14.10.2016

10 Jahre Grabungen in und vor der Blätterhöhle in Hagen – die Eiszeit ist erreicht!

Grabungsimpressionen vom Vorplatz der Blätterhöhle 2016 - Foto: LWl-AfW Münster/Katja Burgemeister.

Die letzten Grabungstage erbrachten Steingeräte der ausgehenden Altsteinzeit

Im Jahre 2004 sollten Mitglieder des Höhlenvereins Kluterthöhle e.V. aus Ennepetal die hydrologischen Verhältnisse der in den 1980er Jahren entdeckten sog. Blätterhöhle im Dolomimassiv des Weißen Steins in Hagen-Holthausen (Südwestfalen) näher erforschen. Dass sie dabei auf zahlreiche Tier- und vor allem Menschenknochen stießen, war unerwartet. Diese herausgebrachten ersten Funde lagen glücklicherweise in von Dachsen aufgewühlten Sedimenten nahe zur Oberfläche.

Die zunächst durch die Stadt Hagen, dann von der Deutschen Forschungsgemeinschaft Bonn-Bad Godesberg, der Universität zu Köln, der Freien Universität Berlin und seit 2015 durch die LWL-Archäologie für Westfalen aus Mitteln der Denkmalförderung des Landes NRW finanzierten Grabungen in und seit einigen Jahren primär vor der Höhle haben für Nordwesteuropa neue Erkenntnisse zur Deponierungspraxis frühmesolithischer (frühmittelsteinzeitlicher) und spätneolithischer (spätjungsteinzeitlicher) Menschen in einer Höhle, deren Ernährungsweise und ihrer DNA ergeben.

Die Grabungen auf dem Vorplatz erfordern eine konzentrierte Feinarbeit - Foto: LWL-AfW Olpe/Grabungsteam Blätterhöhle.

Die Grabungen auf dem kleinen Vorplatz vor der Höhle haben zudem unerwartet viele Befunde und Funde aus dem gesamten Zeitraum der Mittelsteinzeit erbracht und erstmals für NRW eine stratigraphisch fixierte Abfolge verschiedener mesolithischer Besiedlungsphasen an einem Ort erbracht. Zahlreiche naturwissenschaftliche Analysen und 14C-Datierungen machen die Blätterhöhle zu einem der am bestern erforschten Fundstellen dieser Zeitstellung in Nordwesteuropa.

Kernbohrungen auf dem Vorplatz zeigten bereits 2015, dass hier mit einer größeren Sedimentmächtigkeit gerechnet werden muss, die Hoffnung gab, auch Funde vom Ende der letzten Eiszeit bergen zu können. Ein weiteres Indiz auf  eine Nutzung des Vorplatzes in dieser Zeit hat der Zufall in Form eines Dachses auf dem Vorplatz der Höhle zum Vorschein gebracht. Er buddelte sich bis in die tieferen Schichten des Fundplatzes vor und förderte dabei Holzkohlen an die Oberfläche. Mit Hilfe der Radiokarbonmethode lässt sich das Alter des verkohlten Holzes relativ genau auf etwa 10.950 v. Chr. bestimmen. Zudem fand sich ein sog. Federmesser (Spätaltsteinzeitliche Pfeilspitze) unter den herausgewühlten Funden. Das ließ hoffen.

Auf dem Vorplatz konnte eine Abfolge verschiedener mittelsteinzeitliche Besiedlungsphasen freigelegt werden - Foto: LWL-AfW Olpe/Michael Baales.

Nun konnte unter der Abfolge der mesolithischen Besiedlungsphasen auf dem Vorplatz, die allein diese Grabungen schon wichtig machen, eine weitere nicht-mesolithische Geschoss-Spitze, eine schmale Rückenspitze, geborgen werden. Eine erste Einordnung, die bei aller Vorsicht, aber unter Berücksichtigung ihrer schlanken Morphologie und stratigraphischen Position unter dem mesolithischem Fundpaket, geschieht, lässt eine Nähe zu den sog. pointes des Blanchères des französischen Épi-Laborién (Übergangsphase Altsteinzeit-Mittelsteinzeit um 9600 v. Chr.) erwarten. Dies wäre ein weiterer Beleg für die großen Kommunikationsräume der Menschen der letzten Eiszeit.

Neufunde 2016: links oben im Bild die neue Rückenspitze vom Ende der letzten Eiszeit - Foto: LWL-AfW Münster/Katja Burgemeister.

Eine Bestätigung dieser vorläufigen Einordnung und weitere Daten zu dem bisher in der weiteren Region kaum belegten Zeitbereich vom Übergang Paläolithikum zum Mesolithikum können an der Blätterhöhle jedoch nur weitere Grabungen bringen, die sicher vielversprechend und daher für die nächsten Jahre geplant sind.

Die neue Rückenspitze - ein gutes Omen für 2017! - LWL-AfW Olpe/Michael Baales.

Die Grabungen der letzten beiden Jahre wurden aus Mitteln der Denkmalförderung des Landes NRW bestritten und von Wolfgang Heuschen M.A. vor Ort und von dem langjährigen Grabungsleiter PD Dr. Jörg Orschiedt geleitet. Wir hoffen alle sehr, dass diese Förderung noch 3 - 4 Jahre Bestand hat, bietet die Blätterhöhle doch die einzigartige Gelegenheit mehr über den spannenden Zeitraum am Ende der letzten Eiszeit zu erfahren; hier wird tatsächlich Grundlagenforschung betrieben!

Michael Baales

Kategorien: Außenstelle Olpe · Aktuelle Grabungen

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