmte Waldarbeiten aufgetreten sind (https://www.lokalkompass.de/hagen/c-natur-garten/+++-unangemeldete-waldarbeiten-gefaehrden-bodendenkmaeler-+++_a1730560). Daher möchten wir auf die Problematik auch an dieser Stelle noch einmal hinweisen und mit einigen Beispielen verdeutlich.

  • Hohlwegsystem im nördlichen Sauerland. Bei diesem, vor langer Zeit als Bodendenkmal in die Denkmalliste der Kommune eingetragenem Hohlwegbündel und trotz vorhergehender Besprechung der Vorgehensweise wurden die Hohlwegkanten massiv überfahren, durch die Rinnen gefahren und Holzschnitt in die Rinnen „verklappt“ (LWL-AfW Olpe/Manuel Zeiler)

  • Hohlwegsystem im nördlichen Sauerland. Das gleiche Hohlwegbündel an einer anderen Stelle (LWL-AfW Olpe/Manuel Zeiler)

  • Bergbauareal im Siegerland. Die oftmals großflächigen Bergbauareale in Südwestfalen sind ein großes Problem. Hier wurde das gesamte Areal entwaldet, der Holzschnitt am Ort belassen und Strukturen überfahren (LWL-AfW Olpe/Manuel Zeiler)

  • Bergbauareal im Siegerland. Die teils tiefen Pingen eignen sich „hervorragend“ zur Verfüllung mit Holzresten und werden so nach und nach verfüllt (LWL-AfW Olpe/Manuel Zeiler)

  • Bergbauareal im Siegerland. Nach dem Überfahren der Haldenstrukturen (LWL-AfW Olpe/Manuel Zeiler)

  • Bergbauareal im südlichen Sauerland. Ein weiteres Beispiel für eine „moderne Nutzung“ von Pingen (LWL-AfW Olpe/Manuel Zeiler)

  • Bergbauareal im südlichen Sauerland. Auch hier wurden Halden überfahren und so aufgerissen; die Erosion setzt an. Im Hintergrund eine weitere teilverfüllte Pinge (LWL-AfW Olpe/Manuel Zeiler)

Wir können nur zu einer engen Kooperation zwischen Grundeigentümern, Forstbehörden, Kommunen und den Denkmalfachämtern aufrufen, um die Schäden an unserem kulturellen Erbe bei den notwendigen Forstmaßnahmen möglichst gering zu halten. Dies kann uns nur gemeinsam gelingen. Ansonsten wird der Verlust immens werden.

Michael Baales & Manuel Zeiler