13.10.2016

Fast vergessene Stadtlandwehr

Blick auf die Spuren des Grabens. Foto: LWL/T. Pogarell

Schutz vor den Folgen der Adelsfehden

Ein seltener Anblick bot sich dem Grabungstechniker Thomas Pogarell, als er im September zum wiederholten Mal eine Baustelle für ein Regenrückhaltebecken im Bereich der Straße „Am Eusternbach“ in Wiedenbrück kontrollierte. Bei der Beseitigung der vorhandenen asphaltierten Fahrstraße konnte in einer Tiefe von 0,8 m ein 2,20 m breiter Graben in einer Länge von 45 m aufgedeckt werden. Dahinter verbirgt sich ein Teil der Wiedenbrücker Stadtlandwehr, die fast schon vergessen war.

Die ehemalige Breite des Grabens lässt sich bezogen auf das ehemalige Geländeniveau mit ungefähr 4 m angeben, seine Tiefe mit etwa 1,7 m. Dass es sich um einen von Menschenhand angelegten Graben gehandelt hat, dafür gibt es eindeutige Hinweise: Er ist mit sandig-humosem Material verfüllt  und führte niemals Wasser. Dadurch unterscheidet er sich von dem Eusternbach, der in einem Abstand von 3 m parallel zu dem künstlichen Graben verläuft und ein tiefer liegendes Bachbett besitzt.

Blick auf die Ausgrabung. Foto: LWL

Die Wiedenbrücker Landwehr umzog die Stadt in einem Abstand von 1 bis 2 km und begleitete nach Ausweis des frühneuzeitlichen Kartenmaterials im Osten der Stadt den Eusternbach. Beschreibungen dieser Anlage decken sich mit dem archäologischen Befund. Demnach gab es zwei Gräben, von denen einer im vorliegenden Fall durch den Eusternbach ersetzt wurde. Zwischen den Wasserläufen verlief ein Wall, der zwar archäologisch nicht zu fassen ist, sich aber aus der Breite des Raumes zwischen den Gräben ergibt und demnach um die 5 m breit gewesen sein muss.

Landwehren wie die Wiedenbrücker Stadtlandwehr entstanden bevorzugt im 14. und 15. Jahrhundert, um die Felder der städtischen und bäuerlichen Bevölkerungen vor den Auswirkungen der Adelsfehden schützen zu können. Gräben und mit Buschwerk bestandene Wälle wurden von der Bevölkerung angelegt und gepflegt, Schlagbäume machten die Landstraßen kontrollierbar. An die Wiedenbrücker Anlage, die bereits 1369 bestanden hat, wird in Zukunft der Straßenname „An der Landwehr“ erinnern.

Thomas Pogarell

Kategorie: Mittelalter- und Neuzeitarchäologie

Schlagwort: