Spuren aus über 7000 Jahren: Archäologen sicheren umfangreiche Siedlungsreste

26.07.2017 Carolin Steimer

Im Garten des Elternhauses von Klemens Stehr fanden die Archäologen weit zurückreichende Siedlungsspuren - LWL-AfW Olpe / Hermann Menne

Erneut eine Siedlung der ersten Bauern in Werl entdeckt

In Werl sind die Archäologen der Außenstelle Olpe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in den letzten Jahren immer wieder auf wichtige, bisher unbekannte archäologische Fundstellen gestoßen. Doch die jüngst abgeschlossene Grabung war nicht alltäglich. Die Archäologen entdeckten auf einer kleinen Baufläche fast einhundert Befunde, die von der Steinzeit bis zum Mittelalter reichen.

Am Lyggengraben im Werler Westen baut Klemens Stehr im Sommer 2017 im Garten seines Elternhauses ein neues Eigenheim. Da aus dem Umfeld bereits Funde bekannt waren und in Werl immer mit Neufunden zu rechnen ist, war eine archäologische Begleitung der Bauarbeiten notwendig. Diese Aufgabe übernahm die Archäologische Fachfirma EggensteinEXCA, die prompt auf der überschaubaren Fläche zahlreiche Gruben, Pfostengruben und Steinfundamente freilegte.

Überraschend zahlreich waren die archäologischen Grubenbefunde auf dem kleinen Baugrundstück am Lyggengraben in Werl. – Foto: EggensteinExca

Diese Menge an archäologischen Befunden überraschte uns denn doch. Zudem stellte sich schnell heraus, dass sich die entdeckten Siedlungsspuren über einen Zeitraum von mehr als 7000 Jahren verteilen: Einige sind mittelalterlich. Andere Hinterlassenschaften dagegen stammen aus der frühen Jungsteinzeit, der sogenannten Linearbandkeramik, als die ersten Bauern in Westfalen sesshaft wurden.

Besonders während der heißen Wetterperiode Mitte Juni waren die Grabungsarbeiten nicht einfach. Der Boden war stark ausgetrocknet und einige Gruben reichten tief in die Erde hinein. Gerade in diesen tiefen Gruben lagen zahlreiche Funde aus der Jungsteinzeit. Dazu zählen die typisch bandverzierten Keramikscherben und aus Feuerstein geschlagene Werkzeuge, darunter eine schöne Pfeilspitze. Auch aus dem Mittelalter sind viele Keramikscherben geborgen worden. Außerdem fanden wir große Mengen von Tierknochen, die Aufschlüsse über die Ernährung während des Mittelalters geben. Demnach wurden an dem Fundplatz vor allem Schweine geschlachtet und verzehrt.

Um das Baufeld möglichst rasch freizumachen, mussten alle mit anpacken. - Foto: LWL-AfW Olpe/Michael Baales

Der Bereich um den Werler Lyggengraben wurde in den letzten Jahrzehnten dicht bebaut, ohne dass eine umfassende archäologische Bearbeitung der Flächen erfolgt wäre. Der aktuelle Fund macht deutlich, dass hier der Verlust an archäologischen Hinterlassenschaften hoch ist. Umso wichtiger ist es daher, bei zukünftigen Baumaßnahmen genau hinzuschauen: Ansonsten gehen hier die letzten Überreste vergangener Zeiten unwiederbringlich verloren.

Die tiefen Siedlungsgruben hielten dann doch länger auf. Da der Neubau unterkellert wird, mussten sie aber komplett ausgegraben werden. – Foto: LWL-AfW Olpe/Hermann Menne

Die LWL-Archäologie versucht bei Privatpersonen die vom Denkmalschutzgesetz vorgesehene Kostentragung für die Ausgrabung durch den Einsatz eigenen Personals möglichst zu vermeiden. Allerdings ist nicht nur in Olpe die Personaldecke nicht so dick, dass dies hier mit einem kurzen Einsatz zu erledigen gewesen wäre. Daher sind wir sehr dankbar, dass Herr Stehr die Fachfirma EggensteinExca mit ins Boot holte. Zusammen wurde die Vielzahl an Befunden in knapp vier Wochen untersucht.

Die Grabungen haben wieder einmal gezeigt, dass Werl Teil einer alten, intensiv genutzten Siedlungslandschaft ist.

 

Michael Baales